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Wer kann CVP-Bundesratskandidatin Amherd noch stoppen?

Kurz vor Ablauf der parteiinternen Frist hat Viola Amherd ihre Kandidatur für die Nachfolge von Doris Leuthard bekanntgegeben. Derzeit spricht fast alles für die Walliser CVP-Nationalrätin.
Doris Kleck
Viola Amherd stellt sich zur Wahl.Bild: Alessandro Della Valle/Keystone (Bern, 12. Oktober 2018)

Viola Amherd stellt sich zur Wahl.Bild: Alessandro Della Valle/Keystone (Bern, 12. Oktober 2018)

Die Walliser CVP-Nationalrätin liess sich Zeit: Erst kurz vor Ablauf der Meldefrist gab Viola Amherd ihre Kandidatur für die Nachfolge von Doris Leuthard bekannt. Damit ist das Kandidatenquartett der CVP komplett. Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (BL), Regierungsrätin Heidi Z’graggen (UR) und Ständerat Peter Hegglin (ZG) hatten ihre Kandidatur bereits angekündigt. Diese Namen lösten wenig Begeisterung aus. Spekulationen um Geheimpläne mit Parteipräsident Gerhard Pfister und Bundeskanzler Walter Thurnherr machten die Runde. Entsprechend erleichtert reagierten gestern CVP-Politiker auf Amherds Ankündigung. Sie, die wegen der Entfernung von Nierensteinen noch immer im Spital liegt, gilt als Kronfavoritin für die Ersatzwahl vom 5. Dezember.

Zuvor steht Mitte November aber ein anderer wichtiger Termin an. Die CVP-Fraktion im Bundeshaus wird bestimmen, wen sie offiziell nominieren wird. Im Berner Politjargon heisst das: Wer den Sprung auf das Ticket schafft. Quer durch alle Parteien geht man davon aus, dass Amherd einen Platz darauf belegen wird. Offen ist, wer die parteiinterne Konkurrenz sein wird. Ob die Partei auf ein reines Frauenticket setzen wird, oder ob sie der Bundesversammlung auch eine Auswahl bezüglich Geschlecht anbietet. Karl Vogler (CSP/OW) oder auch Manfred Bühler (SVP/BE) fordern ein gemischtes Ticket.

Eine leise Schafferin

Was macht Amherd zur Favoritin? Sie regierte 20 Jahre lang in Brig-Glis mit – zwölf Jahre davon als Präsidentin. Exekutiverfahrung bringen zwar auch Hegglin und Z’graggen mit. Die 56-jährige Walliserin ist in Bundesbern aber wesentlich stärker verankert. Seit 2005 vertritt die Anwältin das Oberwallis im Nationalrat. Und seit sieben Jahren ist sie Vize-Fraktionschefin. Sie wird bis in die SVP als engagierte Persönlichkeit mit fundierten Dossierkenntnissen bezeichnet. Ein Nationalrat nennt Amherd zwar blass; sie ergreife in Kommissionen wenig das Wort. Dass Amherd nicht zu den lauten Politikern unter der Bundeshauskuppel gehört, bestreiten selbst ihre Fürsprecher nicht. «Ein Nachteil muss das nicht sein», sagt aber FDP-Nationalrätin Christa Markwalder. Wenn sich Amherd melde, dann habe dies immer Hand und Fuss. Vogler sagt: «Amherd ist nicht spektakulär, aber unheimlich effizient.» Sie wird als geerdet, verlässlich und humorvoll beschrieben.

Gelingt Amherd der Sprung auf das Ticket, dürften ihr die Stimmen von Mitte-Links gewiss sein. Die Grünen setzten bereits einmal auf die Walliserin: Als sie bei der Ersatzwahl von Eveline Widmer-Schlumpf den SVP-Kandidaten die Stimmen verweigerten. Im Politikerranking der NZZ steht Amherd leicht links der Mitte. Sie weist im Links-Rechts-Schema allerdings den gleichen Wert auf wie etwa BDP-Präsident Martin Landolt. Markwalder sagt denn auch: «Amherd ist eine bürgerliche Politikerin, die gesellschaftspolitisch offen ist.» Die Walliserin befürwortet etwa die Ehe für alle oder die Stiefkindadoption für gleichgeschlechtliche Paare.

Kein Persilschein

Figuriert neben Amherd auch Hegglin auf dem Ticket, dürfte der Walliserin auch der Frauenbonus helfen. Im Jahr von #MeToo wird das Geschlecht bei den Bundesratswahlen eine entscheidende Rollen spielen – wohl mehr als die Herkunft. Hier hätte Hegglin als Zentralschweizer einen Bonus. Schlägt die CVP ein reines Frauenticket vor, läge der Vorteil gleichwohl bei Amherd. Wegen ihrer Verankerung in Partei und Parlament.

Derzeit gibt es keinen Hinweis darauf, dass Amherd die zivilrechtliche Auseinandersetzung um eine überhöhte Miete schaden würde. Medien berichteten, Amherd trete nur an, falls ihr die Prüfungskommission der CVP vorab bescheinige, dass der Streit kein Problem sei. Ein solcher Persilschein liegt allerdings nicht vor.

Kandidat in Misslage

Die Kandidaten, welche die Nachfolge von FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann antreten wollen, stehen fest. Als klare Favoritin steigt die St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter ins Rennen. Zusammen mit ihren beiden ­Herausforderern Regierungsrat Christian Amsler (SH) und Ständerat Hans Wicki (NW) muss sie sich einer eingehenden Prüfung des Vorstands stellen, bevor die FDP-Fraktion Mitte November entscheidet, wer für die Wahl vorgeschlagen wird. Amsler erwischt einen holperigen Start. Gestern entschied die Schaffhauser ­Geschäftsprüfungskommission (GPK), eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) einzusetzen, um Ungereimtheiten in der Schulzahnklinik zu untersuchen. Ein Arzt soll über Jahre Patienten abgeworben und Schulkinder unnötiger Röntgenbelastung ausgesetzt haben. Die «Schaffhauser Nachrichten» machte den Fall publik. Das Erziehungsdepartement von Christian Amsler wies die Vorwürfe nach einer Untersuchung ab. Der GPK liegen nun offenbar gegenteilige Hinweise vor, sie fordert eine vertiefte Abklärung. (dk)

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