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Viele gefährliche Tiefgaragen

Bauexperten schätzen, dass in der Schweiz rund tausend alte Tiefgaragen ein erhebliches Gefährdungspotenzial aufweisen – Neue Normen und verstärkte Kontrollen sollen Einstürze verhindern.
Angelo Zoppet
Ein gutes Beispiel für eine sichere Tiefgarage, die Brühltor-Garage in St. Gallen. (Bild: Trix Niederau)

Ein gutes Beispiel für eine sichere Tiefgarage, die Brühltor-Garage in St. Gallen. (Bild: Trix Niederau)

Nicht nur Frauen fühlen sich in älteren, düsteren Einstellhallen und Tiefgaragen unwohl. Und wenn dann auch noch an Wänden und Ecken Wasser tropft, bei Stützen und Mauern Risse erkennbar sind, bekommen sogar Fachleute ein beklemmendes Gefühl.

Der Deckeneinsturz einer Tiefgarage im solothurnischen Gretzenbach Ende November 2004, bei dem sieben Feuerwehrleute ums Leben kamen, rüttelte die Schweizer Baufachwelt endlich auf. Das vermeidbare Unglück führte landesweit zu Diskussionen über Risiko und Sicherheit von Unterflur-Parkhäusern und Einstellhallen.

Strafverfahren eröffnet

Vor vier Wochen nun eröffnete die Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn gegen sechs der am Bau beteiligten Personen ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässigem Verursachen eines Einsturzes. Und zwar gegen den Ingenieur und dessen Vorgesetzten, den Bauleiter und seinen Vorgesetzten sowie gegen die beiden Bauherren.

Erkanntes Risiko

An einer Fachtagung des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) im Juni an den beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen von Lausanne und Zürich betonten die Experten des SIA, dass das Problem sehr wichtig und akut sei. Gemäss Schätzungen sind in der Schweiz etwa 30 000 Tiefgaragen und Sammeleinstellhallen vorhanden – die meisten in den letzten 30 Jahren gebaut.

Realistischen Annahmen zufolge erfüllen die meisten der nach den alten, ungenügenden Normen gebauten Objekte die heutigen Standards nicht. Etwa 1000 Bauwerke dürften ein erhebliches Gefährdungspotenzial aufweisen und einige davon sind gar einsturzgefährdet. Kommen zu den meist auch fehlenden oder ungenügenden Kontrollen noch weitere, für die Tragsicherheit ungünstige Faktoren hinzu, so kann es bei einer geringen Zusatzbelastung zu einem plötzlichen Einsturz kommen. So wie es in Gretzenbach mit dem Brand eines Fahrzeuges der Fall war. Die landesweit durchgeführten Untersuchungen zeigten, dass erdüberdeckte Einstellhallen und Tiefgaragen besonders gefährdet sind. Weitere Hauptursachen von Deckeneinstürzen sind Fehler bei den statischen Berechnungen und Belastungsannahmen sowie bei Ausführung und Baukontrollen. Zu einer fachgerechten Überprüfung und Zustandsbeurteilung gehören alle Bauwerksakten und Pläne sowie die wichtigen Nutzungs- und Sicherheitsdokumente. Fehlen diese oder auch nur Teile davon, so ist es beinahe unmöglich, die damals beim Bau gemachten Annahmen, Berechnungs- und Einwirkungsgrössen mit den heute tatsächlichen zu vergleichen.

Bei den meisten bekannten Schadenfällen spielt das Durchstanzen der Stützen eine zentrale und entscheidende Rolle. Auf diesem Gebiet wurden in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gemacht und neue Erkenntnisse gewonnen, die nun ebenfalls in die neuen Normen Eingang finden. Mit vertretbarem Aufwand lassen sich die oft zu schwachen Stützen mit dem Problem Stützenkopf rasch und einwandfrei sanieren.

Gebäudebesitzer haften

Es wird allen Eigentümern und Besitzern von Tiefgaragen und Einstellhallen dringend empfohlen, ihre Bauten und Anlagen gemäss den neuesten Erkenntnissen und Anforderungen überprüfen zu lassen. Zu diesem Zweck gab der SIA eine Informationsbroschüre (Faltblatt) mit dem Titel «Erhaltung von Tragwerken» heraus. Schliesslich liegt die Haftung bei einem Unfall oder gar Einsturz beim Eigentümer. Diese kann sowohl eine zivil- als auch eine strafrechtliche Relevanz bekommen.

Sieben Tote forderte dieser Deckeneinsturz in Gretzenbach im Jahr 2004. (Bild: ky)

Sieben Tote forderte dieser Deckeneinsturz in Gretzenbach im Jahr 2004. (Bild: ky)

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