Viel Verständnis für höhere Alterslimite

Bier und Wein erst ab 18 Jahren – mit dieser Regelung will der Kanton Baselland gegen jugendliche Trinker vorgehen. Der Vorschlag stösst bei Parteien, Wirten und Bund auf Zustimmung.

Katja Fischer
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Parteien und Bund befürworten ein strengeres Vorgehen im Kampf gegen jugendliche Trinker. (Bild: ky/Annette Boutellier)

Parteien und Bund befürworten ein strengeres Vorgehen im Kampf gegen jugendliche Trinker. (Bild: ky/Annette Boutellier)

Die Baselbieter Regierung greift im Kampf gegen den Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen zu neuen Mitteln. Sie will die Altersgrenze für den Kauf von Bier und Wein auf 18 Jahre erhöhen und die private Weitergabe von Alkohol an Jugendliche unter Strafe stellen. Die Massnahmen sollen mit der Revision des kantonalen Gastgewerbegesetzes bis spätestens 2009 umgesetzt werden.

Nicht auf Bundesebene

Die Regierung von Baselland will dabei über geltendes Bundesrecht hinausgehen. Beim Bundesamt für Gesundheit stösst das Basler Vorgehen jedoch auf Zustimmung. Es sei positiv, wenn die Kantone in Sachen Alkoholprävention selber aktiv würden, sagt Anne Lévy, Leiterin der Sektion Alkohol und Tabak beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Zudem sei Baselland nicht der erste Kanton, der seine Alkoholgesetzgebung verschärfe. Im Tessin werde Alkohol seit Jahren nur noch an Volljährige verkauft, ebenso in Zug. «Eine höhere Alterslimite ist auf Bundesebene jedoch nicht vorgesehen.» Man wolle zuerst dafür sorgen, dass die bestehenden Alterslimiten im Verkauf eingehalten würden, sagt Anne Lévy. Dies geht auch aus dem nationalen Programm Alkohol 2008–2012 hervor, das derzeit in der Anhörung ist. Der Entwurf des BAG enthält jedoch auch ein heftig umstrittenes nächtliches Alkoholverkaufsverbot an Tankstellen, Bahnhöfen und Take-Aways. Damit will der Bund spontane Besäufnisse von Jugendlichen unterbinden.

Eine vernünftige Lösung

Bei den Parteien findet der Baselbieter Weg – im Gegensatz zum Alkoholverkaufsverbot des Bundes – Zustimmung. «Über eine Erhöhung der Alterslimite für den Alkoholverkauf könnte man durchaus diskutieren», findet sogar der stellvertretende SVP-Generalsekretär, Markus Zollinger. Obwohl seine Partei sonst eher gegen zusätzliche Reglementierungen sei, scheine ihm diese Lösung vernünftiger als die vorgeschlagene Regelung des Bundes. Generell appelliert die SVP aber an die Eigenverantwortung der Jugendlichen und der Eltern. Von einer bundesweiten Erhöhung der Alterslimite hält Zollinger nichts. «Die Kantone sollen darüber selber entscheiden.»

Eigenverantwortung statt Verbot

SP-Suchtexpertin Jacqueline Fehr begrüsst eine bundesweite Erhöhung der Alterslimite. Wichtig sei aber, dass der Konsum von Alkohol weiterhin straffrei bleibe. Fehr glaubt, dass der Entwurf von Baselland Modellcharakter haben könnte. Es brauche aber noch weitere Massnahmen. Auch sie verweist in diesem Zusammenhang auf das Alkoholprogramm des Bundes, welches die SP unterstützt. Auch Nationalrätin Ruth Humbel (CVP/BE) ist für eine Verschärfung der Gesetze im Sinne der Basler Regierung. Ihr erscheint diese Lösung sinnvoller als eine zeitliche Regelung für den Verkauf.

Bei der FDP wollte man sich gestern nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Man setze auch in Suchtfragen auf Selbstverantwortung, sagt Pressesprecher Christian Weber. Man müsse Jugendlichen das Trinken nicht verbieten, sondern ihnen den massvollen Umgang mit Alkohol lehren. «Zudem sollten wir die bestehenden Altersgrenzen zuerst durchsetzen, bevor wir neue einführen.»

Umsetzung schwierig

Dass es bei der Umsetzung hapert, zeigt eine Befragung der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol und Drogen (SFA). Ein Drittel der 15jährigen in der Schweiz erhält demnach problemlos alkoholische Getränke in Läden oder Restaurants. Für Monique Helfer, Pressesprecherin der SFA, ist darum klar, dass eine Erhöhung der Alterslimite zwar begrüssenswert, aber sehr schwierig durchzusetzen sei. «Dafür werden viele Kontrollen und zusätzliche Schulungen des Verkaufspersonals nötig sein, was wiederum mit Kosten verbunden ist.» Auch die Gesellschaft müsse ihre Verantwortung übernehmen und umdenken. «Wenn der Vater dem Sohn ein Bier auf den Tisch stellt, nützen Verkaufsverbote wenig.»

Einer, der sich vielleicht schon bald konkret mit der Umsetzung des Gesetzes befassen muss, ist Urs Stingelin, Präsident von Gastro Suisse Baselland. Obwohl er sonst jegliche Reglementierungen des Gastgewerbes ablehnt, findet er die Erhöhung der Alterslimite für den Alkoholverkauf sinnvoll. Vor allem der Zusatz, dass künftig auch die Weitergabe von Alkohol an Minderjährige strafbar ist, sei eine gute Sache. Stingelin fürchtet für die Wirte auch keine Umsatzeinbussen. «Kampftrinker decken sich anderswo ein.»

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