Viel Lärm um (fast) nichts

zürich. An den Vorwürfen an die Adresse der Stadtzürcher Sozialdienste ist so gut wie nichts dran. Zu diesem Schluss kommen externe Experten, die mehrere hundert Fälle analysierten.

Andreas Minder/Zürich
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«Aus dem Elefanten ist ein Mäuschen geworden», sagt Berater Peter Arbenz. (Bild: ky/Alessandro della Bella)

«Aus dem Elefanten ist ein Mäuschen geworden», sagt Berater Peter Arbenz. (Bild: ky/Alessandro della Bella)

Was zwei ehemalige Mitarbeiterinnen den Sozialen Diensten vorwerfen, wiegt schwer. In der Sozialhilfe würden 80 Prozent der Fälle mangelhaft geführt und 30 Prozent der Fälle könnten sofort eingestellt werden. Die beiden Controllerinnen Esther Wyler und Margrit Zopfi waren mit diesen Zahlen an die Medien gelangt, nachdem die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Gemeinderates Anfang Januar in den Sozialdiensten keine schweren Verfehlungen entdeckt hatte. Eine neuerliche Abklärung durch externe Fachleute bestätigt nun im wesentlichen die Resultate der GPK. Drei Sozialarbeiterinnen aus Luzern und Schlieren untersuchten sämtliche 473 Dossiers, die über das Pult von Wyler und Zopfi gegangen waren. Die externen Fachleute stellten fest, dass die Beanstandungen der beiden Controllerinnen zum grössten Teil formaler Natur oder überhaupt nicht berechtigt waren. Nur in 12 Fällen entdeckten sie Mängel, die zu falschen Auszahlungen in der Höhe von 90 000 Franken geführt hatten. Davon waren über 60 000 Franken wieder zurückgefordert worden. Gemessen am Total der ausbezahlten Sozialhilfe beläuft sich der Schaden auf 0,1 Prozent.

«Hochgespielt»

«Aus dem Elefanten ist ein Mäuschen geworden», kommentierte Peter Arbenz das Resultat. Der ehemalige Delegierte für das Flüchtlingswesen begleitete zusammen mit Peter Hablützel, dem früheren Direktor des Eidgenössischen Personalamts, die Arbeit der drei Sozialarbeiterinnen. Im Vergleich mit anderen Städten stehe das Zürcher Sozialdepartement «sehr gut da», sagte Arbenz. Es handle sich um einen «sehr hochgespielten Fall».

Trotz günstigen Befunds sehen die beiden Berater Verbesserungspotenzial in Zürichs Sozialen Diensten. Die Belastung der Sozialarbeitenden sei «eher hoch», sagte Hablützel. Zudem müsse eine Kultur der Transparenz und des gegenseitigen Lernens etabliert werden. Im übrigen empfahlen die beiden Experten, die Massnahmen umzusetzen, die bereits von der GPK empfohlen worden waren.

Stadtrat Gerhard Lauber, der an der Medienkonferenz seine Kollegin Monika Stocker vertrat, sagte, Risikomanagement und Qualitätssicherung würden zügig verbessert. Erste interne Abklärungen hätten zudem ebenfalls ergeben, dass es mehr Personal brauche. «Offen ist noch die Frage, wie viel mehr Ressourcen es braucht und wie schnell», sagte Lauber. Was die Reform der Sozialbehörde anbelange, so erwarte man dazu im Sommer eine Analyse der Universität St. Gallen.

Heftiges Wortgefecht

Wenig angetan von der Untersuchung zeigte sich die entlassene Controllerin Esther Wyler, die sich nach der Medienkonferenz zu Wort meldete. Die externen Fachleute hätten mit untauglichen Instrumenten gearbeitet und seien zudem auf den Support der Sozialen Dienste angewiesen gewesen. Das Resultat sei deshalb nicht glaubwürdig. Darauf entspann sich ein heftiges Wortgefecht zwischen ihr und Stadtpräsident Elmar Ledergerber.

Die zwei entlassenen Mitarbeiterinnen gehen nun in die Offensive. Sie haben gestern Strafanzeige gegen Stadträtin Monika Stocker und weitere Kader des Sozialdepartements wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Begünstigung eingereicht.

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