Viel Ärger wegen Lärms

Das Bundesamt für Strassen darf nicht sagen, warum bei der A1 nur auf der österreichischen Seite eine Lärmschutzwand vorgesehen ist.

Jürg Ackermann
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Reto Friedauer Gemeindepräsident St. Margrethen

Reto Friedauer Gemeindepräsident St. Margrethen

BERN. Wenn andere etwas erhalten, das man selber gerne will, dann erzeugt das Frust. Im Fall einer fehlenden Lärmschutzwand in St. Margrethen ist der Ärger besonders gross. Denn gemäss den Plänen des Bundes soll bei der A1-Totalsanierung 2015 auf einem 900 Meter langen Abschnitt nur die österreichische Seite eine Lärmschutzwand erhalten. Obwohl viele Einwohner von St. Margrethen sagen, sie würden unter dem Motorengeheul ebenso leiden. Obwohl sich auf beiden Seiten des Alten Rheins die Einwohnerdichte ähnelt. Obwohl die am stärksten vom Lärm betroffenen Häuser in Höchst gar weiter weg von der Autobahn liegen.

Bei SVP-Nationalrat Thomas Müller läuteten die Alarmglocken, als ihm Reto Friedauer, der Gemeindepräsident von St. Margrethen, das Problem schilderte. Ob der Bundesrat ausländische Interessen höher gewichte als schweizerische, wollte er gestern in der Fragestunde im Nationalrat wissen. Doch die Antwort des Bundesrates lieferte nicht mehr als ein paar Standardsätze: Man halte sich an die Vorgaben von Umweltschutzgesetz und Lärmschutzverordnung – und es würden keine Unterschiede zwischen schweizerischen und ausländischen Anrainern gemacht.

Nichts Erhellendes bringt auch die Anfrage beim Astra, dem zuständigen Bundesamt für Strassen. Es hat vom Uvek, dem Departement von Bundesrätin Doris Leuthard, einen Maulkorb erhalten. «Im Moment befindet sich dieses Projekt im Plangenehmigungsverfahren. Als Bauherr des Projekts ist das Astra Partei und darf sich deshalb nicht mehr äussern», heisst es beim Uvek.

Gemeindepräsident Friedauer habe deshalb «nach wie vor» den Eindruck, dass hier mit verschiedenen Ellen gemessen werde. «Selbst die Leute in Höchst sind ja erstaunt, dass nur sie eine Schutzwand erhalten.» Friedauer setzt nun auf die vielen Einsprachen, die beim Departement von Leuthard hängig sind. «Die Antwort überzeugt nicht», sagt auch Thomas Müller. «Wenn Bundesrätin Leuthard den lärmarmen Belag ins Felde führt, warum braucht es dann auf der österreichischen Seite eine Schutzwand?»