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Kommentar

KESB-Initiative: Verzerrtes Familienidyll

Bundeshausredaktor Roger Braun über die Volksinitiative zur Entmachtung der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb).
Roger Braun
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Nach zig Ankündigungen gilt es nun ernst. Eine Gruppe um die SVP-Nationalräte Pirmin Schwander und Barbara Keller-Inhelder hat am Dienstag die Volksinitiative zur Entmachtung der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) lanciert.

Die Initianten schlagen vor, dass Familienmitglieder ein absolutes Recht erhalten sollen, ihre Eltern oder Geschwister zu betreuen, wenn diese nicht mehr für sich selbst sorgen können. Auch bei Kindern mit überforderten Eltern sollen zwingend Familienmitglieder zum Zug kommen. Neu ist diese Idee nicht. Bereits heute haben die Behörden den gesetzlichen Auftrag, dem Wunsch nach einer Beistandschaft innerhalb der Familie zu entsprechen, «wenn die vorgeschlagene Person für die Beistandschaft geeignet und zu deren Übernahme bereit ist». Geht es nach den Initianten, soll diese Bedingung künftig wegfallen. Die Kesb dürften nicht mehr prüfen, ob ein Familienmitglied überhaupt fähig ist, sich um die schutzbedürftige Person zu kümmern.

Keller-Inhelders Familie lebt seit fünf Generationen in einem Mehrgenerationenhaus über dem Zürichsee. Dieses Familienidyll sei ihr gegönnt, doch längst nicht in allen Familien geht es so harmonisch zu und her. Wer sich mit Sozialarbeitern unterhält, wird Zeuge von familiärer Vernachlässigung, Missbräuchen und Übervorteilungen. Mit der Initiative würden die Schutzbedürftigen ihren Familien ausgeliefert – und nicht überall entspricht deren Zusammenleben den romantischen Vorstellungen der Initianten. Es braucht deshalb eine Behörde, die genau prüft, wer fähig ist, eine hilfsbedürftige Person zu vertreten – auch wenn es sich um jemanden aus der Familie handelt.

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