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VERTEIDIGUNG: Parmelin will die schnellste Armee Europas

Die Armee soll rascher einsatzbereit sein. Ziel ist, dass innert drei Tagen 8000 Soldaten einrücken können – voll ausgerüstet. Aufgeboten werden sie neu per SMS.
Maja Briner

Den Marschbefehl erhalten Soldaten in Zukunft elektronisch: Per SMS oder Sprachnachricht können sie aufgeboten werden, zum Beispiel im Falle eines Terrorangriffs oder einer Naturkatastrophe. Und dann muss es schnell gehen: Innert drei Tagen sollen 8000 Soldaten einsatzbereit sein, innert zehn Tagen 35000. Armeechef Philippe Rebord sagte gestern an einem Informationsanlass in Burgdorf selbstbewusst: «Keine Armee in Europa wird innert so kurzer Zeit so viele Armeeangehörige mobilisieren können wie wir.»

Bundesrat Guy Parmelin betonte, die rasche Verfügbarkeit sei essenziell: «Eine schnelle Reaktionsfähigkeit ist notwendig.» Für die Soldaten bedeutet dies: Sie müssen in Zukunft mit kurzfristigen Aufgeboten rechnen. Armeechef Rebord zeigte sich zuversichtlich, dass auch Arbeit­geber Verständnis dafür haben werden, wenn ihre Angestellten von einem Tag auf den anderen einrücken müssen. «Sicherheit ist der Sockel der Gesellschaft und der Wirtschaft», sagte er. Dessen seien sich die Unternehmen bewusst.

«Nostalgie bringt nichts»

Die rasche Mobilmachung ist Teil der Armeereform «WEA», die ab kommendem Jahr umgesetzt wird. Die Armee soll kleiner, aber schlagkräftiger und besser aus­gerüstet sein. Die Rekrutenschule wird von 21 auf 18 Wochen verkürzt, der Sollbestand auf 100000 Armeeangehörige reduziert. So hat es das Parlament beschlossen.

Nach der letzten Reform, der in die Kritik geratenen «Armee XXI», ist die Armeespitze nun sichtlich bemüht, diesmal auch Kritiker mit ins Boot zu holen. An einer aufwendig organisierten Veranstaltung schworen Rebord und Parmelin gestern Militärkader, Truppenchefs sowie Vertreter aus Politik und Wirtschaft auf die Reform ein. Diese hatte auch in Armeekreisen Widerstand ausgelöst, etwa bei der Gruppe Giardino. Sie stört sich an der Verkleinerung der Truppenbestände. Rebord und Parmelin riefen dazu auf, die Reform «ohne Wenn und Aber» umzusetzen. Diese sei Frucht vieler Kompromisse, sagte Verteidigungsminister Parmelin. Es gelte nun, vorwärts zu gehen – und nicht wieder alte Ideen hervorzuholen. «Im Bereich der Sicherheit bringt Nostalgie nichts», sagte er.

Für die Umsetzung der Reform lässt sich die Armee fünf Jahre Zeit, bis Ende 2022. Parmelin schloss indes nicht aus, dass während dieser Zeit weitere Anpassungen nötig sein könnten – auch wenn die Reform auf dem Papier schön aussehe. Wenn Mängel auftauchten, werde man reagieren, versicherte er.

«Wir organisieren keine Ferienlager»

Laut Armeechef Rebord gibt es zwei grosse Herausforderungen: Genügend Rekruten zu finden und diese auch vollständig ausrüsten zu können. Mit einer Werbeoffensive und finanziellen Anreizen sollen Junge motiviert werden, Militärdienst zu leisten. Die Armee will künftig jenen, die sich zum höheren Unteroffizier oder Offizier ausbilden lassen, bis zu 14400 Franken an eine zivile Aus- oder Weiterbildung zahlen. Rebord stellte gleichzeitig klar, dass der Militärdienst nicht endlos attraktiver gemacht werden könne. Auch ungemütliche Aufgaben gehörten dazu – etwa bei minus 35 Grad am WEF in Davos Wache zu schieben. «Wir werden nicht bezahlt, um Ferienlager zu organisieren», sagte Rebord.

Der Armeechef appellierte mehrmals an die Politik, das Budget nicht zu kürzen. Die «Armee XXI» sei gescheitert, weil die Finanzierung ungenügend gewesen sei, sagte er. Das Parlament hat bis 2020 zwanzig Milliarden Franken zugesagt – laut Rebord ist das ausreichend. Angesichts des Spardrucks beim Bund könnte der Budgetposten indes wieder unter Beschuss geraten.

Maja Briner

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