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Versicherte sollen nicht mehr googeln

Im Internet findet sich zu jedem Symptom eine passende Krankheit. Doch der Rat von Dr. Google ist nicht immer hilfreich. Mit digitalen Ratgebern versuchen Krankenkassen, die Versicherten von unnötigen Arztbesuchen abzuhalten.
Roman Schenkel
Ist ein Arztbesuch nötig oder nicht? Digitale Helfer geben einen Anhaltspunkt.Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich 28. März 2014)

Ist ein Arztbesuch nötig oder nicht? Digitale Helfer geben einen Anhaltspunkt.Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich 28. März 2014)

Zeckenbiss, Hexenschuss, Bienenstich. Was tun? Drei der zehn am meisten gestellten Fragen bei Google drehten sich im vergangenen Jahr in der Schweiz um das Thema Gesundheit. Kein Zufall: Google ist für viele Ratgeber Nummer eins in Sachen Gesundheit. Wer hat nicht schon ein Wehwehchen gegoogelt, wer hat nicht schon nach einem wirksamen Medikament gegen Kopfschmerzen im Internet gesucht? Dabei sorgt die Suche im Netz allerdings keinesfalls für Beruhigung. Das Internet ist für einen Hypochonder eine Falle. Wer nach kleinen Beschwerden wie Kopfschmerzen oder kalten Füssen googelt, könnte den Eindruck haben, er sei dem sicheren Tod geweiht. Der Besuch der Notfallpraxis wird unumgänglich.

Genau hier setzen neue Produkte von Krankenversicherern an: Im Frühjahr hat Swica für ihre Versicherten «Benecura» lanciert. Die App ist ein digitaler Symptomcheck. «Wer Ohrenschmerzen hat und den Symptomcheck macht, dem werden zu seinem Leiden verständliche Fragen gestellt, die das Problem eingrenzen», erklärt Silke Schmitt Oggier, medizinische Leiterin bei Sante24, der Gesundheitsberatung von Swica. Sind alle Fragen beantwortet, bekommt der Versicherte eine Empfehlung fürs weitere Vorgehen: ein Besuch beim Hausarzt, der Gang zur Apotheke oder ein Anruf bei Sante24. «Es kann aber auch sein, dass die Empfehlung lautet, man solle einfach nur abwarten und beobachten, ob die Symptome mit den erhaltenen Tipps gelindert werden können», so Schmitt Oggier.

Ratgeber, kein Arztersatz

Auch die CSS hat unlängst einen digitalen Ratgeber lanciert. «MyGuide» gibt es in der CSS-App, aber auch als Browser-Version. Das Produkt basiert auf einer medizinischen Fragesystematik, die vom Institut für Hausarztmedizin der Universität Bern entwickelt wurde. Und so funktioniert es: Zu Beginn soll der Nutzer eine Hauptbeschwerde auswählen, unter welcher er gegenwärtig leidet. Gibt er beispielsweise Fieber ein, fragt das Tool nach der Höhe der Körpertemperatur. Nach der Eingabe wird der Nutzer weiter gefragt, wie lange das Fieber bereits andauert und so weiter. Frage für Frage führt das Programm den Anwender zu einer Empfehlung und teilt ihm mit, ob und in welcher Frist er zum Arzt, in die Apotheke oder ins Spital gehen soll. Und wenn kein Anlass besteht, einen Arzt aufzusuchen, erhält der Benutzer Tipps, wie er seine Beschwerde behandeln kann.

«MyGuide ersetzt keinen Arzt, er hilft aber einzuschätzen, ob man einen Arzt aufsuchen soll oder nicht», betont Matthias Heuberger, Leiter Transformation und Innovation bei der CSS. Man wolle die Kunden nicht von einem Arztbesuch abhalten, sagt er. «Wir wollen, dass sie zum richtigen Zeitpunkt zum Arzt gehen.» So gebe es Kunden, die zu früh zum Arzt gehen und so unnötige Kosten verursachen, gleichzeitig komme es regelmässig vor, dass Schmerzen unterschätzt werden und der Arzt zu spät aufgesucht werde.

Insgesamt sind auf MyGuide 1500 Fallbeispiele hinterlegt, mit Nebenbeschwerden steigert sich diese Zahl um ein Vielfaches. Wie das Angebot von Swica ist MyGuide von Swissmedic, der Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneiprodukte, als Medizinprodukt anerkannt. Ein wichtiger Punkt ist der Datenschutz: Ohne Zustimmung des Versicherten kommen die Krankenkassen nicht an die Daten ihrer Versicherten. Bei beiden Applikationen werden Daten bei Drittfirmen abgespeichert. «Der Datenschutz ist zentral und entspricht bei MyGuide den höchsten Standards», so Heuberger.

Wenn sie den Versicherten einen Mehrwert bringen, begrüsse ich diese digitalen Entwicklungen.

Weshalb geben Krankenkassen viel Geld für solche Applikationen aus? «Die CSS will mehr für ihre Kunden tun, als nur Rechnungen zu bezahlen», erklärt CSS-Chefin Philomena Colatrella die Investition in digitale Produkte wie MyGuide. Man wolle die Versicherten mit Produkten und Dienstleistungen in verschiedenen Lebenslagen begleiten. «Unser Ziel ist es, Orientierung im Dschungel des Gesundheitswesens zu schaffen. Und den Kunden Instrumente an die Hand zu geben, damit sie in Gesundheitsfragen kompetent entscheiden können», sagt Colatrella. Digitale Helfershelfer sind bei Krankenkassen im Kommen. Im Smartphone-Zeitalter sind Apps, digitale Ratgeber oder übersichtliche Kundenaccounts gutes Marketing, um Versicherte anzulocken. Auch Concordia, mit 618000 Versicherten eine der grössten Krankenkasse (siehe Grafik), kündigt auf Anfrage an, im nächsten Jahr mit zahlreichen digitalen Neuerungen für ihre Versicherten aufzuwarten. Diese sollen den Versicherten «die Administration von Krankenversicherungsangelegenheiten erleichtern».

Grosse Einsparungen sind nicht zu erwarten

Krankenkassenexperte Felix Schneuwly steht diesen Angeboten grundsätzlich positiv gegenüber: «Wenn sie den Versicherten einen Mehrwert bringen, begrüsse ich diese digitalen Entwicklungen.» Allerdings bezweifelt er, dass damit grosse Einsparungen erzielt werden können. «Vielleicht hält man den einen oder anderen Versicherten vom Gang auf den Notfall ab. Wesentlich wird man die steigenden Gesundheitsausgaben aber eher mit alternativen Grundversicherungsmodellen wie etwa Hausarzt- oder Telemed-Modelle in den Griff bekommen», sagt Schneuwly.

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