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VERSCHMUTZUNG: Initiative will Landwirtschaft radikal umpflügen

Die Trinkwasserinitiative stösst in der Bevölkerung auf viel Zuspruch. Sie will allen Bauern, die Pestizide einsetzen, die Direktzahlungen streichen. Widerstand kommt vom Bauernverband – aber nicht nur.
Maja Briner
Ein Bauer besprüht Apfelbäume mit Pestiziden. (Bild: Getty)

Ein Bauer besprüht Apfelbäume mit Pestiziden. (Bild: Getty)

Maja Briner

Über 94000 Unterschriften haben die Initianten innert sieben Monaten gesammelt. Damit ist bereits klar: Die Trinkwasser-Ini­tiative wird zu Stande kommen. Die noch fehlenden Unterschriften dürften in den verbleibenden elf Monaten locker aufzutreiben sein. Hauptinitiantin Franziska Herren sagt: «Jetzt kann ich wieder ruhiger schlafen.» Die Leiterin eines Fitnessstudios hat mit ihrem Verein «Sauberes Wasser für alle» die Trinkwasser-Initiative lanciert – ohne grosse Organisation oder Partei im Rücken.

Angefangen habe alles mit einem Erlebnis auf einem Spaziergang vor sechs Jahren, erzählt die Bernerin: Sie habe gesehen, wie einer jungen Kuh ein Kalb weggenommen worden sei. Herren fing an, über die Landwirtschaft zu recherchieren – und stiess auf das Thema Wasserverschmutzung. Sie sei schockiert gewesen, sagt sie: «Ich dachte, die Wasserqualität sei gut, doch es hat viel zu viele Pestizide im Wasser. Und dabei zahlen wir für die Landwirtschaft so viel Geld.»

«Keine nennenswerte Landwirtschaft mehr»

Beim Geld setzt Herren auch mit der Initiative an: Nur noch jene Bauern sollen Direktzahlungen vom Staat erhalten, die ohne Pestizide produzieren. Das wäre ein radikaler Umbau der Landwirtschaft. Heute setzen selbst Biobauern Pflanzenschutzmittel ein, wenn auch nur natürliche wie etwa Tonerde oder Kupfer.

Ohne gehe es nicht, heisst es beim Bauernverband. Würden alle Pflanzenschutzmittel – synthetische wie natürliche – verboten, «gäbe es keine nennenswerte Schweizer Landwirtschaft mehr», warnt Präsident Markus Ritter (CVP/SG). Eine kommerzielle Vermarktung und der Anbau im grösseren Stil kämen nicht ohne Pflanzenschutzmittel aus. Laut Bauernverband würden die Erträge ohne Mittel um 20 bis 40 Prozent zurückgehen.

Herren sieht ihre Forderung nicht als Angriff auf die Landwirtschaft. «Die Initiative ist für die Bauern, nicht gegen sie», sagt sie. «So, wie heute Landwirtschaft betrieben wird, mit Importfutter und Antibiotika, kann sie nicht selbstversorgend sein.» Herren beruft sich auch auf den kürzlich angenommenen Verfassungs­artikel zur Ernährungssicherheit. Dieser verlangt unter anderem eine standortangepasste und ressourceneffiziente Lebensmittelproduktion sowie die Sicherung der Grundlagen für die Landwirtschaft. «Genau das wollen wir jetzt umsetzen», sagt sie.

Die Initiative als Teil der Umsetzung des Verfassungsartikels? Ritter widerspricht: «Die inländische Produktion würde kaum mehr zur Ernährungssicherheit beitragen. Vielmehr würden wir noch mehr Lebensmittel importieren.» Die Pflanzenschutzmittel würden dann einfach im Ausland statt im Inland eingesetzt.

Halbherzige Unterstützung

Selbst Naturschützer stehen der Initiative skeptisch gegenüber. Pro Natura unterstützt zwar die Unterschriftensammlung, den konkreten Inhalt sieht die Naturschutzorganisation allerdings kritisch. Sie hat namentlich Bedenken, dass nur die Bauern ins Visier genommen werden. In die Pflicht nehmen müsste man auch das Bundesamt für Landwirtschaft, die kantonalen Behörden und die Agrochemie, fordert Pro Natura. Dennoch hofft der Verband, dass die Initiative zu Stande kommt – damit Schwung in die politische Debatte zur Lösung des Pestizidproblems kommt. Sprecher Rico Kessler sagt: «Die Untätigkeit von Behörden und Landwirtschaft zeigt, dass die Verantwortlichen offenbar nur mit massivem Druck zum Handeln gebracht werden können.» Die Situation beim Gewässerschutz sei alarmierend.

Besser sieht es beim Trinkwasser aus, das die Initiative im Titel nennt: «Die Trinkwasserqualität ist in der Schweiz nach wie vor sehr gut», sagt André Olschewski, Bereichsleiter Wasser der Fachorganisation der Wasser- und Gasversorger SVGW. «Die Trinkwasserressourcen werden aber durch verschiedene Einflüsse bedrängt, neben der Landwirtschaft sind das auch Siedlung und Industrie», sagt er. Der SVGW unterstützt grundsätzlich die Stossrichtung der Trinkwasser-Initiative, hält den Ansatz aber ebenfalls für verfehlt: Der SVGW erachte es nicht als sinnvoll, der Landwirtschaft diese pauschalen Vorgaben zu machen, sagt Olschewski. Das letzte Wort in dieser Sache dürfte in einigen Jahren das Stimmvolk haben.

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