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Verleihräder stehen still

Nachdem Publibike den Veloverleih in Bern gestoppt hat, werden die Velos auch in Zürich knapp. Die geknackten Schlösser dürften die Postauto-Tochter teuer zu stehen kommen.
Roger Braun
Die Berner Stadträtin Ursula Wyss bei der Eröffnung des Verleihsystems Ende Juni. (Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 28. Juni 2018))

Die Berner Stadträtin Ursula Wyss bei der Eröffnung des Verleihsystems Ende Juni. (Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 28. Juni 2018))

Für die bekennende Veloanhängerin Ursula Wyss war es ein grosser Tag. Als die Berner Stadträtin Ende Juni das grösste Velo-Verleihsystem der Schweiz einweihte, war sie voller Vorfreude. «Ich bin sehr glücklich und stolz, dass es nun losgeht», sagte die Frau, die Bern zur Velohauptstadt der Schweiz machen will. Nichts wissen konnte sie damals von den mangelhaften Schlössern der Leihvelos. Unbekannte knackten in den vergangenen Tagen Hunderte von Velos. Schliesslich zog Publibike die verbliebenen Velos ein, um die Schlösser mit einer zusätzlichen mechanischen Sicherung auszurüsten.

Die kümmerliche Verriegelung wird die Postauto-Tochter teuer zu stehen kommen. An einem schönen Sommertag benutzen in Bern rund 1000 Personen ein Publibike zu einem Stundenansatz von knapp fünf Franken. Diese Einnahmen fallen nun weg. Dazu kommen die Kosten für die ungeplante Nachrüstung. Quasi über Nacht muss die zusätzliche Sicherung entwickelt und produziert werden. Läuft alles wie geplant, können die ersten Schlösser ab Mitte dieser Woche mit einer zusätzlichen Sicherung ergänzt werden. Gross ist auch der Aufwand, um die entwendeten Velos aufzuspüren. Auf den Einbau eines GPS-Senders hat Publibike aus Kostengründen verzichtet, was die Suche nach den vermissten Velos nun erschwert. Schliesslich wird Publibike auch Dutzende von Fahrrädern abschreiben müssen. Die Schadenssumme dürfte in den sechsstelligen Bereich gehen. «Das ist sehr bedauerlich», sagt Mediensprecherin Katharina Merkle. Wie das passieren konnte, kann sie sich nicht erklären. Das Schloss sei «kein Schnellschuss» gewesen, beteuert sie. «Wir haben die Schlösser ausgiebig getestet, bevor wir sie in Umlauf brachten.»

In acht Städten sind die Velos ungenügend gesichert

Bern ist kein Einzelfall. Auch in Zürich stehen viele Fahrräder von Publibike herrenlos herum, obwohl sie bei legaler Nutzung an eine Station zurückgebracht werden müssten. Noch versucht Publibike in Zürich einen Rückzug der ganzen Flotte zu verhindern. Allerdings spricht sich die Berner Methode auch in der Zwingli­stadt herum: Von insgesamt 500 Velos vermisste Publibike am Montagnachmittag 200 Exem­plare. Wild parkierte Velos, die Publibike aufspürt, werden nicht mehr vermietet, sondern ins Depot zur Aufrüstung gebracht. Damit zeichnet sich ab, dass die Publibikes wohl bald auch in Zürich nicht mehr rollen werden.

Und weitere Probleme kündigen sich an. Dieselben Velos mit denselben Schlössern vermietet Publibike auch in den Städten Lausanne, Freiburg, Nyon, Sitten, Siders und Lugano. Noch gibt es aus diesen Städten keine Meldungen von geknackten Schlössern, sagt Merkle. Wie lange das so bleiben wird, kann sie nicht sagen. Fest steht, dass Publibike zuerst die Velos in Bern und Zürich nachrüstet. In Bern soll die ganze Flotte in zwei Wochen wieder einsatzfähig sein.

Publibike geht davon aus, dass der Grossteil der vermissten Velos früher oder später wieder auftaucht. In Bern beispielsweise konnte der Veloverleiher 500 der 700 Räder wieder eintreiben. «Es gibt keine Hinweise, dass die Velos bandenmässig gestohlen und verkauft werden», sagt Merkle. Die Räder taugen denn auch nicht zur Hehlerei. Es sind Massanfertigungen und fallen dementsprechend auf. Sie haben kleine, breite Räder, einen massiven Rahmen und weisen über dem Vorderrad einen auffälligen Einkaufskorb auf. Bei den teureren E-Bikes fällt zudem ins Gewicht, dass die Batterien nicht unbesehen aufgeladen werden können, sondern ersetzt werden müssen. Weil die Räder oft aber auch demoliert sind und einige privat eingestellt werden, sei es absehbar, dass Publibike eine stattliche Anzahl von Rädern ersetzen muss, sagt Merkle.

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