Verhüllungsverbot
«Diese Gruppe verlieren wir nur sehr ungern»: Die Direktorin des Tourismus-Verbandes bangt um Gäste aus Golfstaaten

Das Verhüllungsverbot schade dem Bild der Schweiz als gastfreundliches Land, sagt Barbara Gisi. Die Direktorin des Schweizer Tourismus-Verbandes setzt jetzt auf eine Sensibilisierungskampagne, um die kaufkräftigen Touristen und Touristinnen aus der Golfregion nicht zu vergraulen.

Kari Kälin
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Eine Touristin mit Nikab in Interlaken. r Niqab, welche in Europa momentan für Kontroverse sorgen.

Eine Touristin mit Nikab in Interlaken. r Niqab, welche in Europa momentan für Kontroverse sorgen.



Archivbild

Nach den heftigen Einbussen wegen des Coronavirus spricht Barbara Gisi von einem «weiteren Schlag». Das Bild der Schweiz als gastfreundliches und offenes Land habe mit dem Ja zum Verhüllungsverbot Schaden genommen, sagt die Direktorin des Schweizer Tourismus-Verbandes. Sie befürchtet, dass nun viele Touristen und Touristinnen aus den Golfstaaten, bekannt für ihre hohe Kaufkraft und Konsumfreudigkeit, die Schweiz jetzt meiden könnten. «Diese Gästegruppe verlieren wir nur sehr ungern», sagt Gisi.

Zwischen der Jahrtausendwende und 2019 sei die Zahl der Logiernächte aus den Golfstaaten um 355 Prozent gestiegen, gibt Gisi zu bedenken. Im Kanton Tessin seien die Übernachtungen nach dem Inkrafttreten des Burkaverbots 2016 um 30 Prozent gesunken. Auch wenn man einen direkten Zusammenhang nicht belegen könne, so sei das doch ein Indiz, dass sich das Verhüllungsverbot negativ auf das Gästeaufkommen auswirke, so Gisi.

Der Schweizer Tourismus setzt nun auf Sensibilisierung. Wie dies genau aussehen wird, ist noch offen. Klar ist das Ziel: «Wir wollen den Ländern, aus denen viele vollverschleierte Touristinnen in die Schweiz kommen, aufzeigen, dass wir nach wie vor ein gastfreundliches Land sind.» Gisi hofft, dass auch der Bundesrat in den entsprechenden Ländern eine Erklärungs- und Charmeoffensive starten wird.