Verein der Ex-Moslems distanziert sich vom Islam

BERN. Zwei Jahre nach der aufsehenerregenden Gründung in Deutschland, hat der Zentralrat der Ex-Moslems nun auch in der Schweiz einen Ableger. Der Verein ist geprägt von Flüchtlingen aus Iran.

Christian von Burg
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Freitagsgebet in der Moschee der Bosnischen Moslemischen Gemeinschaft in Emmenbrücke. (Bild: ky/Sigi Tischler)

Freitagsgebet in der Moschee der Bosnischen Moslemischen Gemeinschaft in Emmenbrücke. (Bild: ky/Sigi Tischler)

Mina Ahadi stand lange Zeit unter Polizeischutz. Die iranische Kommunistin und Frauenrechtlerin hatte im Januar vor zwei Jahren mit Gleichgesinnten den Zentralrat der Ex-Moslems in Deutschland gegründet. Wenn ein Moslem seiner Religion den Rücken kehren will, wird er in gewissen islamischen Ländern von der Todesstrafe bedroht.

Ehrenmord und Brautimport

Unterdessen ist die Bewegung gewachsen. Nach Grossbritannien, Holland und Skandinavien hat Ahadis Organisation nun auch in der Schweiz Fuss gefasst. Gestern präsentierten sich in Bern erstmals Mitglieder des neugegründeten Ablegers. Der Verein zählt in der Schweiz erst 19 Mitglieder, 17 Iraner und 2 Türken. Sie fühlten sich von den Islamverbänden in der Schweiz nicht vertreten, sagten die Islamkritiker vor den Medien.

Es gehe nicht an, dass die religiösen Dachverbände von der Schweizer Öffentlichkeit als legitime Vertreter der ausgewanderten Menschen aus moslemischen Ländern betrachtet würden. Ahadi, deren Mann in Iran hingerichtet worden ist, beklagte, dass die religiösen Eiferer auch in Europa immer mehr Einfluss gewinnen. «Wir sind geflüchtet, um hier ein freies Leben führen zu können und jetzt werden wir von der gleichen Entwicklung bedroht.» In deutschen Städten, aber auch in bestimmten Quartieren Basels müssten die jungen Mädchen schon Kopftücher tragen. Nicht weil die Eltern das wollten, sondern weil der Gruppendruck der islamischen Gemeinschaft dies erfordere. Ahadi prangert die Ehrenmorde und die Importbräute als Auswüchse der «patriarchalen islamischen Kultur» an und fordert ein Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen an den Schulen.

Der Zentralrat der Ex-Moslems, dessen Mitglieder zur Mehrzahl Frauen sind, fordert des weiteren einen Moschee-Baustop für die Schweiz. Moscheen seien «Stätten der Desintegration», wo «antiwestliche und antiemanzipatorische» Gesinnung verbreitet werde.

Abgrenzung gegen rechts

Die harten Töne, welche die Ex-Moslems anstimmen erinnern an die Voten der SVP. Die Initianten der Minarett-Initiative haben denn auch die Gründung des neuen Vereins in der Schweiz ausdrücklich begrüsst. Die Mitglieder der Ex-Moslems wiederum lehnen die Anti-Minarett-Initiative ab, weil sie gegen die Religionsfreiheit verstosse.

Hisham Maizar, der Präsident der Föderation islamischer Dachverbände in der Schweiz, findet wenig Verständnis für das Engagement der Ex-Moslems. Es sei bezeichnend, dass die Mitglieder fast ausschliesslich Iraner seien, deren schiitisches Regime die Menschenrechte wenig beachte. Dass die Moscheen in der Schweiz als «Orte der Desintegration» angesehen würden, sei «absurd».

Fast alle Imame in der Schweiz kommen aus dem Ausland und sind der Landessprache nicht mächtig. Dies soll sich gemäss Maizar nun ändern. Ab Juni werde die Mehrzahl der Moscheen nur noch Imame zulassen, welche die Landessprache wenigstens rudimentär beherrschten. Maizar teilt die Befürchtung nicht, dass die Schweizer Ex-Moslems gefährdet sein könnten. «Ihnen droht kaum etwas, solange sie sich nicht allzu provokativ verhalten.»

Saïda Keller-Messahli, die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, sieht dies anders: «Das sind sehr mutige Leute.» Potenziell seien sie vom Tod bedroht «und es gibt genügend Spinner, die aus Drohungen Ernst machen könnten». Obwohl sie einige Kritikpunkte mit den Ex-Moslems teile, halte sie deren Weg für falsch. Denn wer aus dem Islam aussteige, werde von den Moslems nicht mehr ernst genommen. Wer etwas verändern wolle, müsse dies «von innen her» tun.

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