VBS erteilte 100-Millionen-Auftrag an kriselnde Firma

Die Munitionsfabrik Saltech befindet sich in provisorischer
Nachlassstundung. Dabei erhielt die Firma einen Grossauftrag für die Lieferung von Panzer-Sprengpatronen.

Henry Habegger
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Blick in die Produktionshalle der Fabrik Saltech. (Bild: Bruno Kissling)

Blick in die Produktionshalle der Fabrik Saltech. (Bild: Bruno Kissling)

Branchenkenner staunten. Die Firma Saltech mit Sitz in Däniken SO erhielt 2017 einen Grossauftrag von Armasuisse, dem Rüstungsarm des Bundes. Für 109,4 Millionen Franken kann Saltech der Armee Panzer-Sprengpatronen für Maschinengewehre liefern. Die Solothurner setzten sich gegen Branchengrössen wie die bundeseigene Ruag und den norwegischen Rüstungskonzern Nammo durch.

Was einige stutzig machte: Saltech-Präsident Andreas Stauffer arbeitete einst lange Jahre bei Armasuisse. Er ist mit dem heutigen Rüstungschef Martin Sonderegger befreundet. Sonderegger sagte damals, er sei bei der Auftragsvergabe in den Ausstand getreten. Und: «Im Wissen drum, dass Herr Stauffer bei uns gearbeitet hatte und dass dies Fragen aufwerfen könnte, trafen wir besondere Anordnungen. So wurden die Offerten im Beisein eines Juristen alle gleich zeitig geöffnet, um Absprachen auszuschliessen», sagte der Armasuisse-Boss.

Sachwalter am Werk

Aber jetzt steckt die Saltech in akuten Finanznöten. Anfang Dezember 2018 bewilligte das Amtsgericht von Olten-Gösgen die provisorische Nachlassstundung. Sie läuft laut Handelsregistereintrag bis Anfang April. Was jedenfalls heisst, dass der Fabrikant der Bundesmunition überschuldet oder illiquid ist. Nun ist ein provisorischer Sachwalter am Werk, der das Sagen hat und auch dafür sorgen soll, dass die Gläubiger nicht zu kurz kommen. Ziel ist die Sanierung des Unternehmens.

Der Kauf der Panzer-Sprengpatronen wurde im Rüstungsprogramm 2017 bewilligt. «Das Risiko wird gesamthaft als klein eingestuft», steht in den Bundesunterlagen. Saltech selbst betonte im Oktober 2017 auf Anfrage: «Für die Produktion der 12,7 mm MG Munition für die Schweizer Armee sind wir bestens eingerichtet und vorbereitet. Mit Ausnahme der Anzündhütchen werden alle Komponenten in der Schweiz hergestellt.» Erbt die neue Verteidigungsministerin Viola Amherd gleich einen
Problemfall? Die Leute von Armasuisse wollen davon nichts wissen. Zum Zeitpunkt der Firmenwahl, die im Februar 2017 getroffen wurde, «war die Beurteilung korrekt», sagt ein Sprecher auf die Frage, ob die Einstufung «kleines Risiko» eine Fehlbeurteilung war. Armasuisse leistete der Saltech eine Anzahlung gemäss Finanzhaushaltgesetz, bestätigt der Sprecher, diese sei nicht in Gefahr, weil über Bankgarantien abgesichert. «Aus heutiger Sicht» gehe Armasuisse davon aus, dass Saltech den Auftrag für die Munition zeitgerecht und gemäss den vertraglichen Abmachungen erfüllen könne. Saltech verfolgte zuletzt eine Expansionsstrategie. Im Herbst 2017 scheiterten am örtlichen Widerstand Pläne, in Lahr im Schwarzwald auf einem alten Flugplatzgelände eine Munitionsfabrik zu bauen.

Schwierigkeiten in Frankreich

Auch in Frankreich lief für Saltech-Chef Stauffer kaum alles nach Wunsch. Er hatte sich vor einigen Jahren an der kriselnden Elsässer Firma Manurhin beteiligt. Diese stellt Maschinen für die Produktion von Patronen her. Manurhin schrieb seit Jahren grosse Verluste, schrammte am Konkurs vorbei. Branchenkenner wollen wissen, dass Saltech bei Manurhin Maschinen bestellte, die aber wegen der Probleme der Franzosen nicht oder nicht zeitgerecht geliefert wurden. Eine Folge sei, dass Saltech nun Komponenten für die Schweizer Munition aus Ungarn zukaufen müsse. Der Armasuisse-Sprecher weist das zurück: «Die finanzielle Situation der Firma Saltech hat keinen Einfluss auf den
Wertschöpfungsanteil in der Schweiz.» Und «aus heutiger Sicht» sei es auch kein Thema, der Firma den Auftrag zu entziehen. «Die blieferungen der Munitionslose erfolgen regelmässig in der geforderten Qualität», sagt der Armasuisse-Sprecher.