Varone und der tückische Stein

Das Türkei-Souvenir des Walliser Polizeikommandanten Christian Varone erwischt die Freisinnigen auf dem falschen Fuss: Soll er Regierungskandidat werden?

Denise Lachat
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Christian Varone (Bild: ky/Maxime Schmid)

Christian Varone (Bild: ky/Maxime Schmid)

SITTEN. «Ach, diese dumme Sache mit dem Stein aus der Türkei tut mir aufrichtig leid für Christian Varone, es tut mir im Herzen weh um ihn.» Nein, es ist kein Parteifreund, der sich hier um die Zukunft des Walliser Polizeikommandanten und Anwärters auf den freisinnigen Regierungssitz sorgt, sondern der Präsident der Welschwalliser CVP, Michel Rothen. Der Christdemokrat hat den Freisinnigen Varone noch als Direktor der Walliser Strafanstalten kennengelernt. Und er lobt den heutigen Chef der Kantonspolizei in den höchsten Tönen. Ein menschlich bemerkenswerter Mann sei Varone: erfahren, aufrecht. Die Walliser respektierten und schätzten ihn, sagt der CVP-Chef und wird dann fast pathetisch : «Sie lieben ihn.»

Carunfall souverän gemeistert

Für Varones «Heldenstatus» gibt es verschiedene Gründe. Einen traurigen: Bei dem Unfall des belgischen Reisecars in Siders kamen 28 Menschen ums Leben, vor allem Schulkinder, und Varone erreichte mit seiner souveränen Krisenbewältigung und anteilnehmenden Kommunikation quasi Kultstatus im Wallis. «Die Leute haben ihn auf der Strasse angehalten und ihm gratuliert, weil er seine Sache so gut machte», erinnert sich Isabelle Darbellay, die Präsidentin der FDP-Frauen. Und sie erklärt, dass die Polizei in der Walliser Bevölkerung generell einen positiven Ruf geniesse. «Die Polizisten werden als Helfer und Retter geachtet.»

Die anderen Gründe sind profaner. Erstens schliessen die Walliser fast reflexartig die Reihen, wenn es einen der ihren gegen aussen zu verteidigen gilt. Diesmal trifft der Zorn die Türkei, die auf gewissen Blogs in den schrillsten Tönen kritisiert wird. Zum anderen schont auch die politische Konkurrenz Varone, weil er als sicherer Wert gegen einen gemeinsamen Gegner gilt: Niemand scheint besser geeignet, die SVP und deren Nationalrat Oskar Freysinger in der Walliser Regierung zu verhindern. So will denn auch SP-Präsident Gaël Bourgeois dem Freisinnigen keinen Strick drehen wegen des türkischen Steins. Im Wallis sei das Ganze eher eine Schmunzelgeschichte als eine Staatsaffäre, ist er überzeugt. Auch die Parteileitung der Walliser FDP hält an ihrem Aushängeschild fest. «Christian Varone hat mir gesagt, er habe die Lage falsch eingeschätzt, aber nichts Unrechtes im Sinn gehabt. Das glaube ich ihm», sagt FDP-Präsident Georges Tavernier. Trotzdem wird die FDP, die ihren einzigen Regierungssitz mit einem einzigen Kandidaten verteidigen will, auf dem falschen Fuss erwischt. Denn die rund 2000 Mitglieder entscheiden bereits übermorgen in der Mehrzweckhalle von Conthey, ob sie Varone (einer von drei Bewerbern) ins Rennen schicken wollen oder nicht.

Prozess Ende September

Varones Prozess in der Türkei ist aber erst auf den 25. September angesetzt. Je nach Ausgang muss sich die FDP jemand anderen suchen für die Wahlen im März. Denn für Tavernier ist klar: «Falls Varone in deliktischer Absicht gehandelt haben sollte, muss er die Konsequenzen ziehen.» Verworren ist die Geschichte um den «Caillou» allemal. Varone sprach von einem schmutzigen Stein ohne Inschrift, die türkische Botschaft hingegen sagt, es handle sich um ein Stück aus dem Kopfteil einer Marmorsäule.

Varone wurde am 27. Juli bei der Rückreise aus den Ferien mit seiner Frau und den beiden Kindern von der türkischen Polizei verhaftet, weil er im Koffer diesen Stein mitführte.

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