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Unzufriedene Sarden wollen Schweiz beitreten

Seinen 50. Geburtstag hat Enrico Napoleone im letzten September auf dem Pilatus gefeiert. Die Schweiz ist für den Autohändler aus Cagliari, der Hauptstadt der Insel Sardinien, aber mehr als ein Ausflugsort für besondere Jubiläen. Er möchte sie zu seiner neuen Heimat machen.
Kari Kälin

Seinen 50. Geburtstag hat Enrico Napoleone im letzten September auf dem Pilatus gefeiert. Die Schweiz ist für den Autohändler aus Cagliari, der Hauptstadt der Insel Sardinien, aber mehr als ein Ausflugsort für besondere Jubiläen. Er möchte sie zu seiner neuen Heimat machen. «Canton marittimo» (Meereskanton) heisst eine Facebook-Gruppe, die Napoleone mit einem Dutzend Kollegen ins Leben gerufen hat. Das Ziel: Sardinien soll der 27. Kanton der Schweiz werden. Die Eidgenossenschaft erhielte traumhafte Sandstrände, 24 000 Quadratkilometer mehr Fläche, 1,6 Millionen zusätzliche Einwohner – und mehr Italianità.

Neues Leben eingehaucht

Lange dümpelte die Facebook-Gruppe unbeachtet vor sich hin. Erst seit den sardischen Regionalwahlen vom 16. Februar ist die Zahl der Mitglieder von rund 1300 auf 7600 gestiegen. Die Initianten waren von den Kandidaten derart enttäuscht, dass sie gar nicht erst zur Urne schritten. Stattdessen hauchten sie dem Projekt «Canton marittimo» neues Leben ein, bewarben es so gekonnt, dass Medien in der Schweiz, Österreich und sogar Grossbritannien über die Abspaltungspläne berichteten. In Italien hingegen fiel die mediale Resonanz bescheiden aus. «Und die Politiker ignorieren uns komplett», ergänzt Napoleone.

Dabei haben er und seine Mitstreiter – Kopf der Gruppe ist der Zahnarzt Andrea Caruso – den Schweiz-Beitritt gerade deshalb lanciert, weil sie die lokale politische Elite für unfähig halten. Als Hirngespinst oder plumpe Provokation verstehen sie ihre Idee nicht. Vielmehr versprechen sie sich von der Abspaltung Italiens einen Ausweg aus der wirtschaftlichen Sackgasse, in der Sardinien steckt.

EU und den Euro loswerden

Die Schweiz verehren die «Canton marittimo»-Anhänger als mustergültiges, effizient verwaltetes Land mit grossem wirtschaftlichem Potenzial. Die geographische Distanz betrachten sie nicht als Hindernis. Zu einem föderalistischen Land passten die Sarden bestens, sind sie überzeugt – und obendrein würden sie die EU inklusive Euro los. Im Gegenzug würden sie der Schweiz Meeranstoss und eine neue Tourismusattraktion bescheren. Napoleone und seine Freunde wollen nun möglichst viele Unterschriften sammeln, damit sie den Bundesrat mit Rückendeckung um die Aufnahme als 27. Kanton bitten können.

Ein Mitglied der Landesregierung ist bereits in die Pläne eingeweiht. Im Juni 2012 schilderte Andrea Caruso Ueli Maurer das Projekt in einem Brief. Schliesslich hatte der Verteidigungsminister wenige Monate vorher einem italienischen Journalisten gesagt, die Schweiz hätte keine Probleme, die Lombardei einzugliedern – natürlich im Scherz. Napoleone und seine Freunde meinen es ernst.

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