Alkoholverkauf an unter 16-Jährige: Thurgau liegt weit über dem Schweizer Durchschnitt

Testkäufe in fünf Thurgauer Gemeinden zeigen auf, dass Alkohol in 42 Prozent, Tabak in 17 Prozent und Spirituosen in 42 Prozent der Fälle widerrechtlich an Jugendliche verkauft wurden.

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Der Anteil der widerrechtlichen Alkoholverkäufe im Kanton Thurgau liegt mit 42 Prozent weit über dem Schweizer Durchschnitt, der im Jahr 2017 bei 27,8 Prozent lag. (Bild: Keystone)

Der Anteil der widerrechtlichen Alkoholverkäufe im Kanton Thurgau liegt mit 42 Prozent weit über dem Schweizer Durchschnitt, der im Jahr 2017 bei 27,8 Prozent lag. (Bild: Keystone)

(pd/red) Im Kanton Thurgau ist der Verkauf von Tabak und Alkohol an unter 16-Jährige und der Verkauf von Spirituosen an unter 18-Jährige verboten. Die Durchsetzung dieser Regeln liegt im Kanton Thurgau in der Verantwortung der Gemeinden. Um zu prüfen, ob diese gesetzlichen Bestimmungen durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verkauf und in Gastrobetrieben eingehalten werden, führte das Blaue Kreuz im Sommer und im Herbst im Auftrag von fünf Gemeinden Alkohol- und Tabaktestkäufe durch. Wie das Amt für Gesundheit in einer Medienmitteilung festhält versuchten speziell instruierte Jugendliche in Begleitung einer Fachperson Alkohol, Tabak und Spirituosen in verschiedenen Verkaufsstellen in fünf Gemeinden zu kaufen.

  • In 10 von 24 Fällen (42 Prozent) gelang es den unter 16-jährigen Testkäuferinnen und Testkäufern, Alkohol zu kaufen. Beim Tabak war dies bei einem von sechs Testkäufen (17 Prozent) der Fall.
  • In 10 von 24 Fällen (42 Prozent) waren minderjährige Testkäuferinnen und Testkäufer beim Kauf von Spirituosen erfolgreich.
  • Der Anteil der widerrechtlichen Alkoholverkäufe im Kanton Thurgau liegt mit 42 Prozent weit über dem Schweizer Durchschnitt, der im Jahr 2017 bei 27,8 Prozent lag.

Testkäufe zeigen Wirkung

Die Fachperson, welche die Jugendlichen begleiteten, gaben dem Verkaufspersonal beziehungsweise den Gastromitarbeiterinnen und Gastromitarbeitern jeweils im Anschluss an den Testkauf eine mündliche Rückmeldung. Zudem wurden die Verkaufsstellen schriftlich von den Gemeinden über die Resultate der Testkäufe informiert und aufgefordert, die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten.

Aufgrund eines widerrechtlichen Verkaufs von Alkohol, Tabak oder Spirituosen im Rahmen eines Testkaufs können gemäss Communiqué des Amts für Gesundheit keine Bussen ausgestellt oder sonstige Sanktionen ergriffen werden, da die gesetzliche Grundlage hierfür fehlt. «Die Testkäufe dienen der Sensibilisierung der Verkaufsstellen für den Jugendschutz.» Testkäufe – das habe in anderen Kantonen nachgewiesen werden können – zeigten längerfristig aber auch ohne Sanktionen Wirkung, wenn sie regelmässig durchgeführt würden.

Das Amt für Gesundheit des Kantons Thurgau finanziert die Testkäufe mit. Die Gemeinden können beim Amt für Gesundheit ein Gesuch für eine Teilfinanzierung einreichen. Die Perspektive Thurgau berät die Gemeinden zudem in Fragen zum Jugendschutz und der Alkoholprävention, insbesondere an Grossveranstaltungen.

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Sebastian Keller