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Unsere Ignoranz gegenüber Fahrenden

Hunderte von Fahrenden blockierten mit ihren Wohnwagen die Kleine Allmend in Bern, bis die unbewilligte Protestkundgebung von der Polizei aufgelöst und das Areal geräumt wurde. Und schon kündigt sich eine Wiederholung der Geschichte in Biel an.
Philipp Landmark

Was bleibt, ist neben einigen unflätigen Online-Kommentaren die Gewissheit, dass die Forderungen der Fahrenden mehr als berechtigt sind und dass sich Schweizerinnen und Schweizer nach wie vor schäbig und kleinlich gegenüber ihren Landsleuten auf Achse verhalten. Zwar wird politisch korrekt nur noch selten öffentlich über «Zigeuner» hergezogen, doch ist es wohl so, wie es Tagblatt-Reporter Richard Clavadetscher pointiert in einem Tweet zusammenfasste: «Auch Bern zeigt: In der Schweiz hat niemand etwas gegen Fahrende – es sei denn, sie halten an.» (Auf Seite 8 dieser Ausgabe beleuchtet er die Thematik.)

Die Vorgänge in Bern haben auch regionale Aktualität: Am 18. Mai stimmt die Gemeinde Thal über den Teilzonenplan Fuchsloch ab, der einen Durchgangsplatz für Fahrende ermöglichen soll. Genau darum geht es den Fahrenden: In der immer weiter zugebauten und verdichteten Schweiz fehlen Plätze, die ihnen ihre angestammte Lebensweise ermöglichen. Plätze, die sich durchaus finden liessen, wenn man es auch wollte.

Noch bis 1973 nahm die Pro Juventute den Fahrenden ihre Kinder zu Hunderten weg, um sie – meist in Heimen – sesshaft und zu «brauchbaren Menschen» zu machen. Die Folgen davon sind heute noch für viele Familien schmerzhafte Realität. Formal hat sich die Schweiz von dieser Zeit gelöst, seit 1998 sind die Fahrenden als nationale Minderheit anerkannt. Doch davon haben sie wenig, wenn den schönen Worten nicht auch Taten folgen.

Die Fahrenden hierzulande leiden darunter, dass sie mit grossen ausländischen Sippen und deren schlechtem Image in einen Topf geworfen werden. Dabei erfüllen die Schweizer Fahrenden in erster Linie alle Klischees, die auf «Schweizer» zutreffen: Sie sind gut organisiert, anständig, zahlen Steuern, leisten Militärdienst – und sie räumen hinter sich auf.

Die Schweizer Fahrenden bestehen mehrheitlich aus Jenischen, doch von den rund 30 000 Jenischen sind gerade noch 3000 als Fahrende unterwegs, die grosse Mehrheit ist sesshaft. Wenn eines Tages durch Ignoranz allen Schweizer Fahrenden diese Wohnform aufgezwungen würde, dann hätten wir gegenüber unseren Landsleuten kläglich versagt.

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