Unklare Wirkung

Mindestlöhne vernichten Arbeitsplätze. Mit diesem Argument liefen Ökonomen jahrelang Sturm gegen Mindestlöhne. Gilt das nicht mehr?

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Josef Zweimüller Wirtschaftsprofessor Universität Zürich

Josef Zweimüller Wirtschaftsprofessor Universität Zürich

Mindestlöhne vernichten Arbeitsplätze. Mit diesem Argument liefen Ökonomen jahrelang Sturm gegen Mindestlöhne. Gilt das nicht mehr?

Neuere Studien haben gezeigt, dass dies nicht so klar ist. Untersuchungen in den USA haben sogar gezeigt, dass Mindestlöhne zu mehr Beschäftigung führen können. Insgesamt sind die Beschäftigungseffekte von Mindestlöhnen aber gering. Die Frage ist, wie hoch der Mindestlohn angesetzt wird.

Wäre es sinnvoll, Mindestlöhne nach Alter oder Branchen zu staffeln?

Ja. Zu hohe Mindestlöhne können einen negativen Effekt auf die Beschäftigung haben. Gerade bei Jugendlichen sind zu hohe Mindestlöhne heikel. Das kann eine rasche Integration ins Erwerbsleben erschweren und Jugendarbeitslosigkeit fördern.

Angenommen, der Mindestlohn wird eingeführt: Wer bezahlt das höhere Einkommen der Niedrigverdiener?

Das kommt darauf an, wie stark die höheren Lohnkosten auf die Preise überwälzt werden können.

Der Mindestlohn ist also nichts anderes als ein Umverteilungsinstrument.

Ja. Aber eines, das den Staat nichts kostet. Dazu kommt der Nachfrageeffekt.

Was heisst das?

Niedriglohn-Bezüger geben einen Grossteil ihres Einkommens aus. Gibt man ihnen mehr Geld, geben sie auch mehr aus. Höhere Mindestlöhne können also die Konjunktur stimulieren. Die Frage ist, was stärker ist: Der positive Nachfrageeffekt oder der negative Beschäftigungseffekt.

Interview: ar