Uni Zürich hält an Kündigung fest

In der Affäre Mörgeli ist die Medizinhistorikerin Iris Ritzmann zu Recht entlassen worden. Zu diesem Schluss kommt ein externes Gutachten. Ritzmann wehrt sich dagegen.

Anna Kappeler
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ZÜRICH. Die «Causa Mörgeli» geht in eine neue Runde. Nun dreht sich alles um die Frage, ob es richtig war, Titularprofessorin Iris Ritzmann Anfang November zu entlassen. Hierfür hatte die Universität Zürich ein externes Gutachten in Auftrag gegeben. Gestern wurde darüber informiert. Die Entlassung Ritzmanns sei «rechtlich vertretbar und faktisch begründet», befand der Verfasser Heinrich Koller, ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Justiz. Es sei nachweislich zu Amtsgeheimnisverletzungen gekommen. Die Entlassung sei deshalb zu Recht erfolgt.

Dem Journalisten gratuliert

Ritzmann habe einem Journalisten des «Tages-Anzeigers» vertrauliche Informationen weitergegeben, seinen Text korrigiert und ihm gratuliert, da endlich etwas gehe im Fall Mörgeli. Zudem habe sie ihm ihre Login-Daten zugestellt. Ihre Vorgesetzten habe sie darüber nicht informiert. Aufgrund dieses schwerwiegenden Vertrauensbruchs habe ihr die Universität gekündigt. Koller empfiehlt in seinem Bericht weiter, Ritzmanns Lohn bis zum Ende der Kündigungsfrist zu zahlen. Anspruch auf eine Weiterbeschäftigung an der Universität Zürich habe sie aber nicht mehr. «Die Universitätsleitung setzt die Empfehlungen um», sagte dazu Otfried Jarren, Rektor ad interim. Jarren gab ausserdem bekannt, dass das Medizinhistorische Museum für eine Sanierung bis auf weiteres geschlossen bleibt. Die Leitung des Museums wird ab Februar 2014 Flurin Condrau übernehmen, der Leiter des Medizinhistorischen Instituts.

Ritzmann nicht einverstanden

Ritzmann ist mit dem Gutachten erwartungsgemäss nicht einverstanden. «Ja, ich hoffe noch immer, dass meine Kündigung rückgängig gemacht und eine Wiedereinstellung ein Thema wird», sagte sie auf Anfrage. In einer schriftlichen Stellungnahme teilte sie mit: «Wer die Umstände sorgfältig untersucht, wird zum Schluss gelangen, dass die Kündigung rechtswidrig und missbräuchlich erfolgte, was wir im Rekursschreiben eindeutig darlegen können.» Sie sei bestürzt über die Fehlinformation, sie hätte Möglichkeiten für einen Dialog mit der Universitätsleitung ausgeschlagen und damit eine einvernehmliche Lösung verwirkt. «Genau das Gegenteil ist der Fall.»

Professoren hinter Ritzmann

Mehrere Dozenten der Uni Zürich stärken Ritzmann weiterhin den Rücken, darunter Historiker Philipp Sarasin. Er ist einer der Professoren, die Anfang November ein Protestschreiben gegen Ritzmanns Entlassung unterzeichnet hatten. «Wir halten daran fest, dass die Kündigung nicht angemessen ist. Und das sage ich in Kenntnis vieler Fakten», so Sarasin.

Keine neuen Erkenntnisse gab es hingegen zu SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. Er war im Zuge der medialen Diskussion entlassen wurde. Gestern wurde Mörgeli – soweit möglich und mit Verweis auf die noch laufenden Verfahren – kaum erwähnt.