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«Ungeschminkte Fremdenfeindlichkeit» – deswegen brodelt's bei der Basler Fasnacht

Das Sujet der Alten Garde der Alte Stainlemer sorgt für Entsetzen im Netz – Obmann Felix Stierli sagt, man habe die Ist-Situation im Kleinbasel «sauber» dargestellt. Bereits 2018 sorgte das Thema Fremdenfeindlichkeit in der Ostschweiz für Diskussionen.
Rahel Koerfgen/ CH Media
(Bild: Claudia Hottiger)(Bild: Claudia Hottiger)
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4 Bilder

Basler Fasnacht: Umstrittene Sujets

Narrenfreiheit an der Basler Fasnacht? Unbedingt. Sie ist ihr Motor, ohne macht das alles keinen Sinn. Die Fasnacht, sie darf sich reiben an Gesellschaftsthemen, auch mal bitterböse sein, die Grenzen der Persiflage ausloten.

Gerade die Alte Stainlemer sind für ihre Provokationen bekannt, noch mehr aber ihre Alte Garde. Jene, die über 40 Jahre alt sind und es ein wenig gemütlicher nehmen wollen als beim Stamm. In diesem Jahr allerdings fallen die «Alten» mit ihrem Sujet «Vereinigte Klein-Basler» inmitten der aktuellen Rassismusdiskussion besonders auf – und sorgen für entsetzte Reaktionen im Netz. Diese reichen von «Ich bin schockiert» bis zu einem einfachen «Wow, übelst».

«Dr Hansli schysst do fascht in d Hoose,
wenn är das Volgg gseht uff de Strosse.»

Der Tambourmajor: Ein Ueli im Burka-Tenu; er führt die Drummler an, die als Afrikaner, als Türken, Tamilen und Albaner auftreten. Auf der Ladäärne eine Gruppe finster dreinblickender Ausländer, die sich vor einem verängstigten Kind aufgestellt haben: «Dr Hansli schysst do fascht in d Hoose, wenn är das Volgg gseht uff de Strosse.» Die Alte Garde stellt fest: «Was hütt alles im Glaibasel woont, isch laider nümme so wie gwoont. Wotsch über dr Claraplatz als goo, muesch fuffzää Sprooche hütt verstoo.» Und dann, direkter: «Was schyyns sich Mänggi wünsche wurde, nit z vyyl Dirgge, Serbe, Kurde.»

Auf Facebook gaben solche Statements Anlass für viele hitzige Diskussionen; wenn man unter dem Deckmantel der Fasnacht Minderheitengruppen angreife und diskriminiere, habe das nichts mehr mit Narrenfreiheit zu tun. Der Basler Musiker Marcel Colomb machte heute Morgen seinem Ärger entsprechend Luft: «Kein ironischer Twist, keine kluge Kritik, nur ungeschminkte Fremdenfeindlichkeit.»

Seit Jahren cliqueninterne Diskussionen

Felix Stierli, Obmann der Alten Garde der Alten Stainlemer, verteidigt die Wahl des Sujets gegenüber der bz. Er sagt: «Wir stehen dazu. Es stellt die Ist-Situation im Kleinbasel sauber dar, und diese Situation bewegt die Leute.» Er selber wohne zwar nicht im Kleinbasel, jedoch habe man in den vergangenen Monaten festgestellt, dass der hohe Anteil an Ausländern die Leute bewege. «Beim Ausspielen des Sujets haben wir darauf geachtet, dass keine bestimmte Bevölkerungsschicht oder Glaubensgemeinschaft angeprangert wird.»

Bei der Stammgesellschaft der Alten Stainlemer scheint man dies anders zu sehen. Vielmehr hat das aktuelle Sujet der Alten Garde nun das Fass zum überlaufen gebracht: Es brodelt intern. So outet sich ein Kommentator auf Facebook als Mitglied des Stamms und schreibt: «Unsere Alte Garde ist (…) an Alters-Senilität nicht zu überbieten. Dafür kriegen sie von uns auch schon seit Jahren einiges zu hören (inkl. öffentlicher Distanzierungsschreiben auch im Bezug auf diese braune Ausgeburt).»

«Freipass für Fremdenfeindlichkeit»?

Die Alte Garde habe leider eine eigene Vorstellung eines guten Sujets; das sorge «seit Jahren» cliquenintern für Diskussionen, Kopfschütteln und Interventionen seitens des Stammvereins. «Vor zwei Jahren haben wir uns erlaubt, die Zeedel der Alten Garde vor Veröffentlichung einzukassieren. Mit der Laterne ist das ein bisschen schwieriger.»

Aber an der Vernissage habe man sie «ordentlich zur Sau gemacht». Glücklicherweise, so betont das Mitglied, wehe im Stammverein ein anderer Wind, mit Aktiven aus allen Herren Ländern und dem Sujetkünstler syrischer Abstammung. Bei diesem handelt es sich um keinen Geringeren als den diesjährigen Plakettenkünstler Tarek Moussalli.

Stierli sagt zur internen Kritik und auch zu jener in den sozialen Medien: «Es gibt immer zwei Meinungen, und diese akzeptieren wir auch. Wir werden das im Nachhinein cliquenintern sicher noch näher besprechen.»

Fremdenfeindlichkeit an der Fasnacht auch in der Ostschweiz ein Thema

Im vergangenen Jahr hatte ein Wagen der «Hülsnerbuben» am Fasnachtsumzug in Aadorf für Entsetzen gesorgt. Während der Umzug unter dem Thema «Multikulti» stand, zogen die «Hülsnerbuben» aus Dietschwil unter dem Motto «Asylparadies Schweiz» durchs Dorf. Den Eingang zum Wagen hatte die Gruppe mit «Asylbar» und «Einwanderungsbehörde» beschriftet. Am Wagen hingen zudem bemalte Blachen. Auf einer war ein sinkendes Boot abgebildet. Daneben die schwarzen Hände von Personen, die im Meer versinken. Eine weitere Blache zeigte ein Smartphone, beschriftet mit «gratis Handy».

Der Wagen «Asylparadies Schweiz» beim Aadorfer Fasnachtsumzug 2018. (Bild: Andri Rostetter)

Der Wagen «Asylparadies Schweiz» beim Aadorfer Fasnachtsumzug 2018. (Bild: Andri Rostetter)

Damit konfrontiert, sagte der Präsident der Hüslnerbuben damals, sie seien nicht rechtsradikal. Ein Blick auf das Facebookprofil des Präsidenten T. H. zeichnete indes ein anderes Bild des jungen Toggenburgers. Er entpuppt sich als Fan von Adolf Hitler: T. H. hat unter anderem eine Fanseite des nationalsozialistischen Diktators gelikt.

Einen Like haben zudem die Partei national orientierter Schweizer (Pnos) und die Seite der umstrittenen Südtiroler Deutschrock-Band "Frei.Wild" erhalten. Zu den Inhalten seines Profils wollte sich T H. auf Anfrage nicht äussern; das Profil hat er inzwischen gelöscht.

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