«Ungelogen: Neun von zehn Rückmeldungen sind positiv» – das sagt CVP-Präsident Gerhard Pfister zur C-Diskussion in seiner Partei

Der Präsident der CVP stiess eine öffentliche Diskussion an zum C im Namen der Partei. Vor allem die Jungen wollen es weghaben. Die CVP hiesse dann «Demokratische Partei», sagen sie.

Othmar von Matt
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«Führende Mittepartei»: Gerhard Pfister, Präsident der CVP Schweiz, spricht am 9. November an der Delegiertenversammlung in Langenthal. (Bild: Keystone)

«Führende Mittepartei»: Gerhard Pfister, Präsident der CVP Schweiz, spricht am 9. November an der Delegiertenversammlung in Langenthal. (Bild: Keystone)

Es war CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter, die 2016 vorschlug das C der CVP solle nicht mehr für «Christlichdemokratisch» stehen, sondern für «Centrum». Aus der «Christlichdemokratischen Volkspartei» wäre damit die «Centrums-Volkspartei» geworden.

Dafür konnte sich Gerhard Pfister, eben zum neuen CVP-Präsidenten gewählt, gar nicht erwärmen. «Ich werde als Präsident alles unternehmen, damit der Name nicht geändert wird», sagte er. «Das C ist eine Chance für uns.»

Dreieinhalb Jahre später ist es nun Pfister höchstpersönlich, der die C-Diskussion lanciert. Wie kam es zu dieser spektakulären Kehrtwende?

«Im Wahlkampf hatte ich viele Reaktionen von Leuten, die unsere konsens- und lösungsorientierte Politik zwar unterstützen, die aber auch sagten, sie könnten keine katholische Partei wählen», antwortet CVP-Präsident Pfister auf die Frage. Und betont: «Auf diese Aussenwahrnehmung unserer Partei, die durchaus christliche Werte wie Solidarität vertritt, deswegen aber nicht konfessionell ausgerichtet ist, müssen wir eine Antwort finden.»

Doch wie wurde sein Vorpreschen in Sachen C aufgenommen? «Ungelogen: Neun von zehn Reaktionen sind positiv», sagt Pfister dazu.

Die Jungen wollen das C nicht mehr im Namen

Es sind vor allem die Jungen, die darauf drängen, dass das C wegfällt. Überraschenderweise gerade die Jungen aus den Stammlanden wie Obwalden und Uri. Vertreter der Jungen CVP Obwalden machten das C zum Thema, als Gerhard Pfister am 12. Oktober im Hotel Kreuz in Sachseln das 100-Jahr-Jubiläum der CVP Obwalden mitfeierte. Die Partei müsse ihren Namen angehen, sie werde zu sehr mit Gott und Kirche in Verbindung gebracht, sagte JCVP-Vertreter Jonas Wolfisberg. Das war eine Woche vor den Nationalratswahlen.

«Als CVPler oder JCVPler kommt man immer wieder in die Situation, dass man das C im Namen erklären muss», sagt Cyrill Ettlin, Präsident der Jungen CVP Obwalden. Umso mehr, als er «nicht unbedingt als wöchentlicher Kirchgänger» bekannt sei. «Für mich persönlich steht das C viel mehr für die christlichen Werte mit denen die meisten von uns aufgewachsen sind.»

Viele brächten das C mit der katholischen Kirche in Verbindung, hält auch Tobias Schilter fest, Präsident der Jungen CVP Uri. «In Uri sorgt das besonders bei jungen Leuten immer wieder für Verwirrung.»

«Demokratische Volkspartei» könnte auf CVP folgen

Interessant ist, dass Ettlin wie Schilter in ihren schriftlichen Antworten aufs Wort die deckungsgleichen Antworten liefern, wenn es um einen allfälligen neuen Namen der CVP geht. «Ohne das C würden wir nur noch die demokratische Volkspartei heissen, was die CVP aber auch sehr gut beschreiben würde, da bei uns Abstimmungen oft nicht einstimmig ausfallen», halten Ettlin wie Schilter fest. «Die Entscheide werden dann aber trotzdem ganz demokratisch von der ganzen Partei getragen.»

Demokratische Volkspartei? Das ist derselbe Name, den schon CVP-Bundesrätin Viola Amherd in der «Schweiz am Wochenende» nannte. Im Tessin habe die CVP den Buchstaben C «schon lange nicht mehr» im Namen, sagte Amherd. «Sie heisst dort PPD, Partito Popolare Democratico.» Oder, auf Deutsch: Demokratische Volkspartei. Ob das C im Parteinamen stehe oder nicht, spiele für sie keine Rolle. Entscheidend seien die christlichen Werte. «Sie sollen Bestand haben.»

Sie hängt nicht am C ihrer Partei: Bundesrätin Viola Amherd.

Sie hängt nicht am C ihrer Partei: Bundesrätin Viola Amherd.

Bild: Keystone

Hinter den Kulissen werden auch Namen wie «Die Mitte - CVP» oder «CVP - die Mitte» diskutiert, in Anlehnung an das Konstrukt «FDP.Die Liberalen». Eine Regionalpartei - die CVP Toggenburg - stieg schon vor vier Jahren mit dem Namen «Die Mitte» in die Kantonsratswahlen. Und die CVP Oberbaselbiet tritt mit einer Mitte-Liste auf, mit BDP und GLP.

Martin Candinas, Nationalrat CVP/GR.

Martin Candinas, Nationalrat CVP/GR.

Bild: Keystone

Nicht alle sehen die Namensdiskussion so locker wie die JCVP-Vertreter oder Viola Amherd. Bündner und Walliser CVP-Vertreter gelten als konservativer. «Ich bin offen für diese Diskussion», sagt der Bündner Nationalrat Martin Candinas. «Bei mir hat das C aber nach wie vor einen hohen Stellenwert.»

Die CVP rang immer mit dem Namen. Die Katholisch-Konservativen, wie CVPler im 19. Jahrhundert hiessen, gründeten 1912 die Schweizerische Konservative Volkspartei (SKV). Sie wurde 1957 in «Konservativ-Christlichsoziale Volkspartei» (KCV) und 1970 in «Christlichdemokratische Volkspartei» (CVP) umbenannt.

Als Müller-Altermatt «Die.Mitte» schützen liess

In der jüngsten Vergangenheit tauchten immer wieder neue Ideen auf für einen Namen ohne C. Nationalrat Stefan Müller-Altermatt liess 2012 die Bezeichnung «Die.Mitte» für die Solothurner CVP vorübergehend markenrechtlich schützen. Und nach den Wahlen 2015 schlug er in einem Gastbeitrag eine neue Partei vor mit dem Namen «Die Moderaten», in der CVP, BDP und GLP ihre Kräfte bündeln sollten.

Wie geht es weiter? «Die zweite Etappe des Strategieprozesses CVP 2025, die das Parteipräsidium aktuell diskutiert, umfasst neben der Professionalisierung und Dynamisierung der Parteistrukturen auch eine ergebnisoffene Analyse der Marke CVP», sagt Präsident Pfister. Dafür will er extern Analysen des C und der Marke «Mitte» durchführen lassen. «Dafür sind wir mit verschiedenen Stakeholdern im Gespräch.»

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