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UMWELT: "Druck auf Landschaften steigt"

Die Urner CVP-Regierungsrätin Heidi Z’graggen ist neue Präsidentin der Natur- und Heimatschutzkommission. Sie zählt beim Landschaftsschutz auch auf die Hilfe der Bevölkerung.
Tobias Bär
Auch der Rheinfall gehört zu den Landschaften und Naturdenkmälern von nationaler Bedeutung. (Bild: Benjamin Manser (Schaffhausen, 20. Juni 2016))

Auch der Rheinfall gehört zu den Landschaften und Naturdenkmälern von nationaler Bedeutung. (Bild: Benjamin Manser (Schaffhausen, 20. Juni 2016))

Interview: Tobias Bär

Heidi Z’graggen, Umweltverbände schlagen Alarm. Die Schweizer Landschafts- und Ortsbilder seien das Ziel «massiver Angriffe». Wartet ein Abwehrkampf auf Sie?

Es stimmt, dass die Zielkonflikte zugenommen haben. Der Druck auf die Landschaften und Ortsbilder steigt. Dies durch neue Gesetzgebungen wie die Energiestrategie oder teilweise auch durch die Zuwanderung und den damit verbundenen Wohnraumbedarf. Bund, Kantone und Gemeinden müssen dieses Problem erkennen und nach Lösungen suchen – gemeinsam mit den Organisationen, die sich für die Landschaften einsetzen.

Das neue Energiegesetz gilt seit Anfang Jahr. Windräder und Wasserkraftwerke können einfacher in besonders geschützten Landschaften gebaut werden. Sind unsere Naturdenkmäler in Gefahr?

Ja, die Naturdenkmäler werden unter Druck kommen. Bund, Kantone und Gemeinden stehen in der Verantwortung, auch für Energieanlagen landschaftsverträgliche Lösungen zu finden. Ich habe als Urner Regierungsrätin die Erfahrung gemacht, dass die unterschiedlichen Interessen durchaus in Einklang gebracht werden können.

Das tönt etwas weniger dramatisch als in der Stellungnahme der ENHK: Indem der Bundesrat auch den Bau von kleinen Energieanlagen zum nationalen Interesse erkläre, heble er den Schutz der wertvollsten Landschaften aus.

Jetzt warten wir einmal ab, wie die Bestimmungen angewandt werden. Die Bevölkerung wird das genau beobachten. Sie muss auch die Frage beantworten, wie wir mit den zunehmenden Zielkonflikten umgehen sollen.

Es braucht also eine Initiative zum Schutz der Landschaften und Naturdenkmäler?

Ich meine mit der Mitsprache des Volkes nicht nur die nationale Ebene – es geht vor allem auch um die Diskussion auf Gemeindeebene. Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass es auf eine nationale Volksabstimmung hinausläuft. Vielleicht braucht es einen Grundsatzentscheid.

Ein Vorstoss aus dem Parlament will die Gutachten der ENHK abwerten. Wie wollen Sie die Interessen der Kommission verteidigen?

Es geht weniger um den Stellenwert der Kommission, sondern um den Schutz der schönsten Landschaften. Diese sollten nicht auf die gleiche Stufe wie lokale Schutzgebiete herabgesetzt werden. Die Schweizer sind stolz auf diese Perlen. So haben auch die Stellungnahmen der Kommission eine wichtige und anerkannte Bedeutung.

Die Kritiker stören sich daran, dass die Einschätzungen der Kommission Vorrang haben vor den Interessen von demokratisch gewählten Behörden.

Die Kommission leistet mit ihren Gutachten einen fachlichen Beitrag für eine korrekte und transparente Interessenabwägung. Ich bin überzeugt, dass eine objektive Begutachtung von Bauvorhaben für den Bund und die Kantone von grossem Nutzen ist.

Was hat Sie motiviert, das Präsidium zu übernehmen?

Die Freude an unseren einmalig schönen Landschaften. Es geht um die Verteidigung eines öffentlichen Guts, das keine Stimme hat. Wir haben die Natur- und Kulturdenkmäler zur treuhänderischen Verwaltung für die kommenden Generationen anvertraut bekommen.

Was kann die Schweiz beim Landschaftsschutz vom Kanton Uri lernen?

Für die Urner ist es unerlässlich, der Natur Sorge zu tragen. Nur so können wir unsere Siedlungsfläche, die gerade einmal 1,6 Prozent der Gesamtfläche beträgt, erhalten. Die Sorge um die Natur ist tief in der Seele der Urner Bevölkerung verankert. Ich glaube auch, dass alle Schweizer dieses Gefühl der Verbundenheit mit unseren Lebensgrundlagen in sich tragen.

Zur Person

Heidi Z’graggen ist seit 2004 Urner Regierungsrätin. Die CVP-Politikerin ist zuständig für die Justiz und die Raumentwicklung. Anfang 2018 übernahm die 51-Jährige das Präsidium der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission. Diese beurteilt Planungs- und Bauvorhaben in den wertvollsten Landschaften und in schützenswerten Ortsbildern.

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