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UMSTRUKTURIERUNG: Postumbau macht Personal krank

Während sich die Post fürs digitale Zeitalter rüstet, droht sie ihr Personal abzuhängen. Die Mitarbeitenden sind häufiger krank als früher. Die freiwilligen Austritte steigen.
Roger Braun
Postangestellte sortieren die Post, damit sie danach zugestellt werden kann. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Sursee, 21. März 2017))

Postangestellte sortieren die Post, damit sie danach zugestellt werden kann. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Sursee, 21. März 2017))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier:<strong><em>www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Die Schliessung von 500 Poststellen, der Personalabbau bei Postfinance, die Schummeleien bei Postauto: Die Mitarbeitenden der Post gehen durch schwere Zeiten. Die Führungsspitze ist im Gegenzug bemüht, dem Personal zu schmeicheln. «Unsere Mitarbeitenden leisten täglich trotz kritischen Bemerkungen und politischen Debatten hervorragende Arbeit», sagte Postpräsident Urs Schwaller jüngst vor den Medien.

Zuspruch hat das Personal nötig. Denn es gibt deutliche Anzeichen, dass die Arbeitnehmer unter dem Umbau des Bundesbetriebs leiden. So hat die Zahl der Krankentage in den vergangenen vier Jahren um 10 Prozent zugenommen. Fehlte ein Postmitarbeiter im Jahr 2013 durchschnittlich 11,6 Tage waren es im letzten Jahr bereits 12,9 Tage.

Jobunsicherheit führt zu psychischen Beschwerden

Für die Gewerkschaften kommt das nicht überraschend. «Wenn man das Personal in solche Un­sicherheiten bringt, ist das die ­logische Reaktion», sagt David Roth von Syndicom. Er zieht eine direkte Linie von den «riesigen Umwälzungen» auf den Gesundheitszustand des Personals. «Viele Mitarbeitenden bangen um ihre Jobs, der psychische Druck ist extrem», sagt Roth. Dabei sei das Postpersonal besonders verwundbar, da viele in den Betrieb eingetreten waren, als die PTT ein Monopolbetrieb war. «Viele gingen davon aus, dass sie den Rest des Lebens bei der Post arbeiten werden, und spezialisierten sich dementsprechend. Umso schwieriger ist es nun, anderswo Fuss zu fassen», sagt er.

Ähnliche Erfahrungen macht René Fürst vom Personalverband Transfair. «In Gesprächen mit Mitarbeitenden stellen wir fest, dass die Identifikation mit der Post als Arbeitgeber stark gelitten hat», sagt Fürst. Er kritisiert die Gewinnorientierung sowie die Managementkultur der Post. «Immer mehr Teamverantwortliche sehen sich heute als Teil des Managements, anstatt sich für ihr Team einzusetzen», sagt Fürst. Die «horrenden Boni» an der Unternehmensspitze würden von den einfachen Arbeitern ebenso wenig verstanden. «Gepaart mit der gestiegenen Arbeitslast und einer ungenügender Lohnentwicklung frustriert dies das Personal», sagt Fürst. «Dies schlägt auch auf die Gesundheit.»

Keinen Zusammenhang mit den Umstrukturierungen sieht hingegen die Post. Hauptgrund für die steigenden Krankentage sei das hohe Alter der Belegschaft. «Bei der Post arbeiten verhältnismässig viele über 50-jährige ­Mitarbeitende», sagt Postsprecher François Furer. Diese seien zwar weniger oft krank als Junge, doch wenn sie es sind, dauere die Gesundung oft länger. Tatsächlich sind die Postangestellten mit einem Mittel von 46 Jahren vier Jahre älter als die Erwerbsbevölkerung insgesamt. Dies anerkennen auch die Gewerkschaften. «Dies erklärt aber noch lange nicht, wieso das Personal innerhalb von nur vier Jahren so viel öfters krank ist», sagt Roth.

Es ist nicht nur die Entwicklung der Krankentage, die eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen bei der Post anzeigen. Die Personalfluktuation hat innerhalb von vier Jahren um einen Drittel zugenommen. Verliessen im Jahr 2013 noch 3,6 Prozent der Arbeitnehmenden die Post aus freien Stücken, waren es im vergangenen Jahr bereits 4,8 Prozent. «Dies zeigt an, dass etwas mit dem Arbeitsumfeld nicht stimmt», sagt Roth. Die Anstellungsbedingungen bei der Post seien längst nicht mehr so gut, wie sie gewesen seien. Hinzu kämen die Umstrukturierungen: «Wer befürchten muss, vom Abbau betroffen zu sein, der schaut sich nach einer neuen Stelle um», sagt Roth. Er findet das problematisch. «Viele gut qualifizierten Leute verlassen die Post, weil sie im Reorganisationswahn der Post keinen Sinn erkennen.»

Die Post hingegen sieht sich als attraktive Arbeitgeberin. Die Fluktuationsrate sei im Vergleich zur Gesamtwirtschaft nach wie vor tief, sagt Furer. Er kann in der erhöhten Fluktuation auch keinen Missstand erkennen. Sie zeige, dass die Postmitarbeiter häufig eine andere Stelle finden, bevor sie der Abbau treffe, sagt er.

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