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Übler Blues in der Mühle Hunziken

Die Mühle Hunziken war einst ein Fixstern am Schweizer Kulturhimmel. Heute sorgt der Berner Musikclub vor allem mit den Streitereien zwischen alten und neuen Betreibern für Schlagzeilen.
Reto Wissmann
Philipp Fankhauser (Bild: ky)

Philipp Fankhauser (Bild: ky)

BERN. Die Mühle Hunziken war unvergleichlich – unvergleichlich der «Mühli-Pesche» als Gastgeber, unvergleichlich das Interieur des Kulturlokals zwischen Bern und Thun, unvergleichlich das hochkarätige Musikprogramm. Und unvergleichlich sind nun auch die Gehässigkeiten, die alte und neue Betreiber seit gut einem Jahr austauschen. Mittlerweile haben sie ein halbes Dutzend Gerichtsverfahren angezettelt, kommunizieren nur noch über Anwälte miteinander und decken sich öffentlich mit groben Vorwürfen ein.

Als Peter Burkhart nach 35 Jahren seinen Club Philipp Fankhauser übergab, schien noch alles in bester Ordnung. Der Bluesmusiker hatte zwar zuvor in der Mühle 18 Jahre lang Hausverbot, nach der Versöhnung bezeichnete ihn Burkhart jedoch als «Seelenverwandten» und freute sich über die gelungene Nachfolgeregelung mit seinem «Wunschkandidaten». Fankhauser, der in den letzten Wochen vor allem als Coach in der Fernsehsendung «The Voice of Switzerland» auffiel, sollte mit seinem Bruder Christoph sowie Peter Burkharts Sohn Thomas die Mühle weiterführen. Mit der Harmonie war es dann aber schon bald zu Ende. Am Karfreitag des letzten Jahres informierte Peter Burkhart 1500 Freunde und Mitglieder der Mühle über die «eventuell bevorstehende Schliessung». Zu sagen hatte er zwar eigentlich längst nichts mehr. Vor bald zehn Jahren hatte er die Liegenschaft sowie die zwei Betreiberfirmen seiner Frau und seinen zwei Kindern überschrieben. Dennoch forderte er in seinem Osterbrief: «Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder kommt Philipp Fankhauser zur Besinnung und tritt sofort zurück, dann wird die Mühle weiter mahlen. Oder er bleibt stur, dann steht die Mühle und das Gericht entscheidet.»

Grotesker Kleinkrieg

Fankhauser soll sich zum Kauf der Liegenschaft verpflichtet, später dann aber kalte Füsse bekommen haben. Burkhart fühlt sich nun betrogen, spricht von «feindlicher Übernahme», will die Herrschaft über die Mühle zurück und führt seither einen Kleinkrieg gegen den Bluesmusiker. Dieser wiederum wirft Burkhart vor, Altlasten hinterlassen und widerrechtlich Gegenstände aus der Mühle abtransportiert zu haben. Reichlich grotesk wird es, wenn «Mühli-Pesche» Fankhauser auf seiner Homepage als «Jaguar fahrenden Blender» verhöhnt und den Mailverkehr mit dessen Sponsorenfirma publiziert.

Der Streit um die Mühle beschränkt sich aber nicht auf den Konflikt zwischen Peter Burkhart und Philipp Fankhauser, auch familienintern hat sich bei den Burkharts offenbar einiges aufgestaut. Sohn Thomas Burkhart steht voll und ganz auf Fankhausers Seite. Nach dem Betreiberwechsel hat er gar die «Ahnengalerie» mit über hundert Fotos prominenter Mühle-Gäste entfernt und sie als «Mühli-Pesche-Ego-Wand» bezeichnet. Seine Schwester Catherine hingegen, die mit ihrem vierjährigen Sohn und ihrem Lebenspartner Christoph Kohli, dem Sänger der Mundart-Band Span, ebenfalls in der Mühle wohnt, unterstützt ihren Vater und dessen zweite Frau Pia.

Familiärer Zündstoff

Diese Konstellation birgt Zündstoff: Vergangenen Mai soll Thomas Burkhart den Freund seiner Schwester wegen Meinungsverschiedenheiten mit einer Axt attackiert haben. Ein Gerichtsverfahren ist hängig. Zudem verklagten die neuen Betreiber Catherine Burkhart, weil sie das «Spielzimmer» im zweiten Stock der Mühle widerrechtlich benutzt haben soll. Dies wurde kürzlich in einem Vergleich geregelt. Anfang Monat schloss Catherine Burkhart nun auch noch ihre Crêperie in der Mühle, in der sie seit 19 Jahren die Gäste verwöhnte. Der Grund: Sie sei von den neuen Betreibern verbal und physisch angegriffen und gemobbt worden.

Lukas Vogelsang, langjähriger Beobachter der Berner Kulturszene und Herausgeber des Kulturmagazins ensuite, verfolgt das Treiben in der Mühle mit Sorge: «Jedes Kulturlokal ist auch ein sozialer Treffpunkt mit dem sich die Besucher identifizieren wollen», sagt er. Die Atmosphäre und Ausstrahlung der Mühle leide sehr unter dem Streit. Den neuen Betreibern sei es zudem bisher nicht gelungen, eine neue Ära einzuläuten. Vogelsang fürchtet gar, dass der Club, der einst zu den wichtigsten der Schweiz gehört habe, die nächsten Jahre nicht überleben wird: «Vielleicht ist es sogar besser, er stirbt in Ehren als dass er langsam zu Grunde geht.»

Gericht entscheidet im April

Ob es zu einem schnellen Ende kommt, werden die Gerichte entscheiden. Philipp Fankhauser hatte damals die Anteile von Catherine Burkhart an der Betreiberfirma übernommen und verfügt dort zusammen mit Thomas Burkhart jetzt über die Mehrheit. Dem «Mühli-Pesche»-Lager sind darum die Hände gebunden. Catherine Burkhart will das Geschäft jedoch rückgängig machen, damit der Club geschlossen und die Mühle verkauft werden könnte. Das Gericht entscheidet voraussichtlich im April. Die neuen Betreiber sind dennoch zuversichtlich, dass die Mühle weiter mahlen wird. Das Programm bis Ende Jahr steht und in ihrer neusten Verlautbarung schreiben sie: «Wir freuen uns sehr, dass wir noch lange unvergessliche Konzerte in der Mühle Hunziken durchführen können.»

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