ÜBERWACHUNG: Der Student im Rampenlicht

Privatpersonen haben das Referendum gegen Sozialdetektive angestossen, unter ihnen Dimitri Rougy. Der 20-Jährige steht unvermittelt im Fokus der Medien.

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Der 20-jährige Berner Oberländer Dimitri Rougy. (Bild: Simon Tanner)

Der 20-jährige Berner Oberländer Dimitri Rougy. (Bild: Simon Tanner)

«Für das erste Mal habe ich mich ganz gut geschlagen», sagt Dimitri Rougy am Tag nach seinem Debüt im TV-Studio. «Argumentativ war ich aber zu schwach. Ich war müde und ungenügend vorbereitet.» Im Gegensatz zu gestandenen Politikern spricht Rougy erfrischend offen über eigene Unzulänglichkeiten.

Der 20-Jährige steht auch erst seit etwas mehr als einer Woche im Rampenlicht. Weil er, der Student der Kulturwissenschaften aus dem Berner Oberland, zusammen mit der Schriftstellerin Sibylle Berg und zwei Mitstreitern eine Abstimmung über das Gesetz zur Überwachung von Versicherten erwirken will. Verbündet hatte man sich auf Twitter, ein erstes Treffen fand Anfang dieser Woche in Bergs Wohnung statt. Schon am Donnerstag fiel dann der Startschuss zum Referendum, von dem die Spitze der SP, Rougys Partei, zu diesem Zeitpunkt noch die Finger lassen wollte. Wichtigster Grund für die Zurückhaltung der Linken war die scheinbare Aussichtslosigkeit des Kampfes gegen weitreichende Kompetenzen für Sozialdetektive. Seit gestern ist die SP doch mit im Boot.

«Die Parteileitung hat sich verrechnet», sagt Rougy. Die Un­terstützungsbekundungen der letzten Tage zeigten, dass die Basis bereit sei für eine allfällige Abstimmungskampagne. Dem Volk zu erklären, dass man Betrüger nicht in Schutz nehmen, den Versicherern bei der Missbrauchsbekämpfung aber nicht mehr Mittel in die Hand geben sollte als den Strafverfolgungsbehörden oder dem Nachrichtendienst – «das halte ich für durchaus möglich», so Rougy. Der Sozialist sitzt im Gemeindeparlament von Interlaken. Nutzt Rougy die mediale Aufmerksamkeit für eine Nationalratskandidatur im kommenden Jahr? «Diese Frage habe ich mir auch schon gestellt.» Derzeit liege der Fokus aber auf dem 5. Juli. Bis dahin braucht es 50 000 Unterschriften – «und ich brauche dringend ein Medientraining».

Tobias Bär