Überstimmte Welsche und Tessiner

Einen derart deutlichen Röstigraben hat es seit Jahren nicht mehr gegeben. Denn die Westschweiz verzeichnet eine viel höhere Arbeitslosigkeit als der Schweizer Durchschnitt. Davon ausgenommen sind die Kantone Freiburg und Wallis, die mit 2,9 und 3,4 Prozent unter dem Schweizer Mittel liegen.

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Einen derart deutlichen Röstigraben hat es seit Jahren nicht mehr gegeben. Denn die Westschweiz verzeichnet eine viel höhere Arbeitslosigkeit als der Schweizer Durchschnitt. Davon ausgenommen sind die Kantone Freiburg und Wallis, die mit 2,9 und 3,4 Prozent unter dem Schweizer Mittel liegen.

Anderes Staatsverständnis

Dass auch diese beiden Stände die ALV-Revision abgelehnt haben, zeigt, dass hinter dem Stimmverhalten nicht nur die Realität des Arbeitsmarkts, sondern auch eine andere politische Haltung steht.

Romands befürworten stärker als Deutschschweizer längere Ferien, kürzere Wochenarbeitszeiten und ein tieferes Rentenalter, und sie lehnen ALV-Kürzungen grundsätzlich eher ab. Darin spiegelt sich eine unterschiedliche Werthaltung sowie ein anderes Staatsverständnis: Romands erwarten für die Beiträge, die sie abliefern, dass der Staat etwas für sie tut.

Auch Tessiner skeptisch

Im Tessin wurde die ALV-Revision deutlich verworfen. Ausschlaggebend war wohl die Kampagne der Lega dei Ticinesi an der Seite der Gewerkschaften.

Das Ergebnis kam deshalb keineswegs überraschend: 58 Prozent der Tessiner Stimmbürger stimmten Nein. Damit sind sie sich selbst treu geblieben. Auch bei früheren Urnengängen lehnten sie Einschnitte bei Arbeitslosengeldern in der Regel ab.

Der kantonale SP-Sprecher Daniele Fontana zeigte sich umgehend begeistert vom «optimalen Resultat» im Tessin (und in der Romandie), auch wenn dies nicht gereicht hätte, «die Sozialabbauer in der Deutschschweiz zu stoppen».

Für das Resultat im Südkanton gibt es mehrere Gründe. Zum einen kennt das Tessin traditionell eine der höchsten Arbeitslosenquoten der Schweiz. Die Sensibilität für Personen, die keine Arbeit haben, ist gross.

Dazu kommt: Im Gegensatz zur Deutschschweiz, wo die SVP unter dem Motto «Missbräuche stoppen» für ein Ja warb, empfahl die rechts gerichtete Schwesterpartei Lega dei Ticinesi ein klares Nein. Man habe genug vom Sozialabbau in Krisenzeiten, den das Tessin bezahlen müsse. (dl/lob)