Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Trump hat verloren, aber geschlagen ist er noch nicht

Ein Mann der vergessen lassen will, wie rüpelhaft er sich bisher benommen hat. So hat es zu Beginn der ersten Fernsehdebatte zwischen Donald Trump und Hillary Clinton ausgesehen. Trump gab den Präsidentschaftskandidaten, der sich als Staatsmann empfiehlt.
Walter Brehm

Ein Mann der vergessen lassen will, wie rüpelhaft er sich bisher benommen hat. So hat es zu Beginn der ersten Fernsehdebatte zwischen Donald Trump und Hillary Clinton ausgesehen. Trump gab den Präsidentschaftskandidaten, der sich als Staatsmann empfiehlt. Er schöpfte in einem relativ sachlichen Ton aus den Themen, mit denen er es bisher geschafft hat, die weisse Arbeiterschaft in strukturell geschwächten Regionen der USA zu mobilisieren.

Trump sprach über Fabriken, die schliessen mussten, weil es sich in China, Vietnam oder Mexiko billiger produzieren lässt. Er sprach über die Verlierer der Globalisierung, die das Vertrauen in die traditionelle Politik verloren haben. Fast eine halbe Stunde schien es, als dominiere Donald Trump den Wortstreit mit Hillary Clinton. Doch je länger der Disput dauerte, desto deutlicher wurde, wie eine der liebsten Polemiken des Republikaners sich gegen ihn selber richtete: Clinton sei unfähig zur Präsidentschaft, weil sie nicht fit und zu krank dafür sei.

Hillary Clinton lieferte zwar keine Glanzvorstellung, aber den Beweis dafür, dass sie wacher und reaktionsschneller als Trump ist. Dieser zog gegen seine Rivalin mehr und mehr den Kürzeren, wirkte zunehmend fahrig und müde. Clinton aber meisterte die 90-Minuten-Distanz der Debatte souverän. Und so zeigte sich eine zweite Schwäche ihres Gegners: Trump kann einfach nicht aus seiner Haut. Er konnte die Rolle des Staatsmannes nicht durchhalten. Er verfiel zunehmend in die bekannte egomanische Selbstdarstellung. Es ist bisher wohl kaum vorgekommen, dass sich ein Präsidentschaftskandidat rühmt, seine Steuererklärung unter Verschluss zu halten. Donald Trump tat es. «Das ist doch schlau, Steuergelder werden eh nur verschleudert», sagte er. Es klang als rede ein Börsenspekulant aus den 80er-Jahren. Trump lieferte Hillary Clinton damit eine Steilvorlage: «Vielleicht liegt es ja daran, dass Donald gar keine Einkommensteuer bezahlt», feixte die Demokratin.

Hillary Clinton konnte leicht nachdoppeln, um Trump schlecht aussehen zu lassen. Dieser habe mit der Behauptung, Barack Obama sei gar nicht in den USA geboren worden, rücksichtslos mit einer rassistischen Lüge politisiert. Trump verlor vollends die Fassung und kehrte erneut den unbelehrbaren Macho hervor. Die frühere Aussenministerin habe weder das Aussehen noch die Fähigkeit für die Präsidentschaft. In Rage geredet, atmete Trump schwer und strafte das Eigenlob auf seine Fitness Lügen.

Dennoch ist ein vorsichtiges Fazit zu ziehen. Nach verhaltenem Start hat Hillary Clinton die erste Fernsehdebatte klar für sich entschieden. Falls Trump vorhat, noch schwankende Wähler und Wählerinnen für sich zu gewinnen, hat er in der Nacht auf gestern afür wenig getan. Nur entscheidet eine Debatte noch lange nicht die Wahl. Es wäre eine ziemlich gewagte Prognose, Donald Trump habe seine Chancen, ins Oval Office einzuziehen, im ersten von drei Rededuellen bereits verspielt. Zwar hat er sein Programm fürs Regieren – wenn er denn eines hat – noch für sich behalten. Doch sein stärkstes Argument gegen Hillary Clinton hat Trump mehrmals anbringen können. Vorschläge für höhere Steuern für Reiche oder für grosse Investitionen in die Bildung und in die marode Infrastruktur konterte Trump nicht zu Unrecht mit der Frage: «Warum haben die demokratischen Präsidenten Bill Clinton und Obama, mit denen Hillary zusammengearbeitet hat, das nicht umgesetzt? Die Polemik gegen das politische Establishment bleibt eine scharfe Waffe Trumps im Wahlkampf.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.