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Traumatisierung soll im Asylverfahren zum Grundsatz werden

Das Kriterium der Glaubhaftigkeit benachteiligt nach Einschätzung der Schweizerischen Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht (SBAA) verletzliche Personengruppen wie traumatisierte Menschen und Minderjährige. Sie fordert deshalb, dass die Traumatisierung im Asylverfahren nicht als Ausnahme, sondern als Grundsatz anerkannt wird.

(sda) Grundsätzlich soll das schweizerische Asylverfahren jene Menschen schützen, denen in ihren Heimatländern Verfolgung, Zwangsarbeit, Folter oder unmenschliche Behandlung droht. Die Gesuchstellenden müssten aber in der Befragung glaubhaft machen, dass sie das Recht auf Schutz vor Verfolgung rechtmässig beanspruchten.

Die SBAA hegt jedoch grosse Zweifel am «Prinzip der Glaubhaftigkeit», wie es das Staatssekretariat für Migration (SEM) bei seinen Befragungen anwendet, wie aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Organisation hervorgeht.

Von den asylsuchenden Menschen werde erwartet, dass sie möglichst präzise, detailliert und widerspruchsfrei ihre Asylgründe erzählten, ihre Schilderungen plausibel seien und der allgemeinen Lebenserfahrung entsprächen. Diese Anforderungen seien jedoch oft zu hoch, und die Beurteilung beruhe oftmals auf subjektiven Einschätzungen der Befragenden.

Nicht nur «Sonderfälle»

Gerade bei der Befragung von traumatisierten Menschen bezweifelt die SBAA das Konzept der Glaubhaftigkeit, denn für traumatisierte Menschen seien die Anforderungen an das substantiierte und chronologische Erzählen nahezu unüberwindbar. Es brauche zwingend Verbesserungen, damit das Asylverfahren für die besonders verletzlichen Personengruppen human, fair und menschenwürdig ausgestaltet werden könne.

Obwohl das SEM im Handbuch Asyl und Rückkehr anerkenne, dass eine Traumatisierung das Erzählverhalten beeinflussen könne, werde diesem Umstand in der Praxis zu wenig Rechnung getragen. Aufgrund von Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Studien, wonach rund die Hälfte aller geflüchteten und asylsuchenden Menschen unter psychischen Erkrankungen leide, dränge sich die Frage auf, ob die Betrachtung von traumatisierten Asylsuchenden als «Sonderfälle «durch das SEM der effektiven Situation gerecht werde.

Die SBAA fordert deshalb, dass die Traumatisierung von Personen im Asylverfahren nicht als Ausnahme, sondern als Grundsatz anerkannt wird. Ausserdem sollten Vorkommnisse auf der Flucht, die meist persönlichkeitsverändernd oder traumatisierend wirkten, in die Anhörungen miteinbezogen werden. Von Gesetzes wegen gälten diese Erlebnisse nicht als asylrelevant, hätten jedoch auf das Aussageverhalten oftmals einen Einfluss.

Im Zweifel für den Gesuchstellenden

Gerade weil es so schwierig sei, einen realitätsgetreuen Sachverhalt zu erstellen, sollte gemäss SBAA dem Grundsatz «im Zweifel für die Gesuchstellenden» gefolgt werden. Das SEM habe diesen Grundsatz verankert, dokumentierte Fälle zeigten aber auf, dass Verletzungen dieses Grundsatzes verheerende Auswirkungen für die Gesuchstellenden mit sich brächten.

Die SBAA fordert generell eine vermehrte Sensibilisierung und Integration psychologischen Wissens ins Rechtswesen. Sie setzt ihre Hoffnungen auch in die Rechtsvertretung, die im neuen beschleunigten Asylverfahren, das ab 1. März umgesetzt wird, allen Asylsuchenden zugeteilt wird. Es sei zu hoffen, dass in Zukunft sowohl die Rechtsvertretung als auch die Befragenden vermehrt Kompetenzen zur Erkennung von Anzeichen für Traumata erwerben würden, um die Asylsuchenden an medizinische Fachpersonen zu verweisen.

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