Tip lässt Datendieb auffliegen

Beim Datendiebstahl beim Nachrichtendienst des Bundes handelt es sich um einen schweren Spionagefall. Der Mitarbeiter, der die Daten gestohlen hat, wollte diese ans Ausland verkaufen.

Léa Wertheimer
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Bundesanwalt Michael Lauber: Datendieb wollte die gestohlenen Daten ans Ausland verkaufen. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Bundesanwalt Michael Lauber: Datendieb wollte die gestohlenen Daten ans Ausland verkaufen. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

BERN. «Es ist ein schwerer Fall von Spionage.» Die Worte des leitenden Staatsanwalts Carlo Bulletti liessen die Tragweite des Zwischenfalls erahnen. Im Mai hatte ein Mitarbeiter des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) sehr sensible Daten gestohlen. Gemeinsam mit Bundesanwalt Michael Lauber erläuterte Bulletti den Vorfall nun vor den Medien.

In mehreren Etappen

Die Bundesanwaltschaft ermittelt seit Ende Mai gegen den 43jährigen Schweizer wegen schwerer Spionage (politischem und wirtschaftlichem Nachrichtendienst). In mehreren Etappen und über mehrere Wochen gelang es dem Informatiker, Unmengen von Daten abzuzweigen. Offenbar wollte er sie ins Ausland verkaufen. «Darunter waren auch hochsensible Informationen, deren Diebstahl eine Gefahr für die Sicherheit der Schweiz darstellte», betonte Bundesanwalt Michael Lauber. Unter den Daten hätten sich geheime und sensitive inhaltliche Informationen, aber auch Zugangsdaten mit Passwörtern befunden. Genauere Angaben zum Inhalt der Daten wollten die beiden nicht machen.

Mehrere Festplatten

Die Justiz wurde auf den Diebstahl aufmerksam, weil der Nachrichtendienst einen Tip erhalten hatte. Die Bundeskriminalpolizei reagierte danach prompt. Noch am gleichen Abend verhaftete sie den Dieb und durchsuchte seine Räumlichkeiten. Sie fand mehrere Festplatten voller geheimer Daten. «Dass der Mann im Besitz der Daten war, ist normal, es war seine Arbeit», sagte Bulletti. Es sei nichts Besonderes, wenn ein Informatiker mit einer Festplatte im Rucksack herumlaufe. Das sei kein Systemfehler. Es stimmt aber bedenklich, dass er damit nach Hause spazieren konnte. «Das ist ein Umstand, den der Nachrichtendienst kommentieren muss.»

Wieder auf freiem Fuss

Die Polizei nahm den Informatiker bis zum 5. Juli in Untersuchungshaft. «Mittlerweile ist der Mann aber wieder auf freiem Fuss», sagte Lauber. Die Bundesanwaltschaft nimmt an, dass der Mann ein Einzeltäter ist, der nicht vom Ausland angestiftet worden war. «Wir gehen davon aus, dass der Mann keine Kopien der Daten erstellt hat und sie auch noch nicht weitergeben konnte. «Wir sind heute beruhigt, obwohl natürlich ein Restrisiko bleibt.» An welches Land die Daten hätten verkauft werden sollen, ist unklar. Carlo Bulletti schliesst nicht aus, dass der Mann ganz nach dem Vorbild der Bankdatendiebe handelte: «Die Daten haben einen erheblichen Marktwert.»

Der Schweizer soll zudem vor seiner Verhaftung psychische Probleme gehabt haben. Auch dieser Umstand löst Stirnrunzeln aus. Sind Mitarbeiter des Nachrichtendienstes nicht durchleuchtet? Genau wie Offiziere der Armee werden sie einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen.

Gravierender Fall

Der leitende Staatsanwalt Bulletti betonte, dass dies ein gravierender Fall sei. «Meines Wissens der erste im Nachrichtendienst des Bundes.» Die Ermittlungen sind bereits fortgeschritten, und dem Mann droht eine Mindeststrafe von einem Jahr Haft.