Tierschützer wollen Jagd abschiessen

Zürich entscheidet am Wochenende, ob im Kanton auch künftig Jäger unterwegs sein dürfen. Tierschützer fordern einen radikalen Systemwechsel.

Dominic Wirth
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Tierschützer wollen die Milizjagd im Kanton Zürich verbieten. (Bild: Benjamin Manser)

Tierschützer wollen die Milizjagd im Kanton Zürich verbieten. (Bild: Benjamin Manser)

Weg mit den Jägern, her mit den professionellen Wildhütern: Im Kanton Zürich fordert eine Volksinitiative die Abschaffung der Milizjagd. Am Sonntag entscheiden die Stimmbürger im grössten Schweizer Kanton über das Anliegen aus Tierschutz-Kreisen, etwa der Stiftung für das Tier im Recht oder Wildtierschutz Schweiz. Sie verlangen, dass sich künftig Wildhüter um die Wildtier-Regulierung kümmern. Für die traditionelle Milizjagd und die 1300 Jäger im Kanton würde dies das Ende bedeuten.

Das führt zu heftigen Diskussionen. Und es geht dabei um eine grosse Frage: Kann man die Natur sich selbst überlassen, so, wie die Tierschutzorganisationen sich das vorstellen? In ihren Augen sollen die Wildhüter nur noch dann Wildtiere wie Rehe oder Wildschweine abschiessen, wenn «alle anderen erdenklichen Massnahmen» ergriffen wurden und nicht erfolgreich waren. Eine Fachkommission soll darüber befinden, ob ein Abschuss notwendig ist. 80 bis 90 professionelle Wildhüter müsste der Kanton bei einem Ja zur Volksinitiative einstellen. Als Vorbild dient den Initianten der Kanton Genf, der schon seit über 40 Jahren auf ein ähnliches System setzt.

Happige Vorwürfe an die Jäger

Marianne Trüb vom Initiativkomitee ist überzeugt, dass die Wildtiere sich weitgehend selbst regulieren, wenn man nur da eingreift, wo tatsächlich Probleme auftreten. Die Regulierung durch die Jagd, sagt sie, werde auch deshalb notwendig, weil die Tiere im Visier der Jäger stehen und von ihnen gar noch gefüttert würden. «Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Bejagung zu einer höheren Fruchtbarkeit führt», so Trüb. Heute werden in den Augen der Initianten unnötig viele Tiere geschossen, was wiederum zu mehr Jungen führt. Auf ihre Abstimmungsplakate haben sie deshalb den Slogan «Weil töten kein Hobby sein soll» gedruckt. «Die Jäger veranstalten heute Massaker – und machen daraus noch gesellige Events. Das geht doch nicht», sagt Trüb.

Töten als Freizeitbeschäftigung? Ein happiger Vorwurf. Und einer, der Christian Jaques, den Präsidenten von Jagd Zürich, ärgert. «Das ist einfach falsch», sagt er. Das Töten der Tiere sei nur ein kleiner Teil der Arbeit eines Jägers, zu der auch die Pflege der Jagdgebiete gehöre. Oder der Gnadenschuss für jene Wildtiere, die bei einem der jährlich 3800 Verkehrsunfälle verletzt werden. Die Idee, dass sich die Natur selbst reguliert, gefällt auch Jaques. Doch er sagt, dass sie in einem dicht besiedelten, von Verkehrswegen durchzogenen, städtisch geprägten Kanton wie Zürich eine Illusion sei. «Der Lebensraum ist eingeschränkt, und Wildtiere wie Rehe oder Wildschweine haben keine natürlichen Feinde. Deshalb müssen wir regulieren», sagt er.

Ähnlich argumentiert der Kanton, der davor warnt, dass ohne Abschüsse die Natur «aus dem Gleichgewicht gerät». Für ihn funktioniert das heutige System. Und er warnt vor Mehrkosten bei einem Ja. Zum einen entstünden diese durch bauliche Massnahmen. Diese würden bei einem Verzicht auf die Jagd notwendig, um etwa Wald oder Felder vor den Wildtieren zu schützen. Zum anderen rechnet der Kanton damit, dass der Aufbau eines professionellen Wildhüter-Betriebs 20 bis 30 Millionen Franken zusätzlich kosten würde.

Alle Kantonsräte sagen Nein

Marianne Trüb vom Initiativkomitee zieht diese Zahlen in Zweifel, sie geht von Mehrkosten aus, die ungefähr halb so hoch sind wie vom Kanton vorgerechnet. Und das, sagt Trüb, «muss es uns doch wert sein». Aber auch sie weiss: Es spricht wenig dafür, dass die Stimmbürger am Sonntag ihr Anliegen durchwinken. Als der Zürcher Kantonsrat sich im Frühling mit dem Anliegen befasste, lehnten am Schluss alle 165 Parlamentsmitglieder die Vorlage ab; selbst dem linksgrünen Lager ist es zu radikal. Und so spricht alles dafür, dass im Kanton Zürich auch künftig Jäger unterwegs sein dürfen.