TECHNOLOGIE: Millionen für IT-Bildung

Bundesrat Schneider-Ammann möchte 200 Millionen Franken in Bildung und Forschung pumpen, um den digitalen Wandel zu bewältigen. Doch der Gesamtbundesrat tritt auf die Bremse.

Maja Briner
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Die Digitalisierung hält auch in Schulen Einzug. Das soll Schülern später bei der Jobsuche nützen. (Bild: Gaëtan Bally/KEY (Zürich, 13. März 2016))

Die Digitalisierung hält auch in Schulen Einzug. Das soll Schülern später bei der Jobsuche nützen. (Bild: Gaëtan Bally/KEY (Zürich, 13. März 2016))

Maja Briner

Die digitale Revolution verändert unsere Arbeitswelt. Rechnungen werden kaum mehr am Postschalter bezahlt, sondern übers Internet. Beim Einkaufen können Kunden die Selbstbedienungskasse benutzen, einen Kassierer brauchen sie nicht mehr. In manchen Branchen fallen dadurch Stellen weg, anderswo entstehen neue. Auf diesen Wandel müssen auch Schulen und Universitäten reagieren. «Das Bildungssystem muss rasch an die Anforderungen des Marktes angepasst werden», sagte Bundesrat Johann Schneider-Ammann gestern. Es gehe darum, aus Risiken Chancen zu machen. Dazu müssten Kompetenzen auf- und Ängste abgebaut werden.

Die Schweiz habe mit ihrem Bildungssystem eine gute Ausgangslage, sagte Schneider-Ammann. Aber es gebe noch Lücken. So gibt es laut einem Bericht des Bundesrats Anzeichen, dass es in den meisten Informatikberufen an Fachkräften mangelt. Auch habe die Schweiz beispielsweise bei der Forschung zu «Big Data» klar an Terrain verloren. Nun will Schneider-Ammann mit einem Aktionsplan Gegensteuer geben. Als Ziel ist darin unter anderem verankert, dass Schüler und Lernende digitale Kompetenzen erwerben sollen. Auch die Forschung soll gestärkt werden.

Bis zu 25 neue IT-Professuren

Schneider-Ammann will 2019 und 2020 bis zu 200 Millionen Franken investieren, um den Aktionsplan umzusetzen. Der Gesamtbundesrat bremste ihn gestern jedoch: Er hat die beantragten Beträge noch nicht bewilligt, obwohl das Wirtschaftsdepartement zwei Drittel davon selbst aufbringen will. Der Bundesrat will erst nach einer Gesamtschau im Herbst entscheiden. Gemäss Schneider-Ammanns Plänen soll ein Grossteil des Geldes in Forschung und Innovation fliessen. Damit sollen an den ETH Zürich und Lausanne bis zu 25 neue Informatikprofessuren geschaffen werden. Ein kleinerer Teil der Mittel ist für die Schul- und Berufsbildung vorgesehen.

Im Parlament dürfte das Anliegen grundsätzlich auf offene Ohren stossen. Umstritten ist allerdings die Frage der Finanzierung, wie erste Reaktionen zeigen. Der Inhalt des Aktionsplans sei sehr gut, sagt Marcel Dobler, St. Galler FDP-Nationalrat und Präsident des IT-Dachverbandes ICTswitzerland. «Wir müssen investieren, um nicht den Anschluss zu verlieren», sagt er. «Die grosse Frage wird sein, wo das Geld eingespart werden soll.» Dass sich der Bundesrat Zeit lässt mit dem Entscheid, ist für Dobler zwar unschön, aber verständlich. «Natürlich wäre es besser, wenn es schneller ginge.» Wichtiger sei aber, dass es kein Schnellschuss sei.

SP kritisiert «Ankündigungsminister»

Auch die Luzerner CVP-Nationalrätin Andrea Gmür-Schönenberger sagt: «Es ist richtig, dass der Bundesrat aktiv wird. Es braucht Investitionen. Über die angemessene Höhe der Mittel müsse man je nach Sparvorgaben in anderen Bereichen von Bildung und Forschung allenfalls noch diskutieren.

Skeptisch zeigt sich hingegen die SP. Schneider-Ammann liege zwar im Prinzip richtig, wenn er die Digitalisierung zur Priorität erkläre, teilte sie mit. Die Ankündigungen seien aber noch zu vage, kritisierte die SP – und bezeichnete Schneider-Ammann als «Ankündigungsminister».