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Tagesschulen sollen die Regel werden

Die Stadt Zürich ist daran, flächendeckend Tagesschulen einzuführen. Nun steht der Entscheid über die zweite Etappe an.
Eveline Rutz
Das Zürcher Projekt ist mit fünf Pilotschulen gestartet. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Das Zürcher Projekt ist mit fünf Pilotschulen gestartet.
(KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bis 2025 sollen alle Schulen in der Stadt Zürich als Tagesschulen geführt werden. Das Projekt hat vor zwei Jahren mit fünf Pilotschulen gestartet; nun sollen weitere 24 hinzukommen. Das Stimmvolk entscheidet am 10. Juni über einen Kredit von 74,57 Millionen Franken.

Tagesschulen entsprächen einem gesellschaftlichen Bedürfnis, sagt GLP-Gemeinderätin Isabel Garcia. «Es ist nicht mehr zeitgemäss, Schule und Betreuung so stark zu trennen.» Das neue System habe den Vorteil, dass die Kinder weniger Gruppenwechsel erlebten. Lehrer und Eltern profitierten zudem von einer einfacheren Organisation sowie einer klareren Struktur.

Die Fraktionschefin verweist auf die Erfahrungen aus der Pilotphase. «90 Prozent der Kinder gehen in die Tagesschule – das ist ein überwältigendes Echo und eine Bestätigung dieses Modells.»

Eltern können Kinder abmelden

Die Teilnahme ist grundsätzlich freiwillig. Die Mittagspause dauert an den Tagesschulen allerdings nur noch 80 statt 100 Minuten. Das Mittagessen kostet die Eltern lediglich 6 Franken, was zur grossen Nachfrage beiträgt. Je nach Schulstufe bleiben die Kinder an zwei bis vier Tagen vom Unterrichtsbeginn bis zum Schulschluss in der Schule.

Davor und danach können sie die freiwilligen Aufgabenstunden oder den Hort besuchen, was einkommensabhängig verrechnet wird. Am fünften Tag können sie das Betreuungsangebot bei Bedarf ebenfalls kostenpflichtig nutzen.

«Viele Fragen sind einfach noch nicht geklärt.»
Elisabeth Liebi, SVP-Gemeinderätin

Das Modell Tagesschule 2025, das vom abgetretenen Stadtrat Gerold Lauber (CVP) initiiert wurde, ist parteipolitisch breit abgestützt. Kritik kommt einzig von der SVP. Sie spricht von «Schulpolitik auf Kosten der Kinder». Gerade für Kindergartenkinder bedeuteten die langen Tage in vollen und lärmigen Schulhäusern Stress. «Müdigkeit, nachlassende Konzentration oder reduzierter Bildungserfolg seien logische Folgen», so Gemeinderat Martin Götzl.

Seine Parteikollegin Elisabeth Liebi spricht von einem Schnellschuss. Es fehle unter anderem an Räumlichkeiten für die zusätzlichen Schüler. «Wir müssen jetzt schon Pavillons aufstellen.» Kinder, die über den Mittag Ruhe suchten, hätten kaum Rückzugsmöglichkeiten. Der rege Betrieb belaste sie. Zudem sei zu wenig transparent, was Lehrerschaft und Eltern vom Modell hielten. «Viele Fragen sind einfach noch nicht geklärt.»

Der Raumbedarf ist sowieso da

GLP-Gemeinderätin Garcia räumt ein, dass Optimierungsbedarf besteht. Ein derartiges Projekt bedeute eine grosse Herausforderung. Raum- und Infrastrukturprobleme bestünden allerdings unabhängig vom Schulmodell. «Ein grosser Teil des Kredits ist genau für Verbesserungen in diesem Bereich vorgesehen.»

Tatsächlich entfallen rund 22 Millionen Franken auf entsprechende Anpassungen. Die Parlamentarierin betont, dass auch in der Tagesschule individuell auf die Kinder eingegangen werde. Wolle sich ein Kind zurückziehen, sei dies möglich.

Isabel Garcia, die lange im Ausland gelebt hat, findet es grundsätzlich wichtig, dass Kinder auch ausserhalb der Familie Beziehungen knüpfen. «Die Vorstellung, dass sich Kinder nur am Rockzipfel der Mutter gut entwickeln, ist im Ausland viel weniger stark verbreitet als bei uns.»

Die Ausgaben sinken

FDP-Fraktionschef Severin Pflüger führt ein weiteres Argument ins Feld: Das neue System sei bei qualitativ gleichbleibender Betreuung mit Kosteneinsparungen verbunden. So beanspruche eine herkömmliche Hortklasse vom Mittagessen bis am Abend gleich viel Personal und Raum, egal wie viele Kinder dazwischen den Unterricht besuchten oder etwa für Musikstunden abwesend seien. Im Tagesschulmodell sei eine effizientere Organisation möglich. «Wir werden für die Betreuung in Zukunft entsprechend weniger ausgeben.»

Dass Stadtrat und Parlament bei der Umsetzung des Projekts aufs Tempo drücken, begründet Pflüger damit, dass alle Familien gleichbehandelt werden sollen. «Wir wollen, dass möglichst rasch alle von diesem guten System profitieren können.»

Interesse am Zürcher Modell

Das Projekt Tagesschule 2025 beinhaltet gebundene Tagesstrukturen. Das heisst, dass die Kinder den Mittag in der Regel an der Schule verbringen, wenn sie nachmittags Unterricht haben. Ein günstiger Einheitstarif ermöglicht es auch einkommensschwächeren Familien, davon zu profitieren. Eltern, die dies nicht möchten, müssen ihren Nachwuchs explizit abmelden.

Im schweizweiten Vergleich betritt Zürich damit Neuland. «Wir haben viele Anfragen von anderen Städten, um unser Modell vorzustellen», sagt Regina Kesselring, Kommunikationsleiterin Schulamt.

Im Luzerner Stadtparlament ist eine Motion hängig, welche Tagesschulen nach dem Zürcher Vorbild fordert. «Das Modell der Tagesschule entspricht einem grossen Bedürfnis und ist die Antwort für den zunehmend flexiblen Arbeitsmarkt, in dem Frauen eine grosse Rolle spielen», begründen die GLP-Vertreter Judith Wyrsch und Jules Gut ihren Vorstoss.

In St. Gallen sind öffentliche Tagesschulen zurzeit kein Thema. Die Stadt ist jedoch daran, die ungebundene Tagesbetreuung auszubauen. Der Stadtrat will bis 2026 auf dem ganzen Stadtgebiet umfassende Angebote realisieren. Zurzeit sind solche in rund der Hälfte der Schuleinzugsgebiete zu finden.

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