Tag der Wahrheit für Schweizer Olympiaträume

Der Traum von Olympischen Spielen in Graubünden ist ausgeträumt. Aber vielleicht erhält die Waadtländer Hauptstadt Lausanne den Zuschlag für die Austragung der Jugendolympiade 2020. Am Freitag entscheidet das IOK im malaysischen Kuala Lumpur. Sportminister Ueli Maurer ist auch dabei.

Denise Lachat
Drucken
Teilen

LAUSANNE. Ueli Maurer hatte selten so gestrahlt vor den Bundeshausmedien wie an dem Tag, als er die Unterstützung des Gesamtbundesrats für eine Olympiakandidatur Graubündens bekanntgab. Doch dann kam die kalte Dusche: Die Bündner wollten nicht. Ob sich das Internationale Olympische Komitee (IOK) diesen Freitag in Kuala Lumpur nun für Peking oder die kasachische Stadt Almaty entscheidet, kann dem Schweizer Sportminister darum einerlei sei.

Nach Malaysia aber fliegt Maurer alleweil: Der Waadtländer Hauptort Lausanne bewirbt sich um die Austragung der Jugendolympiade 2020. Zwar backen die Veranstalter von Jugendspielen wesentlich kleinere Brötchen als jene, die sich um die Weltspiele bewerben. Ein willkommenes Werbefenster für die Schweiz und ein Prestigeprojekt vorab für die Westschweiz wären die Spiele aber allemal.

Kein übertriebener Optimismus

Denis Pittet klingt denn auch aufgeregt. «Wir sind jetzt am Feinschliff», sagt der Generalsekretär des Kandidaturkomitees Lausanne 2020 atemlos ins Telefon. Pittet befindet sich mit einem Teil der 25köpfigen Schweizer Delegation bereits in Kuala Lumpur. Während in der Schweiz gerade der Arbeitstag angebrochen ist, geht es in Kuala Lumpur schon gegen den Abend zu. Die Lausanner werden einmal mehr bis spät in die Nacht arbeiten, damit am Freitag alles wie am Schnürchen läuft. Eine knappe halbe Stunde haben die Schweizer Zeit, um die 100 Mitglieder des IOK von der Lausanner Kandidatur zu überzeugen, mit Ansprachen, einer Diashow und einem Film.

Schweizintern hat sich die Olympiastadt Lausanne gegen Luzern durchgesetzt. Und eigentlich bringen die Waadtländer auch alles mit, um als Sieger aus dem Finale gegen das rumänische Brasov hervorzugehen. Doch nach dem Debakel der Olympiakandidatur von Sion im Jahr 1999 erlauben sich die Waadtländer keinen öffentlich gezeigten Optimismus mehr.

«Wir nehmen die Kandidatur von Brasov sehr ernst», sagt Pittet. Zudem könne die Tatsache, dass Lausanne bereits Olympiastadt sei, vom IOK sowohl als Vorteil wie auch als Nachteil gewertet werden.

Kein Gigantismus

Sicher ist, dass die Waadtländer die Jugendolympiade 2020 mit ihrer sprichwörtlichen Bescheidenheit ausrichten wollen: Das Motto heisst Nachhaltigkeit statt Gigantismus. So würde alles, was an neuer Infrastruktur geplant ist, auch ohne die Jugendolympiade gebaut.

In Malley entsteht eine neue Eishalle, dank der Lausanne künftig auch Hockey-Weltmeisterschaften durchführen kann. Ergänzt wird der gut 200 Millionen Franken teure Komplex um ein Olympiabecken und einen Sprungturm. Und der futuristische Ringbau «Vortex» im Norden der Universität und der ETH Lausanne würde als Olympiadorf genutzt, bevor er anschliessend 1200 Studenten beherbergen wird; insgesamt 1400 Wohnungen werden gebaut.

Im 175 Millionen Franken teuren Gebäude des Zürcher Architekten Jean-Pierre Dürig steigen die Stockwerke spiralförmig um einen 100 Meter weiten Innenhof herum an – nicht nur der Computergigant Apple setzt auf eine «fliegende» Untertasse.

Geplant ist zudem eine Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg: Frankreich stellt den Schweizern im Wintersportzentrum Les Tuffes zwei Kilometer von der Waadtländer Grenze entfernt die Infrastruktur, notabene die Sprungschanzen zur Verfügung. «Die Zusammenarbeit mit Frankreich ist eine Besonderheit der Schweizer Kandidatur», sagt Pittet. Deshalb müssen sich am Freitag nicht nur die Schweizer und die Rumänen, sondern auch die Franzosen bei der Wahl der Stimme enthalten.

36 Millionen Franken beträgt das Budget der Lausanner Kandidatur, die auch vom Kanton und vom Bund unterstützt wird. Je acht Millionen tragen Stadt, Kanton und der Bund bei, sechs Millionen das IOK, weitere sechs Millionen kommen per Sponsoring dazu.

Besondere Zurückhaltung

Eine besondere Form der Zurückhaltung wurde den Waadtländern zudem vom IOK auferlegt: So darf Lausanne seit seiner Kandidatur die olympischen Ringe nicht mehr verwenden, obwohl es seit 100 Jahren Sitz des IOK und damit Olympiawelthauptstadt ist und das Stadtmarketing schon längst auf den Beinamen «Capitale olympique» setzt.

Die überaus korrekten Waadtländer gingen sogar so weit, das IOK zur Hundertjahrfeier des IOK nicht einzuladen – aus Furcht, man lege ihnen einen offiziellen Empfang als Korruptionsversuch aus. Das Komitee fällt seinen Entscheid in Kuala Lumpur um 11.30 Uhr Schweizer Zeit.