Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Prügelschüler sollte wieder in die normale Schule – Aktion notfallmässig gestoppt

Er verletzte seine Lehrerin, nicht einmal die Spezialklasse wollte ihn danach. Eine Einschulung in Lenzburg nächste Woche wurde am Freitagabend gestoppt.
Nadja Rohner und Urs Helbling
In der Schule Hellmatt in Wildegg schlug der Jugendliche seine Lehrerin. (Bild: MIK)

In der Schule Hellmatt in Wildegg schlug der Jugendliche seine Lehrerin. (Bild: MIK)

Wenn alles so gelaufen wäre wie eingefädelt, hätten die Achtklässler im Lenzburger Schulhaus Lenzhard am Montag einen neuen Mitschüler erhalten. Einen mit Vorgeschichte. Einen, den weder das Jugendheim Aarburg noch die Regionale Spezialklasse in Baden haben wollten: Ali (Name geändert) ist der 14-jährige syrische Realschüler, der im Juni seiner Lehrerin auf dem Flur des Schulhauses Hellmatt in Möriken-Wildegg mehrfach ins Gesicht geschlagen hat. So heftig, dass ihr Kiefer brach. Die 64-jährige, erfahrene Lehrerin hatte Ali zuvor aufgefordert, seine Taschen zu leeren – weil er mit einem Messer auf dem Schulhof herumfuchtelte.

Am späten Freitagabend intervenierte jedoch die Aargauer Schulaufsicht – was von langer Hand generalstabsmässig geplant war, wurde über den Haufen geworfen, «um einer Eskalation entgegenzuwirken».

Ab Montag sollte der Schüler eine Regelklasse in Lenzburg besuchen. (Bild: MIK)

Ab Montag sollte der Schüler eine Regelklasse in Lenzburg besuchen. (Bild: MIK)

«Therapeutisches Boxen» im Sommer

Gegen den Syrer läuft derzeit ein Jugendstrafverfahren. Diese sind geheim. Auf Anfrage sagt Alex Dutler, Sprecher der Jugendanwaltschaft, nur: «Die Untersuchung wegen einfacher Körperverletzung ist noch hängig. Es wurden die geeigneten Abklärungen und Massnahmen eingeleitet.» Er dementiere aber klar, dass sich der Jugendliche in einem Sondersetting à la «Carlos» befinde, so Dutler.

Wie die «Schweiz am Wochenende» erfahren hat, verbrachte Ali den Sommer über teilweise beim Verein Türöffner in Wildegg und absolvierte dort ein «therapeutisches Boxcoaching». Dessen Ziele beschreibt der Verein auf seiner Website unter anderem mit «Gefühlswahrnehmung und Affektsteuerung verbessern» und «Rückschläge ertragen können». Ali wird ausserdem von einem forensischen Psychiater begutachtet.

Der Jugendliche soll auch wieder in einen Schulalltag integriert werden. An der Schule Möriken-Wildegg will man ihn aber nicht mehr. Das Jugendheim Aarburg nimmt Ali dem Vernehmen nach auch nicht – weil er erst in einigen Monaten das Mindestalter von 15 Jahren erreicht. Eine Option wäre die Regionale Spezialklasse in Baden gewesen. Diese ist explizit für verhaltensauffällige Schüler gedacht, die in ihrer angestammten Klasse nicht mehr tragbar sind. In Baden werden sie in einer Kleinstklasse den ganzen Tag über intensiv betreut; zusätzlich zum Unterricht müssen sie kochen und putzen.

Hierhin hätte Ali eigentlich nach den Sommerferien gehen sollen. Alles war aufgegleist. Aber dann kam der Angriff auf die Lehrerin. Nun winkte auch Baden ab.

Vor diesem Hintergrund erstaunte umso mehr, dass sich die Schule Lenzburg bereit erklärt hatte, Ali ab kommender Woche aufzunehmen. Und zwar in einer ganz normalen Regelklasse. Für wie lange? Unter welchen Auflagen? Sind flankierende Massnahmen geplant, um Lehrpersonal und Mitschüler vor erneuten Vorfällen zu schützen? Diese Fragen hatte diese Zeitung am Freitag Schulpflegepräsidentin Susanne Buri gestellt. «Aus Daten- und Persönlichkeitsschutzgründen geben wir keine Auskunft über einzelne Schülerinnen und Schüler der Regionalschule Lenzburg», schrieb sie am Nachmittag zurück.

Am späten Abend dann die Kehrtwende: Ali geht am Montag nicht nach Lenzburg. Die kantonale Schulaufsicht hat einen befristeten Schulausschluss angeordnet.

Lügen, prügeln, stehlen – was Ali alles angestellt hat

Dass sich die Ereignisse derart überstürzen, kommt nicht von ungefähr. Man hat, nicht zuletzt durch einen aktuellen Bericht der «Weltwoche», mittlerweile ein gutes Bild davon, was sich in den Wochen und Monaten vor der Gewalttat in der Schule Möriken-Wildegg abgespielt hat. Obwohl Ali dies in den Einvernahmen bestreite, soll der Islam eine Rolle gespielt haben. Der Jugendliche habe sich etwa geweigert, Weihnachtslieder zu singen. Auch soll er muslimische Mädchen per Whatsapp bedroht haben, wenn sie Bikini oder zerschlissene Jeans trugen.

Gegenüber der «Schweiz am Wochenende» beschreiben Personen aus dem Umfeld der Schule Ali als «verbal und non-verbal unanständig», aggressiv und bedrohlich. Er habe Mühe mit Kritik und Autoritäten, lüge, prügle, stehle und plage seine Mitschüler. Aus dem Turnunterricht musste man ihn ausschliessen, weil er den Lehrer mit «Sie sind tot!» bedroht hatte. Zweimal wurde Ali zu einem Arbeitseinsatz in der Gärtnerei der Justizvollzugsanstalt Lenzburg verdonnert. Die Schulsozialarbeit war involviert, ebenso die kantonale Antiradikalisierungstelle – die aber Entwarnung gab.

Wie diese Zeitung weiss, hatte sich die Lage in den Wochen vor dem Übergriff auf die Lehrerin zugespitzt. Der Übertritt in die Badener Spezialklasse nach den Sommerferien war schon beschlossen. Alis Eltern, die vor fünf Jahren als Asylsuchende in die Schweiz kamen, wurde aufgetragen, den Sohn in den bis dahin verbleibenden Wochen intensiv zu betreuen, weil eine Eskalation der Situation drohte. Doch sie verreisten an eine Hochzeit nach Deutschland. Und ihr Sohn verprügelte die Lehrerin.

Auch Alis Vater ist schon wegen seines Verhaltens im Dorf aufgefallen. Wie seine Frau spricht er kaum Deutsch. Die Familie lebt in einer gemeindeeigenen Liegenschaft. Man habe ihnen aber gekündigt, heisst es.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.