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Warum Bombardier den Swiss-Flieger an Airbus verschenkte

Der kanadische Flugzeugbauer Bombardier schenkte seine Milliarden-Neuentwicklung, die jetzt der bei der Swiss Triebwerksprobleme machte, dem europäischen Konzern Airbus. Um Zölle zu umgehen?
Leo Eiholzer
Die C-Series heisst jetzt Airbus A220. (Quelle: Keystone)

Die C-Series heisst jetzt Airbus A220. (Quelle: Keystone)

C-Series oder A220? Bombardier oder Airbus? Die Schweizer Presse war sich uneinig, wie sie die diese Woche wegen Triebwerksproblemen temporär gegroundete Swiss-Flotte nennen sollte. Das hat mit einem der bemerkenswertesten Deals der jüngeren Luftfahrtgeschichte zu tun. Der kanadische Hersteller Bombardier entwickelte den «Flüsterjet» zwölf Jahre lang für 5,4 Milliarden Franken.

Der Flieger vereint alles Moderne der Flugzeugtechnik: Er ist leiser und verbraucht 20 Prozent weniger Treibstoff als seine Vorgänger – eine grosse Einsparung im harten Airline-Geschäft. Doch die Kanadier verschenkten ihre Parade-Entwicklung gratis und franko an den europäischen Konzern Airbus. Was zunächst absurd wirkt, ist das Resultat der Intervention einer neidischen Konkurrentin und der protektionistischen Handelspolitik unter US-Präsident Donald Trump.

Delta erhält den Flieger für nur 20 Millionen Franken

Die Geschichte beginnt 2016 mit einem Traum-Deal für Delta-Airlines, der zweitgrössten Fluggesellschaft der Welt. Bombardier, damals noch nicht mit Airbus im Geschäft, verkaufte Delta 75 Maschinen. Laut der Konkurrenz für nur 19,6 Millionen Franken pro Stück. Das liege deutlich unter den Produktionskosten und ist nur ein Drittel des Listenpreises. Bombardier bestritt die Zahl, akzeptierte aber sicherlich einen tiefen Preis, weil die Firma unbedingt einen Fuss in den US-Markt bekommen musste. Dort erhoffte sie sich einen grossen Teil der Abnehmer. Da der Betrieb des neuen Fliegers günstiger ist und deshalb weniger Tickets verkauft werden müssen, ist das Flugzeug ideal für die USA mit vielen kleinen Flughäfen und teils schlecht ausgelasteten Routen.

Die Win-win-Situation hielt aber nicht lange. Denn Dumping-Preise sind in den USA verboten. Deshalb wehrte sich der US-Flugzeugriese Boeing, der dem neuen Flieger kaum etwas entgegenzusetzen hatte. Der Konzern verlangte, dass das Handelsministerium einen 80-Prozent-Strafzoll gegen das Flugzeug verhängt, weil Bombardier Subventionen des kanadischen Staates erhalten hat. Das US-Handelsministerium ging sogar noch weiter: Es verhängte einen 300-Prozent-Strafzoll gegen den Bombardier-Flieger. Zu der Zeit flog die Swiss das Flugzeug schon fünf Monate, doch ohne US-Markt wäre es schwierig geworden für die C-Series. Schon vorher hatte Bombardier mit Milliarden der kanadischen Regierung gerettet werden müssen.

Airbus hat den goldenen Schlüssel für den US-Markt

Der europäische Konzern Airbus war der lachende Dritte im Handelsstreit. Im Oktober 2017 übernahm er 50,01 Prozent des C-Series-Programms. Airbus hat laut damaligen Firmeninformationen für den Anteil nichts bezahlt. Der Hintergrund: Die Europäer haben einen goldenen Schlüssel für den US-Markt. Und zwar eine Fertigungsanlage im Bundesstaat Alabama. Wenn die C-Series in den USA zusammengebaut würde, fiele sie nicht unter den Strafzoll. Airbus und Bombardier bestritten zwar, dass es beim Deal um die Zölle ging und sprachen stattdessen von einer «strategischen Entscheidung». Allerdings hatte Airbus wenige Jahre zuvor ein Übernahmeangebot noch abgelehnt.

Für Airbus war es so oder so ein tolles Geschäft. Der Konzern kam ohne jegliche Entwicklungskosten an ein neues Flugzeugmodell. Noch dazu in einem Grössenbereich, in dem Boeing kaum etwas entgegenzusetzen hat. Die beiden Firmen liefern sich seit Jahrzehnten einen Zweikampf und kontrollieren den Weltmarkt fast vollständig.

Bei dem Deal ging es um viel Geld. Experten schätzten, dass Airbus langfristig bis zu zu 3000 Flugzeuge des Typs, den er mittlerweile in Airbus A220 umbenannt hat, verkaufen könnte. Das ergäbe nach gängigen Verkaufspreisen einen Erlös von mindestens 120 Milliarden Franken. Boeing konnte nichts anderes tun, als von einem «fragwürdigen Deal» zu sprechen. Bombardier gewann danach gegen die Behörden, die Zölle wurden aufgehoben. Airbus baut die Flugzeuge trotzdem in den USA zusammen.

Jetzt kratzen die Triebwerksprobleme am Image des «Flüsterjets», auch wenn die Motoren von einem Drittanbieter stammen. Die Bestellliste umfasst aber bereits jetzt 525 Flugzeuge. Die Swiss hat derweil alle ihre A220 überprüft und keine Störungen gefunden. Seit Donnerstag läuft der Betrieb wieder normal.

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