SVP muss auf Konkordanz umschalten

So souverän Eveline Widmer-Schlumpf während ihrer acht Jahre im Bundesrat wirkte, so fahrig wirkte die Bundesrätin zu Beginn der gestrigen Pressekonferenz. Das Scherzchen, erst über die Lenkungsabgaben und nicht über die Entscheidung zur eigenen Zukunft zu informieren, wirkte trotzig und aufgesetzt.

Philipp Landmark
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So souverän Eveline Widmer-Schlumpf während ihrer acht Jahre im Bundesrat wirkte, so fahrig wirkte die Bundesrätin zu Beginn der gestrigen Pressekonferenz. Das Scherzchen, erst über die Lenkungsabgaben und nicht über die Entscheidung zur eigenen Zukunft zu informieren, wirkte trotzig und aufgesetzt. Widmer-Schlumpf trat gekränkt auf – wie jemand, dem Unrecht angetan wurde. Und das stimmt ja auch ein Stück weit: Nicht mangelnde Amtsführung ist Grund für ihren Rücktritt, es sind die politischen Realitäten. Das Schweizervolk hat bei den Wahlen für neue politische Kräfteverhältnisse gesorgt, die es im Bundesrat abzubilden gilt. Mit ihrem Rücktritt ist die Bündner Bundesrätin einer möglichen Abwahl zuvorgekommen, sie hat aber auch – wohl contre cœur – den Weg für eine sachliche und würdige Evaluation eines zweiten SVP-Bundesrats freigemacht.

Die wählerstärkste Partei des Landes hat es nun in der Hand, idealerweise mit einem valablen Zweierticket zu belegen, dass sie sich konstruktiv für die Schweiz engagieren will. Dafür muss sie Politiker und, sofern sie fündig wird, Politikerinnen präsentieren, die einerseits in der SVP gut verwurzelt sind, die andererseits gewillt und fähig sind, ernsthaft in einer Kollegialbehörde mitzuarbeiten. Das sind Bedingungen, die für die anderen auch gelten.

philipp.landmark@tagblatt.ch