SVP könnte mit einem Coup ins Rennen steigen

Nach ihrem Wahltriumph und den Gewinnen der FDP stehen die Chancen der SVP auf einen zweiten Bundesratssitz so gut wie schon lange nicht mehr. Zwar werden die Wahlverlierer der Mitteparteien noch versuchen, mit Manövern Eveline Widmer-Schlumpfs Sitz zu retten.

Tobias Gafafer/Bern
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Heinz Brand Nationalrat (SVP/GR) (Bild: ky/Lukas Lehmann)

Heinz Brand Nationalrat (SVP/GR) (Bild: ky/Lukas Lehmann)

Nach ihrem Wahltriumph und den Gewinnen der FDP stehen die Chancen der SVP auf einen zweiten Bundesratssitz so gut wie schon lange nicht mehr. Zwar werden die Wahlverlierer der Mitteparteien noch versuchen, mit Manövern Eveline Widmer-Schlumpfs Sitz zu retten. Doch ob die BDP-Magistratin nochmals antritt, ist offen. Zudem haben mehrere CVP-Politiker angekündigt, dass sie einen zweiten SVP-Bundesrat wählen wollen – sofern diese einen valablen Kandidaten präsentiert.

Wenig ernsthafte Anwärter

Ernsthafte Anwärter sind bisher nur wenige in Sicht, ein Favorit noch keiner. Die Kantonalparteien können bei der SVP-internen Findungskommission bis am 17. November Nominationen einreichen. Anschliessend kommt der Vorstand der Bundeshausfraktion zusammen, letztere entscheidet am 20. November über die Nomination. Ihr Interesse signalisiert haben die Nationalräte Thomas de Courten (BL), Hansjörg Knecht (AG), Guy Parmelin (VD) und der Zuger Regierungsrat Heinz Tännler. Gegen die beiden ersten spricht, dass sie wie Parmelin bisher national nicht wahrgenommen worden sind. Und Tännler war von 2004 bis 2006 Chefjurist der Fifa, was wegen der vielen Korruptionsvorwürfe gegen den Weltfussballverband als schwere Hypothek gilt.

Als Kandidat wird auch Hannes Germann gehandelt. Bloss: Der Schaffhauser gilt in der Fraktion als eher schwach. 2014 sprach er sich als Ständeratspräsident etwa dafür aus, dass zuerst die kleine Kammer die Rentenreform behandelt. Das kam bei Bundesrat Alain Berset gut an, nicht aber innerhalb der SVP. Gewisse Chancen hat wohl der Bündner Nationalrat und Migrationsspezialist Heinz Brand. Dass er lange als Beamter tätig war, ist in der Fraktion für manche aber ein Nachteil. Zudem kursiert der Name des Zürcher Regierungsrats Ernst Stocker, der über die Parteigrenzen hinaus einen guten Ruf hat. Über seinen Sprecher lässt er ausrichten, dass er nicht zur Verfügung steht.

SVP-Huser schliesst Brunner nicht aus

Vor diesem Hintergrund rechnen Partei-Insider mit einem Überraschungscoup. Mit einem Kandidaten, der klar die SVP-Linie vertritt, aber fürs Parlament gerade noch wählbar wäre. Die NZZ brachte vor den Wahlen den SVP-Präsidenten Toni Brunner ins Spiel. Der St. Galler Nationalrat schloss eine Kandidatur im Interview mit unserer Zeitung zwar erst vorletzte Woche aus. Doch nach dem Wahltriumph der SVP gab sich Brunner auffallend zurückhaltend und magistral. Die St. Galler SVP hat laut Präsident Herbert Huser der Findungskommission zwar keine Vorschläge eingereicht. «Das heisst aber nicht, dass kein Fraktionsmitglied aus St. Gallen ins Rennen steigen könnte», sagt er auf Anfrage. Die kantonale SVP hätte nur einen Vorschlag eingereicht, falls ein potenzieller Kandidat nicht zur Bundeshausfraktion gehört. Brunner ist ein talentierter Politiker, der von allen St. Galler Nationalräten mit dem besten Resultat bestätigt wurde. Zudem hat SVP-Übervater Christoph Blocher den Toggenburger Landwirt parteiintern quasi geadelt, indem er ihn als «hervorragenden Bundesrat» bezeichnet.

Gute Chancen hätte als Überraschungskandidat auch alt Nationalrat Peter Spuhler (SVP/TG), dessen Namen vor Bundesratswahlen immer wieder ins Spiel kommt. Der Chef von Stadler Rail nimmt sich aber erneut aus dem Rennen. «Ich bin als Unternehmer nach wie vor sehr stark gefordert.»

Toni Brunner Nationalrat (SVP/SG) (Bild: ky/Peter Schneider)

Toni Brunner Nationalrat (SVP/SG) (Bild: ky/Peter Schneider)