Suche nach besserer Abstimmungsanalyse

BERN. Nur 17 Prozent der unter 30-Jährigen sollen laut der VOX-Analyse im vergangenen Februar über die Zuwanderungs-Initiative der SVP abgestimmt haben. Das sorgte in den vergangenen Tagen für viele Diskussionen. Die Zahl, die aufgrund einer Umfrage entstand, ist aber möglicherweise viel zu tief.

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Claude Longchamp Politikwissenschafter (Bild: ky)

Claude Longchamp Politikwissenschafter (Bild: ky)

BERN. Nur 17 Prozent der unter 30-Jährigen sollen laut der VOX-Analyse im vergangenen Februar über die Zuwanderungs-Initiative der SVP abgestimmt haben. Das sorgte in den vergangenen Tagen für viele Diskussionen. Die Zahl, die aufgrund einer Umfrage entstand, ist aber möglicherweise viel zu tief. Darauf wiesen mehrere Politologen hin. Marco Steenbergen und Kushtrim Veseli von der Universität Zürich sowie Pascal Sciarini von der Universität Genf vermuten, dass mehr Junge abgestimmt haben. Die Forscher begründen ihre Aussagen mit Auswertungen der tatsächlichen Stimmdaten in einigen wenigen Kantonen und Städten – diese weisen auf eine Beteiligung der Jungen von teilweise über 40 Prozent hin.

Longchamp unter Beschuss

Unter Beschuss geriet auch Claude Longchamp, dessen Forschungsinstitut gfs.bern die Befragung durchführte. «Es kann durchaus sein, dass der effektive Wert höher liegt als in der VOX-Analyse ausgewiesen, das will ich nicht bestreiten», sagte Longchamp in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

Longchamp gibt einen Einblick, wie er die Zahl berechnet hat: «Die politische Beteiligung lässt sich in Umfragen nie direkt erheben», sagte er. Die Umfragen ergäben zu hohe Beteiligungen, die dann gewichtet würden – «und dabei sind schliesslich die berühmten 17 Prozent entstanden».

Genauigkeit nur mit Statistik

Generell werde die Stimmbeteiligung der Jüngeren unterschätzt und jene der Älteren überschätzt, sagt Politologe Pascal Sciarini von der Universität Genf, der die fragliche VOX-Analyse zur Abstimmung vom 9. Februar mitverfasst hat. «Deshalb müssen die Ergebnisse künftig anders gewichtet werden.» Wie, das ist allerdings noch offen. Für vollkommen zuverlässige Resultate über die Stimmbeteiligung einzelner Gruppen müsste eine nationale Statistik geschaffen werden. Heute ist der Umgang mit den Stimmrechtsausweisen kantonal unterschiedlich geregelt. (sda)

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