Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SUBVENTIONSSKANDAL: Schwaller stützt Ruoff – vorerst

Der Verwaltungsrat der Post verzichtet darauf, Postchefin Susanne Ruoff zu entmachten. Unverständlich sei das, sagte eine Compliance-Expertin. Andere hinterfragen Urs Schwallers Rolle.
Roger Braun, Doris Kleck
«Vorverurteilungen bringen niemandem etwas»: Postpräsident Schwaller will nichts überstürzen. (Bild: Peter Schneider/KEY (Bern, 15. Februar 2018))

«Vorverurteilungen bringen niemandem etwas»: Postpräsident Schwaller will nichts überstürzen. (Bild: Peter Schneider/KEY (Bern, 15. Februar 2018))

Roger Braun, Doris Kleck

Der Verwaltungsrat spricht Postchefin Susanne Ruoff das Vertrauen aus. Als gestern Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller erstmals vor die Medien trat, stärkte er Ruoff im Subventionsskandal den Rücken. «Mutmassungen, Vorverurteilungen und Schuldzuweisungen bringen niemandem etwas», sagte der alt Ständerat der CVP am Posthauptsitz in Bern. Ruoff habe die Unterstützung und das Vertrauen des Verwaltungsrates, stellte er klar.

Die Postchefin bleibt also, von der Untersuchung der Postautoaffäre wird sie allerdings ferngehalten. Diese ist Sache des Verwaltungsratspräsidenten. Eine Taskforce rapportiere direkt an ihn, sagte Schwaller. «Ich bin die richtige Person, weil ich nicht betroffen bin. Ich garantiere Unabhängigkeit», sagte der Freiburger, der die Post seit Frühling 2016 präsidiert. Die ersten Ergebnisse verspricht er für Mai.

Vorläufig keinen Bonus für die Postchefin

«Lückenlose Aufklärung», «unabhängige Untersuchung», «transparente Kommunikation»: Das waren die Schlüsselbotschaften Schwallers. Und im Gegensatz zu Ruoff, die von Unrechtmässigkeiten «in einer Ecke der Postauto AG» sprach, redete der CVP-Mann von einem «Systemproblem ungeahnten Ausmasses». Er entschuldige sich nicht nur bei der Öffentlichkeit, sondern auch bei den Mitarbeitern. Der Verwaltungsrat hat an seiner Krisensitzung auch zusätzliche Massnahmen beschlossen. Die symbolträchtigste: Sowohl die Geschäftsleitung von Postauto wie auch die Konzernchefin werden vorerst keinen Bonus für das Jahr 2017 erhalten. Zudem werden die Governance und die Strategie der Sparte Postauto überprüft, und auf ein Gewinnziel für dieses Jahr wird verzichtet.

Monika Roth kritisiert den Entscheid des Verwaltungsrats. Die Professorin für Wirtschaftsrecht an der Fachhochschule Luzern sagt: «Wenn Urs Schwaller davor warnt, Postchefin Ruoff vorzuverurteilen, bringt er die unternehmerische Verantwortung mit der strafrechtlichen Frage durcheinander», sagt sie. «Es geht nicht darum, dass Frau Ruoff gegen das Strafrecht verstossen hat, sondern dass sie ihrer Führungsverantwortung nicht nachgekommen ist, indem sie nicht frühzeitig eingegriffen hat», sagt Roth. Die Compliance-Expertin erinnert an den Fall Adoboli aus dem Jahr 2011. Damals hatte ein UBS-Investmentbanker in London zwei Milliarden Franken verzockt. In der Folge trat UBS-Chef Oswald Grübel zurück, obwohl keine Anzeichen vorlagen, dass er davon wusste. Dies sei vorbildlich für eine Führungskraft, sagt Roth. «Denn wer Verantwortung trägt, muss gehen, wenn unter seiner Führung etwas schief gelaufen ist.»

FDP-Nationalrat Thierry Burkart will das Ende der Aufarbeitung abwarten, bevor er sich zu personellen Konsequenzen äussert. Ihn stört anderes. «Es ist schlecht, dass Urs Schwaller als Verwaltungsratspräsident die Untersuchung führt», sagt der Aargauer. «Soll die Aufarbeitung wirklich unabhängig und lückenlos sein, sollte sie ausschliesslich von externen Personen vorgenommen werden. Ein Verwaltungsratspräsident kann a priori nicht unabhängig sein.» Auch Roth hat Mühe damit, dass Schwaller die alleinige Verantwortung für die Untersuchung innehat. Eine solche «Machtkonzentration» sei gefährlich, sagt sie. «Besser wäre es, ein kleines Team an der Spitze zu haben, das sich gegenseitig kontrolliert und verschiedene Blickwinkel einbringt.»

Ruoff bleibt Präsidentin der Postauto AG

SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner hätte erwartet, dass der Verwaltungsrat Ruoff zumindest teilsuspendiert hätte. «Für die Untersuchung ist es erschwerend, dass sie operativ nach wie vor für die Postauto AG zuständig ist», sagt der Aargauer Transportunternehmer. Ähnliches sagt Burkart. «Als vertrauensbildende Massnahme sollte Susanne Ruoff ihr Amt als Verwaltungsratspräsidentin bei der Postauto AG zurzeit ruhen lassen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.