Studien stützen Lungenliga

Aus ärztlicher Sicht brauche es die Initiative der Lungenliga zum Schutz vor Passivrauchen, sagt Piero Bonetti, Kardiologe am Bündner Kantonsspital in Chur. Australische Verhältnisse gehen ihm aber doch zu weit.

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Rauchen in öffentlichen Räumen: In Luzern stieg die Zahl der Herzinfarkte, in Graubünden sank sie. (Bild: ky/Martin Rütschi)

Rauchen in öffentlichen Räumen: In Luzern stieg die Zahl der Herzinfarkte, in Graubünden sank sie. (Bild: ky/Martin Rütschi)

Herr Bonetti, die Gegner der Initiative zum Schutz vor Passivrauchen belächeln Ihre Studie gerne und meinen, in so kurzer Zeit könnten gar keine verlässlichen Vergleiche gezogen werden. Was erwidern Sie den Kritikern?

Piero Bonetti: Weltweit sind zum gleichen Thema etwa zwanzig Studien durchgeführt worden. Sie kommen – wie auch unsere Studie – allesamt zum selben Schluss: Die Zahl der Herzinfarkte geht bereits im ersten Jahr nach der Einführung eines Rauchverbots zurück. In unserer Untersuchung waren vor allem Patienten positiv betroffen, deren Herzkranzgefässe bereits vorgeschädigt waren. Die Tatsache, dass bei Patienten mit vorgeschädigten Gefässen bereits ein kurzer Verbleib im Passivrauch zu Veränderungen führen kann, welche bei der Auslösung eines Herzinfarkts eine Rolle spielen, könnte diesen kurzfristigen günstigen Effekt zumindest teilweise erklären.

Einer der bekanntesten Schweizer Kritiker, der Immunbiologe Beda Stadler, sagt, es gebe keine einzige seriöse Studie, die beweise, dass Passivrauchen tötet. Was sagen Sie dazu?

Bonetti: Er bemängelt, wie andere Kritiker auch, dass es keinen Beweis für einen kausalen Zusammenhang zwischen einem Rauchverbot und dem Rückgang von Herzinfarkten gibt. Um einen solchen kausalen Zusammenhang definitiv zu beweisen, müssten zwei absolut identische Populationen unter den genau gleichen äusseren Bedingungen untersucht werden, wobei eine Gruppe in einer Umgebung mit und die andere in einer Umgebung ohne Rauchverbot leben müsste. Eine solche Studienanordnung ist natürlich bei unserer Fragestellung nicht möglich, wir haben es ja nicht mit Labormäusen zu tun. Aber wir können in einer epidemiologischen Studie andere Faktoren ausschliessen und zwei ähnliche Populationen vergleichen.

Sie haben Graubünden mit einem anderen Kanton verglichen?

Bonetti: Ja, wir nahmen zum Vergleich Luzern, das vergleichbare Lebensbedingungen und ebenfalls ein zentrales Herzinfarkt-Register hat, damals aber noch kein Rauchverbot kannte. In Luzern stieg die Zahl der Herzinfarkte, während sie im gleichen Zeitraum in Graubünden abnahm. Noch wichtiger scheint mir aber die Übereinstimmung der Studienresultate in den unterschiedlichsten Ländern weltweit.

Heute schränkt die Mehrheit der Kantone das Rauchen im öffentlichen Raum weitgehend ein. Müssen auch noch die kleinen Raucherbeizen und die bedienten Fumoirs verboten werden?

Bonetti: Aus Sicht des Arztes: Ganz klar Ja. Passivrauchen schadet der Gesundheit, es geht also darum, besonders exponierte Personen zu schützen. Heute gilt das vor allem für das Servicepersonal.

Im Fumoir bedient ja nur Personal, das damit einverstanden ist.

Bonetti: Wenn jemand selber raucht, mag das noch gehen. Ich würde ja auch niemandem das Rauchen verbieten wollen. Doch ich frage mich, ob dies wirklich ein Ausdruck des freien Willens ist. Haben diese Personen eine Alternative? Oder nehmen sie, weil sie dringend einen Job brauchen, mehr Risiken in Kauf als andere?

Australien verbietet neuerdings der Tabakindustrie, ihre Marke gross auf das Zigarettenpäckchen zu drucken. Erlaubt sind nur noch einfarbige Schachteln mit Horrorfotos darauf. Finden Sie das gut?

Bonetti: Das finde ich übertrieben. Heute weiss doch jeder Raucher, was er sich antut. Solche Verbote haben kaum einen Einfluss auf den Konsum.

Wenn das nichts bringt, was braucht es dann?

Bonetti: Seit der Einführung des Rauchverbots in öffentlichen Räumen wird insgesamt weniger geraucht, weil viele Leute keine Lust haben, zum Rauchen nach draussen zu gehen. Das ist ein Nebeneffekt des Verbots. Daneben braucht es weiterhin Aufklärung durch das Bundesamt für Gesundheit. Insgesamt geht die Zahl der Raucher stetig leicht zurück.

Spielt der Preis keine Rolle?

Bonetti: Bei Personen, die bereits rauchen, dürfte der Einfluss gering sein, wie ich aus meiner Sprechstunde weiss. Aber der Preis kann vielleicht jemanden davon abhalten, mit dem Rauchen anzufangen.

Interview: Denise Lachat

Piero Bonetti Kardiologe Kantonsspital Chur (Bild: Quelle)

Piero Bonetti Kardiologe Kantonsspital Chur (Bild: Quelle)

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