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STUDIE: Geld verleitet Prostituierte zu risikoreichem Verhalten

Wenn der Preis stimmt, lassen sich Prostituierte auf Sex ohne Präservativ ein – und riskieren so ihre Gesundheit. Dies zeigt eine neue Studie. Jetzt will das Bundesamt für Gesundheit seine Präventionsbemühungen verstärken.
Eine Prostituierte in Lausanne wartet auf Kunden. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Eine Prostituierte in Lausanne wartet auf Kunden. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Wie gut schützen sich Prostituierte in der Schweiz vor dem HI-Virus und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten? Eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie, die das Institut für Präventionsmedizin der Universität Lausanne im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) erstellt hat, liefert erstmals Antworten auf diese Frage.

Das Positive vorweg: 90 Prozent der Sexarbeiterinnen wissen, dass Kondome das HIV-Risiko senken. 80 Prozent sind sich bewusst, dass auch ein gesunder Kunde Träger des Virus sein kann. «Die Studie hat gezeigt, dass unsere Präventionsbemühungen bei dieser verletzlichen Population angekommen sind», sagt BAG-Sprecher Daniel Dauwalder. Die Umfrage, an der 579 Personen (wovon 92 Prozent Frauen) mitgemacht haben, fördert aber auch beängstigende Ergebnisse ans Tageslicht.

Fast 30 Prozent der Prostituierten bedienten im Verlauf des letzten Monats mindestens einmal einen Kunden, der sie mit einer sexuell übertragbaren Krankheit hätte infizieren können. Der meistgenannte Grund für das risikoreiche Verhalten lautet: «Der Kunde zahlte mehr.» Die Angst, den Freier an die Konkurrenz zu verlieren, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Im Durchschnitt haben die befragten Sexarbeiterinnen maximal zwei Klienten pro Tag. Das sind weniger, als die Studienautoren erwartet hatten. Sie kommen deshalb zum Schluss, dass der Konkurrenzkampf, gepaart mit wirtschaftlicher und sozialer Not, Prostituierte dazu verleitet, risikoreiche Sexualpraktiken zu akzeptieren.

Viele Kunden ziehen das Kondom absichtlich ab

Mit dem Kondom, das nach wie vor am besten vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt, können sich viele Freier nicht anfreunden. Im Verlauf des letzten Jahres bedienten 30 Prozent der Sexarbeiterinnen mindestens einen Kunden, der den Gummi absichtlich wieder abstreifte. Ähnlich oft verrutschte oder riss er. Weniger als die Hälfte der Sexarbeitenden bekundete gar keine Probleme wegen des Präservativs. Zum Vergleich: In den Betten der «Normalbevölkerung» kommt es fast nie zu derartigen Zwischenfällen.

Das BAG reagiert auf den problematischen Umgang mit Präservativen – und will seine Präventionsbotschaft beim Kondomgebrauch verbessern. «Sie muss immer wieder platziert werden, sowohl bei den Sexarbeitenden als auch bei den Freiern», sagt Sprecher Dauwalder.

Mit Partnerorganisationen wie der Aids-Hilfe Schweiz sorgt das BAG dafür, dass Präventionsfachleute die Prostituierten direkt an deren Arbeitsplatz, sei es in einem Etablissement oder auf dem Strassenstrich, aufsuchen. Es ist denkbar, dass Informationsmaterial künftig in noch mehr Sprachen verteilt wird.

Die Umfrage, die in sieben Sprachen (Französisch, Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Rumänisch und Ungarisch) zur Verfügung stand, offenbarte, dass nur 8 Prozent der Prostituierten den Schweizer Pass haben. Die meisten, 41,7 Prozent, stammen aus Osteuropa. Die Präventionsarbeit gestaltet sich nicht nur der Sprache wegen schwierig. Viele Prostituierte kommen mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung für 90 Tage in die Schweiz. Die Fluktuation im horizontalen Gewerbe, in dem hierzulande rund 13000 bis 20000 Personen tätig sind, ist gross. Die Prävention beginnt also immer wieder von Neuem.

Mehr als die Hälfte der Frauen landen auf dem Strich, weil sie ihre Familie finanziell unterstützen möchten. Das Abzahlen von Schulden ist für ein Viertel ein wichtiges Motiv für ihre Arbeit. Knapp 10 Prozent geben an, mit der Prostitution ihre Ausbildung zu finanzieren.

Kari Kälin

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