Stromversorgung
Energiekrise? Umweltministerin Sommaruga macht den Habeck

Landauf, landab unken Schwarzseher, die Schweiz verpenne rechtzeitiges Handeln in der Energiekrise. Wirklich?

Benjamin Rosch
Benjamin Rosch 3 Kommentare
Drucken
Glänzt in der Krise: Umweltministerin Simonetta Sommaruga.

Glänzt in der Krise: Umweltministerin Simonetta Sommaruga.

Peter Schneider / Keystone

Habeck hier, Habeck da. Nicht wenige in diesem Land wünschen sich in Zeiten der Energiekrise den deutschen Vizekanzler auf der Schweizer Kommandobrücke, einen Kapitän mit markigen Worten, der Grüne, der Braunkohle zurückbringt. Diese Sehnsucht nach einem starken Mann anstelle von «maternalistischen Ratschlägen» (NZZ) entbehrt einer realistischen Grundlage: Simonetta Sommaruga hat die Lage als Energieministerin im Griff.

Bereits im Dezember rief sie eine Taskforce ins Leben, als der Energiekonzern Alpiq aufgrund volatiler Energiepreise arg ins Schlingern geriet. Im Lichte des Ukraine-Kriegs wandelte sich diese später. Sommaruga reiste nach Holland, um Zugänge zu Flüssiggas zu legen, sie hob das Kartellrecht für Schweizer Gasbeschaffer auf und zimmerte eine Wasserkraftreserve für den Winter. Selbst bürgerliche Insider verraten es: Die SP-Magistratin hat den Ernst der Lage früher erkannt als SVP-Mann Guy Parmelin und sein unzureichend aufgestelltes Amt für wirtschaftliche Landesversorgung, das bis heute nicht erklären kann, wie im Ernstfall Strom kontingentiert würde.

Jetzt forciert der Bundesrat ein Gas- und Öl-Kraftwerk ab 2023 als Schweizer Lebensversicherung – und auch da hat Sommaruga die Zügel in der Hand. Es ist eine Rückbesinnung auf fossile Brennträger im äussersten Notfall, klar. Nichts anderes also, was Habeck tut.

3 Kommentare
Alex Schneider

Die Hauptverantwortung für die gescheiterte Energiewende tragen die Bürgerlichen: In Deutschland war es CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel, die 2011 im Zuge der Fukushima-Hysterie den Atomausstieg durchboxte; in der Schweiz war es CVP-Energieministerin Doris Leuthard. In Deutschland wie in der Schweiz standen damals Wahlen an. Der kopflose Atomausstieg war rein taktisch begründet. Man wollte einer befürchteten grünen Welle zuvorkommen. Und die anderen bürgerlichen Parteien spielten willig mit. Verantwortungsloser Populismus der Antipopulisten.

Markus Geiger

Anders als bei Klima und den Finanzen lässt sich eben bei der Energie nicht tricksen. Und auch wenn man noch so sehr den grünen Traum von tollen "Erneuerbaren" (Solar & Wind) träumt, so muss man feststellen, dass dadurch die Kosten massiv steigen und die Versorgungssicherheit extrem stark gefährdet wird. Habeck ist der falsche Mann in Deutschland, und Sommaruga die falsche Person in der Schweiz. "Energiekrise? Umweltministerin Sommaruga macht den Habeck", und zwar "genauso falsch"! Insofern hat der Autor recht.