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Strippenzieher mit Skilehrer-Charme

BERN. Ständerat Martin Schmid (FDP/GR) zog bei der Lockerung der Umsetzung der Weber-Initiative die Fäden. Auch beruflich hat er mit Zweitwohnungen zu tun. Wer ist der Mann aus Splügen, der nicht nur in Graubünden als Polittalent gilt?
Tobias Gafafer
Die Kanzlei, für die Martin Schmid arbeitet, vertrat vor Bundesgericht einen Präzedenzfall zur Zweitwohnungs-Initiative. (Bild: ky/Alessandro della Valle)

Die Kanzlei, für die Martin Schmid arbeitet, vertrat vor Bundesgericht einen Präzedenzfall zur Zweitwohnungs-Initiative. (Bild: ky/Alessandro della Valle)

Es war in der Herbstsession der Entscheid, der am meisten Wellen warf. Vor kurzem kam der Ständerat den Bergregionen bei der Umsetzung der vom Volk 2012 angenommenen Zweitwohnungs-Initiative weit entgegen. Mit Ausnahmen verwässerte er die bundesrätlichen Vorschläge zusätzlich. Gewiss, dabei spielten diverse Ständeräte, die Konferenz der Bergkantone oder die Baulobby eine Rolle. Doch für Gegner und Befürworter der Lockerung ist klar: Beim politischen Coup der Bergregionen zog Ständerat Martin Schmid (FDP/GR) die Fäden.

Schmid sitzt in der Umwelt- und Raumplanungskommission (Urek), die wichtige Vorentscheide fällte. Und Schmid kennt sich bei der für Graubünden zentralen Frage hervorragend aus. Er arbeitet als Anwalt in einer Kanzlei in Chur. «Wir haben viele Klienten, die Wohnungen kaufen, verkaufen oder bauen wollen, auch Einheimische.» Zudem vertrat seine Kanzlei nach der Annahme der Initiative, die den Zweitwohnungsanteil in allen Gemeinden auf 20 Prozent beschränken will, vor Bundesgericht einen Präzedenzfall. Nebenbei bemerkt, dürfte dies auch einen Vorstoss Schmids vom Juni 2013 erklären: Darin forderte er, dass öffentliche Urteilsberatungen der Lausanner Richter live übertragen werden.

Vor allem aber kennt Schmid, der aus Splügen stammt, als langjähriger Regierungsrat seinen Kanton wie kein Zweiter. «Davos oder St. Moritz sind nicht ganz Graubünden.» Die Initiative habe das Bauen auf der grünen Wiese im Visier gehabt. Gerade in abgelegeneren Regionen schaffe dies Probleme. Dort sei der hohe Anteil an Zweitwohnungen oft nicht durch Neubauten, sondern durch die Abwanderung entstanden. «Das Volk wusste nicht, was die Annahme bedeutet.» Deshalb setze er sich für eine Umsetzung ein, die den Spielraum der Verfassung nutze.

Nähe zu Immobilienhai

Schmid kennt die Regeln des politischen Spiels bestens. Bereits im Bündner Regierungsrat galt er als der starke Mann. «Er ist ein sehr fähiger Politiker, der es schafft, seinen Willen durchzusetzen», sagt Jon Pult, Präsident der Bündner SP. Er kritisiert, dass Schmid mit seinen Mandaten eine Affinität zum Geld habe. Auf Kritik stiess etwa Schmids Nähe zum umstrittenen Immobilien-Unternehmer Remo Stoffel. Der Politiker wies stets Vorwürfe zurück, er habe beim Verkauf der Therme Vals an Stoffel als Strippenzieher gedient. Heute sagt er bloss: «Ich kenne Stoffel wie viele Leute in Graubünden gut.»

Diplomatischer als der linke Pult formuliert es Ständerätin Verena Diener (GLP/ZH), eine Gegnerin der Verwässerung der Initiative: «Schmid ist dezidiert unternehmerfreundlich.» In der Tat greift es zu kurz, den Bündner als Randregionen-Lobbyisten abzustempeln. Vielmehr ist er ein Vertreter des Wirtschaftsfreisinns. Als Präsident des Gasverbands sitzt er im Vorstand des Wirtschaftsverbandes Economiesuisse. Seine wenigen Vorstösse drehen sich um Graubünden oder um FDP-Themen wie ein einfacheres Steuersystem.

Im Stöckli hat er sich seit der Wahl 2011 trotz des eher jungen Alters von 45 Jahren schnell Respekt verschafft. «Schmid ist ein Ständerat und Kantonsvertreter, wie man es sich vorstellt», sagt etwa Ivo Bischofberger (CVP/AI). Beim Bilden von Allianzen hilft ihm seine umgängliche Art. «Er ist eine gute Mischung aus Staatsmann und Bündner Skilehrer», sagt ein Lobbyist, der ihn aus dem Bundeshaus kennt. Selbst bei kritischen, persönlichen Fragen unserer Zeitung bleibt er locker. Zitate will er im Gegensatz zu vielen Kollegen keine sehen. Ohne drohenden Unterton, aber bestimmt, sagt er: «Wir haben sicher wieder einmal miteinander zu tun.»

Churer Fest statt Cüpli-Anlass

Schmid gilt nicht nur in seiner Heimat als Polittalent. Bei FDP-Vakanzen kam sein Name immer wieder ins Spiel. Doch Aspirationen auf das Fraktionspräsidium hat er nicht: «Ich suche keine weiteren Betätigungsfelder.» Er wolle seine Aufgabe gut machen und möge die Praxisbezüge, die sich durch seine Tätigkeiten ergäben. Zudem ist Schmid stark in Graubünden verwurzelt. Er mischt sich lieber am Churer Fest unters Volk, als dass er in Bern Cüpli-Anlässe besucht. In Chur leben auch seine Frau und die zwei Kinder.

Dafür wird der Bündner wieder in Bern sein, wenn sich der Nationalrat mit der Umsetzung der Zweitwohnungs-Initiative befasst. Ob dort die Variante des Ständerats durchkommt, ist offen. Schmid weiss, dass es einen langen Atem braucht: Als er 2013 mit zwei Bündner Kollegen selber ein Umsetzungskonzept präsentierte, wurden sie belächelt. Jetzt nahm der Ständerat die Vorschläge teilweise auf.

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