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STREITSCHRIFT: Gegen die islamistische Gefahr bei uns

Die Angst vor Terror greift um sich – auch in der Schweiz. Doch lange bevor es zu dschihadistischer Gewalt kommt, bereiten islamistische Prediger und ihre Netzwerke das Terrain dafür vor. Saïda Keller-Messahli fordert eine kritische Islamdebatte.
Walter Brehm
Saïda Keller-Messahli (60) ist auch als Muslima gegen eine uneingeschränkte Toleranz gegenüber dem Islam.

Saïda Keller-Messahli (60) ist auch als Muslima gegen eine uneingeschränkte Toleranz gegenüber dem Islam.

Walter Brehm

Freunde raten der Autorin, sich Polizeischutz zu sichern. Saïda Keller-Messahli aber will ihr Leben nicht ändern, nur weil sie sich erlaubt, eine Muslima mit freiem Denken zu sein. Am Montag erscheint ihr Buch «Islamistische Drehscheibe Schweiz». Die in Tunesien geborene Publizistin leitet ihr Werk mit einem Zitat des muslimischen Philosophen Abu Yusuf al-Kindi aus dem neunten Jahrhundert ein. «Wir dürfen uns nicht schämen, die Wahrheit anzuerkennen und zu übernehmen, woher sie auch kommen mag, und sei es von fernen Geschlechtern und anderen Völkern.» Es ist gleichsam ­Programm und Basis der von Keller-Messahli vorgetragenen Islamkritik.

Sie ist Trägerin des Menschenrechtspreises der internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, Schweizer Bürgerin, die in Zürich Romanistik, englische Literatur und Filmwissenschaft studiert hat. Und sie ist Gründerin des «Forums für einen fortschrittlichen Islam».

Uneingeschränkte Toleranz führt zum Ende der Toleranz

Dabei ist sich die Autorin in ihrem Bestreben mit dem liberalen Philosophen Karl Popper einig: «Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die Toleranz auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir also nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Intoleranz zu verteidigen, dann werden letztlich die Toleranten und mit ihnen die Toleranz vernichtet werden.»

Mit dieser Grundhaltung richtet sich die Autorin gegen die unkritische Haltung vieler Islamfreunde und gegen die Naivität staatlicher Instanzen gegenüber islamistischen Machenschaften – auch in der Schweiz. Das Kind mit dem Bade auszuschütten, ist Keller-Messahlis Sache aber nicht. Die Autorin liefert Grundwissen über den Islam, sein heiliges Buch, seine Geschichte, seine Ausformungen und Deformierungen.

Jenen, die Kritik am Islam mit der keinen Widerspruch duldenden Haltung vortragen, es handle sich nicht um eine Religion, sondern insgesamt um eine gewaltbereite politische Ideologie, und deshalb sei der Koran zu verbieten, rät Messahli-Keller zur genauen Lektüre, insbesondere zur Unterscheidung des spirituellen Kerns des Islams und seinem rigiden gesetzgeberischen Anspruch. Um die Differenzierung der Koransuren, die der Prophet Mohammed in seiner Frühzeit, vor der Vertreibung aus Mekka verkündet hat und jenen, die er als Feldherr und Staatsgründer in seinem Exil in Medina offenbarte.

Diese Kritik an den Islam-Kritikern ist aber zugleich die grundlegende Kritik an den Islamisten aller Couleur, die sich weigern, den Koran in seinem historischen Kontext zu lesen, ihn in Gänze als unabänderliches Wort Gottes als Wegweiser auch in die Zukunft verstehen.

Nulltoleranz gegen Extremisten und Bereitschaft zur Reformation

Grundlagenkenntnisse stellt die Autorin immer wieder in den Fokus ihres Textes. Etwa dann, wenn sie der Warnung vor der gefährlichen Salafisten-Szene in der Schweiz, Deutschland und Österreich die Basis dieser Kritik voranstellt: die immer noch zu wenig thematisierte Basis des Islamismus in der saudiarabischen Staatsreligion des Wahhabismus und dessen missionarische Verbreitung auch in Europa über die Finanzierung von Moscheen, Koranschulen und den Export von in Medina oder Riad ausgebildeten extremistischen Predigern.

Den Grund hierfür benennt Keller-Messahli klar: das durch ökonomische und geopolitische Interessen geprägte Verhältnis westlicher Demokratien zum saudischen Königreich und seinem Ölreichtum. Diese Kritik unterfüttert die Autorin mit einer ausführlichen Faktensammlung über die in der Schweiz und Deutschland arbeitenden Gruppen und Moscheen mit finanziellen und personellen Verbindungen zu saudischen Quellen. Ein ausführliches Panorama der Gruppen, Moscheen und islamischen Verbänden zeigt diese Verbindungen auf. Hier ist Keller-Messahli in der Denunzierung gefährlicher Netzwerke unerbittlich. Hier kritisiert sie auch Schweizer Behörden als oft naiv. Vor allem deren Abstützung von Verwaltung und Politik auf die Islamverbände, die nur eine konservative bis islamistische Minderheit der Muslime vertreten.

Staatliche Ausbildung für Imame gefordert

Ausführlich demontiert sie den sogenannten Islamischen Zentralrat der Schweiz als kleinen, aber gefährlichen Verbreiter extremistischer Ideologie mit besten Verbindungen zu wahhabitischen Netzwerken. Doch sie macht sich nicht nur für eine konsequente Null-Toleranz-Politik gegen islamistische Gefährder stark. Ein ebenso umfassendes Kapitel widmet sie möglichen Lösungsansätzen.

So wie sie in ihrer harten Kritik an Islamisten viel Lob auch von Feinden des Islams erhalten wird, dürften ihre Lösungsvorschläge bei diesen ebenso viel Unmut auslösen. Etwa, wenn Keller-Messahli die staatlich anerkannte Ausbildung von islamischen Predigern in der Schweiz fordert oder die vermehrte Anerkennung und Beachtung von Reform-Muslimen, was sie mit einer eindrücklichen Liste solcher Persönlichkeiten untermauert. Saïda Keller-Messahlis Buch ist ein notwendiges Handbuch für eine dringend nötige Islamdebatte. Kritik an einzelnen ihrer Positionen dürfen der Debatte nicht im Wege stehen.

Saïda Keller-Messahli: Islamistische Drehscheibe Schweiz. NZZ Libro, 160 S., Fr. 39.–.

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