Streit um Zuger SBB-Ausbau

Die geplante Doppelspur bei Walchwil erhitzt im Kanton Zug die Gemüter. Gegner befürchten, dass dies nur das Vorspiel für eine durchgehende Doppelspur zwischen Zug und Goldau ist. Morgen entscheidet der Kantonsrat über das Projekt.

Carlo Schuler
Drucken
Teilen
Umkämpfte Bahnlinie: Die St. Adriansbrücke bei Walchwil im Kanton Zug. (Bild: ky/Markus Widmer)

Umkämpfte Bahnlinie: Die St. Adriansbrücke bei Walchwil im Kanton Zug. (Bild: ky/Markus Widmer)

ZUG. 1,7 Kilometer lang ist der SBB-Abschnitt bei Walchwil, der im Kanton Zug derzeit am meisten zu reden gibt. Mit dem geplanten Ausbau dieser landschaftlich reizvollen Strecke soll im Fernverkehr Zürich–Lugano der Halbstundentakt realisiert werden. Um diesen Ausbau und weitere Umbauten realisieren zu können, wollen die SBB die Strecke zwischen Zug und Arth-Goldau ab Ende 2016 komplett sperren und die Züge über Rotkreuz umleiten lassen. Ausgerechnet für die Zeit unmittelbar nach der Eröffnung des Gotthardbasistunnels würde sich damit die Fahrzeit von Zürich in den Tessin um 15 bis 20 Minuten verlängern. Der Zeitgewinn von 40 Minuten, den der Neat-Tunnel zur Folge hat, würde damit fast um die Hälfte vermindert. Das ist nicht nur für Touristen ein Nachteil, sondern auch für viele Pendler in der Region. In den vergangenen Monaten führte der Ausbau in den Parlamenten von Zug, Zürich und Schwyz denn auch zu verschiedenen Interventionen. Letzte Woche teilten die SBB überraschend mit, dass diese Streckensperrung statt zwei Jahre nur noch eineinhalb Jahre dauern soll.

Kosten von 90 Millionen

Zur umstrittenen Doppelspur Walchwil soll morgen ein wichtiger Vorentscheid fallen. Der Zuger Kantonsrat stimmt über eine Änderung des Richtplans ab, der Voraussetzung für dieses Projekt ist. Gemäss neuesten Angaben der SBB werden sich die Kosten des Vorhabens auf rund 90 Millionen Franken belaufen.

Die Doppelspur wird von einem Komitee aus Walchwil und einer Gruppe von Parlamentariern um den Kantonsrat Martin Stuber (Alternative) bekämpft. Letztere macht für ihr Alternativprojekt, welches etwas weiter nördlich im Gebiet Murpfli zu liegen käme, verschiedene Vorteile geltend. Die Murpfli-Promotoren hofften vergeblich, in einer vom Kanton und den SBB erstellten Studie zur Zuger Stadtbahn zusätzliche Argumente für ihr Vorhaben zu finden. Die Zuger Volkswirtschaftsdirektion gewährt keine Einsichtnahme in dieses Dokument. Auf Anfrage lehnen auch die SBB ein entsprechendes Gesuch ab.

Finanzierung wohl durch Bund

Im Bericht des Zuger Regierungsrates wird mit Verweis auf das Bundesamt für Verkehr (BAV) festgehalten, dass die Kosten des Alternativprojektes Murpfli allein durch den Kanton Zug zu bezahlen wären. Die Doppelspur Walchwil hingegen würde vollumfänglich vom Bund bezahlt, weil es sich dabei um die Erfüllung einer Bundesaufgabe handle. Tatsache ist aber, dass die Variante Murpfli grundsätzlich dem gleichen Zweck wie das offizielle SBB-Projekt bei Walchwil dienen würde. Neueste Erklärungen des BAV lassen denn auch darauf schliessen, dass das Murpfli-Projekt oder ein anderes Alternativprojekt mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls durch den Bund bezahlt würde. Andreas Windlinger vom BAV erklärt auf Anfrage: «Sollte eines Tages doch eine andere Variante als die Doppelspur Walchwil verwirklicht werden, dann würde diese auch vom Bund bezahlt, wenn sie alle erforderlichen Kriterien erfüllt.»

Durchgehende Doppelspur?

Das Walchwiler Komitee befürchtet, dass längerfristig zwischen Zug und Goldau eine durchgehende Doppelspur gebaut werden könnte. Von Behördenseite wird ein solches Ansinnen vehement bestritten. Unter anderem wird erklärt, dass ein solcher Ausbau viel zu teuer zu stehen käme.

«Schrittweiser Ausbau»

Wenig zur Beruhigung trägt allerdings bei, dass in einem Positionspapier des Gotthardkomitees aus dem Jahr 2011 der «schrittweise doppelspurige Ausbau» im Raum Zugersee-Ost gefordert wird. Dem Gotthardkomitee gehört, nebst zwölf weiteren Kantonen, auch der Kanton Zug an. Zudem wird auch in einer von den SBB herausgegebenen Variantenstudie ebenfalls von 2011 eine offene Doppelspurlösung zumindest nicht explizit ausgeschlossen.