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Streit um Rumantsch Grischun wirkt belebend

Der Bündner Romanist Rico Franc Valär zur aktuellen Situation des Rätoromanischen und zur Akzeptanz von Rumantsch Grischun.
Richard Clavadetscher
Rico Franc Valär Romanist, Buchautor (Bild: zVg)

Rico Franc Valär Romanist, Buchautor (Bild: zVg)

Herr Valär, in Ihrem Buch beschreiben Sie den Aufstieg des Rätoromanischen zur Nationalsprache. Wo steht unsere vierte Landessprache denn heute?

Rico Valär: Wenn man den rechtlichen und institutionellen Rahmen anschaut, ist das Rätoromanische heute natürlich viel weiter als 1938. Dies auch aufgrund der Volksabstimmung in jenem Jahr. Was nun die Romanischsprechenden betrifft, ist die Situation nicht so rosig: Viele Rätoromanen wandern ab ins Unterland – und Anderssprachige wandern ins rätoromanische Sprachgebiet ein.

Eben, jede Erhebung der letzten Jahre weist aus, dass die Zahl der Rätoromanischsprechenden zurückgeht. Woran liegt das?

Valär: Diese Zahlen lassen sich nicht so einfach vergleichen, dies vorweg. Denn bei der Erhebung hat die Frage immer wieder geändert. In den Achtzigerjahren fragte man nach der Muttersprache, später nach der Hauptsprache; heute fragt man immer noch nach der Hauptsprache, aber man darf auch mehrere angeben. Weil heute die Volkszählung nicht mehr wie früher durchgeführt wird und nur noch Stichproben gemacht werden, kann man zum Rätoromanischen kaum mehr verlässliche Aussagen machen, denn dessen statistische Relevanz ist verschwindend klein. Trotzdem stimmt es natürlich: Der Trend ist eher rückläufig.

Was uns Unterländer vor diesem Hintergrund überrascht: Die Rätoromanen lehnen das Rumantsch Grischun ab und gehen an den Schulen wieder auf das regionale Idiom zurück. Was ist der Grund dafür?

Valär: Rumantsch Grischun als Verwaltungssprache oder dort, wo es das Deutsche ersetzt, ist heute nicht mehr umstritten und wird auch nicht mehr abgelehnt. Als Schulsprache hingegen schon. Der Grund dafür liegt wohl darin, dass man Rumantsch Grischun zu schnell und zu gründlich einführen wollte.

Rätoromanen sagen uns, Rumantsch Grischun töne «blöd». Nun finden wir Deutschschweizer das ja auch von unserer Schriftsprache. Aber es käme uns nie in den Sinn, sie deswegen abzulehnen…

Valär: Das ist ganz einfach: Es ist immer ein grosser Effort, eine Standardsprache zu lernen. Die Frage ist dabei immer, was dieser Effort einem konkret bringt. Wenn Sie nun Hochdeutsch lernen, bekommen Sie Zugang zu einer grossen Sprachgemeinschaft, und es erschliessen sich Ihnen damit ganze Bibliotheken. Wenn Sie hingegen in Rumantsch Grischun alphabetisiert sind, haben Sie all das nicht: Es gibt keinen literarischen, keinen traditionellen Korpus – und nicht zuletzt auch keine grosse Medienpräsenz. Also lohnt sich dieser Effort für Sie eigentlich nicht. Das lokale Idiom bedeutet Intimität – das Deutsche öffnet das Tor zur Welt.

Über alles gesehen: Ist diese Entwicklung nicht eine selbstverschuldete, zusätzliche Gefährdung des Rätoromanischen?

Valär: Vergessen wir nicht: Die Diskussion um Rumantsch Grischun hat bewirkt, dass die Leute heutzutage für das Rätoromanische auf die Barrikaden gehen – auch politisch. Und das ist meiner Meinung nach weit mehr ein Zeichen von Vitalität und Selbstbewusstsein als von Totengräberstimmung.

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