Streit um Ärzteausbildung

Die Finanzierung der Ärzteausbildung in Unispitälern ist nicht gesichert – obwohl 2012 die neue Spitalfinanzierung in Kraft tritt. Nur die Ostschweizer Kantone zeigen sich solidarisch.

Tobias Gafafer
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Teure Weiterbildung in Unispitälern: Die Ostschweizer Kantone unterstützen den Kanton Zürich finanziell. (Bild: ky/Lukas Lehmann)

Teure Weiterbildung in Unispitälern: Die Ostschweizer Kantone unterstützen den Kanton Zürich finanziell. (Bild: ky/Lukas Lehmann)

BERN. Die neue Spitalfinanzierung soll ab 2012 alles einfacher und transparenter machen. Die Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung in den Spitälern ist allerdings immer noch ungelöst. Das sagt der Basler Regierungsrat Carlo Conti, Vizepräsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK), auf Anfrage unserer Zeitung. Die öffentlichen Spitäler erhalten ab Januar für jeden Eingriff eine Pauschale statt wie bisher eine Defizitdeckung durch die Kantone. Der Bund hat aber nicht geregelt, wer für die teure Weiterbildung der Ärzte aufkommen soll. Diese erfolgt primär an den Universitätsspitälern. Die Standortkantone wie Basel, Bern, Genf und Zürich wehren sich dagegen, für jene Ärzte zu bezahlen, die in die Zentralschweiz oder anderswohin abwandern. Trotz intensiver Bemühungen des Bundes konnten sich die Kantone bisher nicht auf ein Finanzierungsmodell verständigen. Damit müssen die Kantone der Unispitäler im nächsten Jahr wohl oder übel sämtliche Kosten der ärztlichen Weiterbildung übernehmen. «Für die Standortkantone ist das ein Problem», sagt Conti. Kritiker befürchten gar, dass manche Spitäler ihr Engagement reduzieren könnten.

Ostschweiz hilft Zürich

Einen Lichtblick gibt es immerhin in der Ostschweiz: Vor einem Monat haben die Kantone St. Gallen, Thurgau, Schaffhausen, die beiden Appenzell sowie Glarus und Graubünden beschlossen, den Kanton Zürich 2012 mit 6,4 Millionen Franken zu unterstützen. Der Grundgedanke: Die Kantone beteiligen sich finanziell an der Weiterbildung der Ärzte, von der sie profitieren. Das Geld ist für die Lehre und Forschung in Universitäts- und Zentrumsspitälern reserviert. Allein der Thurgau beteiligt sich mit 1,5 Millionen. «In der Ostschweiz haben wir einen Vorsprung», sagt der Thurgauer Gesundheitsdirektor Bernhard Koch (CVP). Es könne nicht sein, dass Zürich die Weiterbildung der Ärzte bezahle und die Ostschweiz nur profitiere. Zur Berechnung der Zahlungen stützten sich die zuständigen Gesundheitsdirektoren neben der Einwohnerzahl auf die Schwere der Spitalbehandlungen aus Ostschweizer Kantonen.

Für die Ostschweizer Gesundheitsdirektoren ist jedoch klar, dass es sich dabei nur um eine Übergangslösung handeln kann. Sie machen Druck auf die Kantone in der West- und der Zentralschweiz: «Wir wollen das wichtige Thema anstossen. Es kann aber nicht sein, dass sich nur ein Landesteil solidarisch zeigt», sagt etwa die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann (SP). Die Vereinbarung mit Zürich gilt denn vorerst auch nur für ein Jahr. Das in der Weiterbildung und Forschung wichtige Kantonsspital St. Gallen erhält ebenfalls Gelder.

Vorbild für nationale Ebene

Tatsächlich prüft die Konferenz der Gesundheitsdirektoren zurzeit das Ostschweizer Modell. «Damit könnten wir weiterfahren», sagt Carlo Conti. Regierungsrat Koch seinerseits hofft, dass bis Anfang 2013 auf nationaler Ebene eine Lösung gefunden wird. Mit Ausnahme der Ostschweiz haben die Standortkantone der Universitätsspitäler 2012 vorerst aber noch die Weiterbildungskosten allein zu tragen.

Teure Weiterbildung in Unispitälern: Die Ostschweizer Kantone unterstützen den Kanton Zürich finanziell. (Bild: ky/Lukas Lehmann)

Teure Weiterbildung in Unispitälern: Die Ostschweizer Kantone unterstützen den Kanton Zürich finanziell. (Bild: ky/Lukas Lehmann)