Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Streit über «le Schwizerdütsch»

Der grüne Genfer Nationalrat Antonio Hodgers ist nach Bern gezogen und stellt fest, dass sich die Schweizer sprachlich auseinanderleben. Schuld sei der übermässige Gebrauch des Dialekts. Und facht damit eine wochenlange Debatte an.
Denise Lachat
Die Schwierigkeiten der Romands sind real: Sie lernen in der Schule Deutsch – und verstehen in der Deutschschweiz dann doch kein Wort. (Bild: ky)

Die Schwierigkeiten der Romands sind real: Sie lernen in der Schule Deutsch – und verstehen in der Deutschschweiz dann doch kein Wort. (Bild: ky)

genf. Dass sich Schweizerdeutsch in den Medien, Schulen und der Politik ausbreite, sei ein Problem für den nationalen Zusammenhalt, sagt der grüne Genfer Nationalrat Antonio Hodgers in der «NZZ am Sonntag», und er löste damit eine Debatte aus, welche die Westschweiz seit Wochen bewegt : Fast täglich sind Stellungnahmen zu hören und zu lesen.

Hochdeutsch für die Romands

Soll die Deutschschweiz, wie Hodgers es verlangt, im Bildungswesen, im Beruf und im öffentlichen Bereich künftig

Hochdeutsch sprechen? Oder Schweizerdeutsch zur Landessprache machen? Oder gleich zum Englischen wechseln? Der Westschweizer Anwalt und Ex-Nationalrat Charles Poncet antwortet Hodgers im Wochenmagazin «Hébdo» flugs auf Schweizerdeutsch. «Wo zum Tüüfel hesch Du die Schnapsidee här, dass me d'Lüt, bi däne me goht go wohne, sig's au nur vorübergehend, sott zwinge, ihri Sproch z'ändere?» Mario Carera wiederum hält Hodgers in «Le Temps» die Stange; die Deutschschweizer sollten sich mehr Mühe geben, Hochdeutsch zu lernen, schreibt der ranghohe Bundesbeamte.

Gerade im Zuge der Bilateralen müssten die Schweizer mindestens eine europäische Sprache gut beherrschen können. «Dazu zählen Deutsch, Italienisch und Französisch, aber nicht Schweizerdeutsch.»

Gefühl mangelnden Respekts

Neu ist diese Debatte nicht, und sie wird stets kontrovers geführt. Denn die Schwierigkeiten der Romands mit dem Schweizerdeutschen sind real: Wer mit Romands spricht, die in der Deutschschweiz gelebt haben, hört häufig dieselben Klagen.

Jahrelang haben sie sich in der Schule abgemüht, Hochdeutsch zu lernen – und verstehen bloss Bahnhof, sobald sie auf der anderen Seite des Röstigrabens angekommen sind. Sicher, es gibt viele Romands, die den Austausch mit den Deutschschweizern als problemlos beschreiben, vor allem im Beruf. Sprechen sie die Deutschschweizer Kollegen auf Hochdeutsch an, so antworten ihnen diese auch auf Hochdeutsch.

Andere aber berichten, dass ihnen die Deutschschweizer im Alltag aus lauter Abneigung gegen das Hochdeutsche entweder im Dialekt oder gar auf Französisch antworten, obwohl sie diese auf Hochdeutsch angesprochen haben. Darauf reagieren sie mit dem Gefühl, nicht respektiert zu werden. Tatsache ist auch, dass etliche Firmen von ihren Angestellten nicht nur Deutschkenntnisse verlangen.

Insbesondere bei Unternehmen, die ihren Hauptsitz in der Deutschschweiz haben, sind Dialekt-Kenntnisse für Westschweizer Mitarbeiter ein Vorteil – manchmal sogar eine Bedingung. «Sonst werde ich schon am Telefon abgewimmelt», erzählt ein Bekannter, und ein anderer sagt, dass er ein Geschäft mit Deutschschweizer Kunden glatt vergessen könne, wenn diese mit ihm Hochdeutsch sprechen müssten.

Mundart in der Romandie

Wenn sich Romands im anderen Landesteil integrieren wollen, tun sie gut daran, Schweizerdeutsch zu verstehen, selbst sprechen müssen sie es ja nicht. Denn ein Romand kann im Kollegenkreis schlecht erwarten, dass eine ganze Gruppe von Deutschschweizern untereinander von der Umgangssprache auf Hochdeutsch wechselt. Immerhin sei die Mundart «die Sprache des Herzens», sagt Bernard Bornet.

Der frühere Walliser Regierungsrat präsidiert heute den Rat zur Rettung des Patois und setzt sich mit Kräften dafür ein, dass die Mundart in der Romandie nicht ganz ausstirbt – im Unterschied zur Deutschschweiz hat die Westschweiz ihre Dialekte nämlich beinahe ausgerottet; wer in der Schule Patois sprach, erhielt eins auf die Finger, weiss der Walliser.

Hodgers Forderung, den Dialekt «mit gezielter Politik zu bremsen», lässt Bornet die Haare zu Berge stehen, und er hat Hodgers darum gleich die gesamte Patois-Dokumentation zugesandt.

Bei Tessinern funktioniert's

Patois ist lernbar – genau so wie Schweizerdeutsch auch. Zumindest belegt das die grosse Zahl von Tessinern, die in Zürich ihre Studienjahre verbringen und sich danach auf Schweizerdeutsch verständigen können. Den Tessinern bleibt auch fast keine Wahl.

Sie sind eine viel kleinere Minderheit als die Romands, weshalb sie sich auch mehr anstrengen müssen, die Sprache der anderen zu lernen. Tatsächlich können Romands speziell in der Bundeshauptstadt problemlos jahrelang unter sich bleiben, und viele tun gerade dies. Die frankophone «communauté» ist gross genug für ausreichende soziale Kontakte, und so gibt es nicht wenige Romands, die nach einem Jahrzehnt in Bern in die Romandie zurückkehren, ohne grosse Fortschritte in Deutsch oder Schweizerdeutsch gemacht zu haben.

Auseinandersetzung nötig

Das will Antonio Hodgers vermeiden. Er ist für ein Jahr von Genf nach Bern umgezogen, um Deutsch und Berndeutsch zu lernen. Im Grundsatz aber bleibt er bei seiner Feststellung, dass die Schweizer sich sprachlich auseinanderlebten. Was tun ? «Ich habe keine fertige Lösung anzubieten», räumt Hodgers ein. Dass man sich mit dem Thema auseinandersetze, müsse aber sein.

Antonio Hodgers (Bild: ky)

Antonio Hodgers (Bild: ky)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.