Streit im Bistum Chur geht weiter

Viele Katholiken im Bistum fühlen sich von Bischof Vitus Huonder geringgeschätzt, auch wenn der konservative Martin Grichting nun nicht Weihbischof wird. Der Ruf nach Huonders Rücktritt wird lauter.

Markus Rohner
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Bischof Vitus Huonder. (Bild: ky)

Bischof Vitus Huonder. (Bild: ky)

Im Bistum Chur, mit 700 000 Katholiken zweitgrösste Diözese der Schweiz, fühlen sich nach den jüngsten Personalentscheiden von Bischof Vitus Huonder breite Kirchenkreise schlecht behandelt und nicht ernst genommen. «Ich bin empört und erschüttert über die Arroganz des Bischofs», sagt Benno Schnüriger, Präsident des Synodalrates der katholischen Kirche im Kanton Zürich. Ohne mit den Kantonalkirchen das Gespräch gesucht zu haben, fällte der Bischof wichtige Personalentscheide. Die Katholiken im Kanton Zürich verlieren mit Marian Eleganti nicht nur ihren Weihbischof, Zürich wird künftig in der Schweizer Bischofskonferenz auch keine Stimme mehr haben. «Weihbischof Eleganti hat in den letzten Monaten mit den Zürcher Kirchenbehörden einen engen Dialog geführt und wir haben eine gute Zusammenarbeit gepflegt. Jetzt wurde er zum Bauernopfer», sagt Schnüriger.

Ähnlich kritisch äusserte sich auch die Präsidentin der Verwaltungskommission des Corpus Catholicum Graubünden, Claudia Kleis-Kümin. Die personelle Situation im Bistum sei nicht einfacher geworden.

Huonder ähnlich wie Haas

Je länger Vitus Huonder, 69, im Amt ist, desto zahlreicher werden die Parallelen zu Wolfgang Haas. Als im Dezember 1997 die Situation im Bistum nicht mehr zu retten war, zog der Vatikan die Notbremse und errichtete über Nacht das Erzbistum Vaduz. Zur Freude vieler Katholiken im Bistum Chur, die den ungeliebten Bischof loswurden, zum Ärger der Liechtensteiner, die die Churer Suppe auszulöffeln hatten. Dem Haas-Nachfolger Amédée Grab (1998- 2007) gelang es, wieder Ruhe und Friede ins Bistum zu bringen.

Mit dem konservativen Huonder hat ein Mann Grabs Nachfolge angetreten, der in vielen Fragen ähnlich denkt wie Haas. «Die Parallelen sind unübersehbar», sagt Schnüriger. Beide halten viel von Martin Grichting. Haas machte den redegewandten 44jährigen Zürcher zum Leiter des «Lauretanums», einer Bildungsstätte für künftige Priester. Unter Huonder wurde Grichting Generalvikar und sollte jetzt auch noch Weihbischof werden. «Dem Frieden im Bistum zuliebe» hat er verzichtet.

«Huonder nicht mehr tragbar»

Neben theologisch-religiösen Fragen sind es vor allem staatskirchenrechtliche Ansichten, die den Churer Bischof und sein Generalvikar von seinen Kantonalkirchen trennen. In den Strukturen der Zürcher Landeskirche erkennen beide eine vom Staat aufgezwungene Ordnung, die als «Gegen- oder Nebenkirche» den Bischof an der Ausübung seines Amts hindert. Grichting spricht von einem «Quasi-Ordinariat», das unabhängig von Bischof oder Generalvikar arbeite. Giuseppe Gracia, Mediensprecher des Bistums, sieht das ähnlich: «Die Kantonalkirchen behaupten, sie seien nur da, um der Kirche zu helfen. In Wirklichkeit wollen sie die Kirche leiten. Das ist der Konfliktpunkt, egal wie der Bischof heisst.»

Im Bistum Chur habe sich die Situation nach den neusten Ereignissen weiter zugespitzt, sagt Benno Schnüriger. «Die Zusammenarbeit mit Bischof Huonder wird in den nächsten Jahren sehr schwierig werden.» Zusammen mit den anderen Kantonalkirchen müsse jetzt nach einer Lösung gesucht werden, damit das Bistum künftig wieder funktioniert und die Pastoration nicht Schaden nimmt. Für Schnüriger ist klar: «Bischof Vitus Huonder ist als Bischof nicht mehr tragbar.» Sein vorzeitiger Rücktritt, noch vor Erreichen des 75. Altersjahres, wäre vielen im Bistum dienlich.

Was sagt der Mediensprecher des Bistums dazu: «Der Bischof wird so lange bleiben, wie es Gott und die Gesundheit erlauben.»

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