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Stilllegung kostet zwei Milliarden

Im Jahr 2019 geht mit dem AKW Mühleberg das erste Atomkraftwerk der Schweiz vom Netz. Die Finanzierung für das 2-Milliarden-Projekt ist laut der Betreiberin BKW gesichert. Welche Firmen die Zerlegung übernehmen, ist derzeit noch nicht klar.
Livio Brandenberg

«Die Finanzierung für die Stilllegung ist auf Kurs», sagte Suzanne Thoma, Geschäftsführerin der BKW, die das AKW Mühleberg betreibt. Der Energiekonzern informierte gestern, wie er das AKW stilllegen und zurückbauen will. Die BKW will die Anlage in Mühleberg Ende Dezember 2019 vom Netz nehmen, ab dann wird kein Strom mehr produziert. Bis Anfang Mai liegen die Projektpläne nun öffentlich auf. Anwohner und Verbände haben einen Monat Zeit, allfällige Einsprachen zu erheben.

Das Abschalten ist nur der erste Schritt im gesamten Stilllegungsprozess. Danach beginnt ein hochkomplexes und vor allem teures Unterfangen: In mehreren Phasen will die BKW die Anlage rückbauen. Kostenpunkt: rund zwei Milliarden Franken.

Die Stilllegung – also das Abschalten des Reaktors und der gesamte Rückbau – wird gemäss der Rechnung der BKW rund 800 Millionen Franken kosten. Bis Ende 2015 hat sie dafür Rückstellungen von 861 Millionen Franken getätigt.

Finanziell gut aufgestellt

«Vom Moment an, in dem das AKW Mühleberg keinen Strom mehr produziert, beginnt die Nachbetriebsphase. Für die Kosten dieser Phase sind allein wir zuständig», sagt BKW-Mediensprecher Tobias Fässler. Sobald die Brennstäbe ins Zwischenlager abtransportiert wurden, beginnt die Rückbauphase. «Für diese Kosten wurden Gelder in den Stilllegungsfonds des Bundes einbezahlt», erklärt Fässler.

Der Fonds wurde im Jahr 1984 gegründet. Beitragspflichtig sind die Eigentümer der AKW Beznau 1 und 2, Mühleberg, Gösgen und Leibstadt sowie das zentrale Zwischenlager für radioaktive Abfälle in Würenlingen. In den Stilllegungsfonds hat die BKW per Ende letzten Jahres 380 Millionen Franken eingezahlt. «Die Gelder in den Fonds gehören der BKW, doch sie sind auf einer Art Sperrkonto», sagt Fässler. «Wichtig ist: Wir können die anfallenden Kosten – Stand heute – mit unseren Rückstellungen decken», so Fässler.

Damit sei man finanziell so aufgestellt, dass das AKW Mühleberg plangemäss stillgelegt werden könne, sagte Suzanne Thoma. Schon Mitte März, als die BKW ihr Jahresergebnis präsentierte, gab sich die Chefin zuversichtlich: «Ich mache mir keinerlei Sorgen wegen des Geldes.» Die BKW schloss das vergangene Jahr mit einem Gewinn von 284 Millionen Franken ab. Ein solides Resultat angesichts der Probleme von Konkurrenten wie Alpiq oder Axpo.

Separater Fonds für Entsorgung

Noch teurer als der Rückbau wird die Entsorgung der radioaktiven Reste des AKW. «Aus dem Stilllegungsfonds kommt nur Geld für den Rückbau, die Entsorgung wird über den Entsorgungsfonds finanziert», erklärt BKW-Sprecher Fässler. Der Entsorgungsfonds wurde im Jahr 2000 gegründet und wird ebenfalls vom Staat kontrolliert. Insgesamt 1,3 Milliarden Franken budgetiert die BKW für die Entsorgung des radioaktiven Materials. Bis Ende 2015 hat sie 550 Millionen Franken in den Entsorgungsfonds überwiesen. Dazu kommen Rückstellungen in Höhe von 725 Millionen Franken.

Die BKW habe seriöse Arbeit geleistet und alles getan, was möglich sei, sagte Suzanne Thoma. «Nun gehen wir davon aus, dass auch alle Beteiligten einen Teil der Verantwortung übernehmen, so dass dieses AKW stillgelegt werden kann und dass dies zügig geschehen kann.» Damit forderte Thoma indirekt den Kanton Bern sowie die einspracheberechtigten Gemeinden und Privaten zum Verzicht auf Einsprachen auf.

Den Grossteil der Rückbauarbeiten wird die Betreiberin mit den eigenen Mitarbeitern bewältigen, sagt Philipp Hänggi, Leiter Nuklear der BKW. Den Reaktor zerlegen wird sie allerdings nicht selbst: «Für hochspezialisierte Demontage- und Zerlegearbeiten werden wir Spezialisten beiziehen», bestätigt Sprecher Tobias Fässler. Da diese Arbeiten aber erst in acht Jahren anfallen, sei es noch zu früh, um mehr dazu sagen zu können.

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